Peter Ripken (l.), der Projektmanager der Frankfurter Buchmesse, sah sich großem Druck ausgesetzt, weil die chinesische Zensurbehörde GAPP ein Erscheinen des Dichters Bei Ling (r.) bei dem Symposium in Frankfurt zu verhindern suchte. Nachdem Bei Ling auf eigene Faust angereist war, ist er schließlich doch wieder zu einem Gast der Buchmesse geworden. (The Epoch Times)

Glaube, Liebe, und doch keine Hoffnung

Von 13. September 2009 Aktualisiert: 13. September 2009 16:33
Der Dialog mit China findet in Ansätzen statt – doch dürfte nicht viel zu gewinnen sein

Einen Dialog, an dem auch die offizielle chinesische Seite teilnimmt, den wünschte sich Frankfurter-Buchmesse-Chef Jürgen Boos vom Symposium „China und die Welt – Wahrnehmung und Wirklichkeit“. Dass dieser Dialog nicht stattfindet, bewies der erste Tag des Symposiums. Dass er vielleicht doch stattfinden könnte, der zweite.

Die mit der Organisation der Buchmesse betreute Institution des Gastlandes China, die General Association for Press and Publication (GAPP), ist die Zensurbehörde einer kommunistischen Diktatur. Wie es aussieht, wenn eine Zensurbehörde ein Symposium gestaltet, konnten die unerwartet vielen Besucher am vergangenen Samstag, dem ersten Tag der Diskussionsrunden, live erleben. Auf dem Podium waren keine kritischen Stimmen zu hören.

In der Mitte der ehemalige chinesische Botschafter in Deutschland, Mei Zhaorong. Er sorgte dafür, dass das Symposium gleich am Vormittag einen Hauch Kulturrevolution atmete. Nachdem seine Delegation zuerst den Raum geschlossen verlassen hatte, als die Dissidenten-Autoren Bei Ling und Dai Qing aufs Podium geladen wurden, lässt er sich durch eine Entschuldigung von Boos erweichen, zurückzukommen. Mit erhobener Faust bescheidet er in erregtem Ton dem Publikum: „Die Zeiten, in denen Deutschland uns Lehrstunden in Demokratie erteilt hat, sind vorbei!“

Lauter Applaus brandet auf, als hätte ein Dirigent ein „Agitato“ diktiert, auch viele deutsche Gäste im Orchester. Ein unangenehmer Odem, der einem in abgeschwächter Form auch am Rest des ersten Symposiumstages entgegenwehte. Viel Verständnis konnte man von großen Teilen des Publikums für die Vorgangsweise, die Dissidenten-Autoren Bei Ling und Dai Qing allein aufs Podium zu nehmen, nicht erkennen. Die Riege der anwesenden deutschen China-Experten – hier muss der Hinweis gestattet sein, dass dieses Expertentum fast immer durch die Mutterbrust des kommunistischen Regimes genährt wurde – singt in großer Geschlossenheit das alte Lied vom kontraproduktiven Gesichtsverlust der China-Delegation, und wie wenig man doch im Allgemeinen und im Speziellen von Seiten der Buchmesse Ahnung hat vom Umgang mit Chinesen.

Das mag sein. Dennoch, es sei nicht vergessen, wer hier wen zuerst brüskiert hat: Es ist die Zensurbehörde Chinas, die ihren Einfluss auch in Deutschland versucht hatte, geltend zu machen. Wie sonst ist es zu verstehen, dass Regimekritiker auf Druck Chinas nicht auf dem offiziellen Podium mit diskutieren dürfen, und wie sonst ist es zu verstehen, wenn es heißt: Wenn der kommt, dann kommen wir nicht. So geschehen mit dem Exil-Autor Bei Ling.

Doch zurück zum Symposium selbst. Die mit Fug und Recht als angesehen zu bezeichnende Frankfurter Allgemeine Zeitung ist einer der Medienpartner des Symposiums, sie bestellte Peter Sturm als deutschen Moderator. Ihm verschlägt es auf dem Podium teilweise die Sprache, man wird das Gefühl nicht los, er sitze hier nicht ganz freiwillig. Der vermeintliche Diskurs gerät zur einseitigen Selbstdarstellung eines diktatorischen Regimes. Auch die Sprecher, die nicht direkt von der chinesischen Botschaft oder einer der Zensurbehörde direkt unterstehenden Institution kommen, üben sich in Zurückhaltung: Kritische Töne, das scheint jedem Sprecher klar zu sein, sind auf der Bühne nicht erwünscht. Auch bleiben kritische Fragen aus dem Publikum einfach unbeantwortet.

Anders hingegen der zweite Tag: Mehr Offenheit, mehr Diskurs, mehr Fragen, die beantwortet werden. Schimmert hier nicht doch Hoffnung?

Bei aller Liebe: Es fehlt der Glaube. Aus vielen Erfahrungen mit dem chinesischen Regime könnte uns klar sein, dass hier im Dialog nicht viel zu gewinnen ist. Das zeigte sich mit Olympia, als sich die Menschenrechtssituation gerade wegen der Spiele verschlechterte, als die Großstädte in großem Ausmaß von allen kritischen Stimmen gesäubert wurden, und das zeigt sich auch mit dem EU-China-Menschenrechtsdialog, bei dem der UNO-Sonderbeauftragte für Folter, Manfred Nowak, von einem Diktat der Themen durch die chinesische Seite und einer Stagnation des mehr als zehn Jahre andauernden Dialogs spricht.

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Doch ein Stück der Hoffnung, die Frankfurter Buchmesse werde sich hier nicht  gleich nahtlos einreihen, starb bereits zu Beginn.


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