Homeschooling trotz Lockerungen? Lehrer-Präsident sieht auch für 2021 keinen normalen Schulalltag

Von 22. April 2020 Aktualisiert: 22. April 2020 13:52
„Wenn ich aus verschiedenen Landesministerien höre, dass sie nicht damit rechnen, dass noch in diesem Schuljahr alle Schüler an die Schulen zurückkehren, und es im nächsten Schuljahr mit halbiertem Unterricht weitergeht, dann kommt ein riesiges Problem auf uns zu", sagte Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) erwartet längerfristig keinen normalen Unterricht an den Schulen in Deutschland. Es gehe jetzt zunächst darum, das zu tun, was möglich sei, sagte Karliczek am Mittwoch im Deutschlandfunk. Dies bedeute etwa, Präsenzunterricht und digitale Lernmethoden zu kombinieren.

Prüfungen sind stets eine Herausforderung, aber in der Corona-Krise sind die Umstände besonders. Hygieneregeln sind einzuhalten und natürlich gilt auch in der Schule der Sicherheitsabstand. Von einem normalen Schulalltag ist Deutschland weit entfernt. Davon ist der Präsident des deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, überzeugt. Auch im Hinblick auf den Impfstoff, den die Entscheidungsträger als Lösung des Corona-Problems anstreben, gab der Lehrerpräsident zu bedenken:

„Wenn ich jetzt mal davon ausgehe, dass die Schätzungen der Gesundheitsexperten richtig sind, dass das noch ein Jahr dauern könnte, dann müssen wir uns auch mindestens ein Jahr noch an den Schulen auf erhebliche Einschränkungen einstellen. Das bedeutet nicht nur in diesem Schuljahr, sondern auch weit noch ins nächste Schuljahr hinein.“

Meidinger fügte hinzu:

Wenn ich aus verschiedenen Landesministerien höre, dass sie nicht damit rechnen, dass noch in diesem Schuljahr alle Schüler an die Schulen zurückkehren, und es im nächsten Schuljahr mit halbiertem Unterricht weitergeht, dann kommt ein riesiges Problem auf uns zu. Wir brauchen ein großes Gesamtkonzept, das deutlich macht, wie es mit Zusatzförderung ausschaut.“

Voraussichtlich müsse das Homeschooling noch „über viele Wochen und Monate begleitend stattfinden“. Und wie Kinder unterrichtet werden, die keinen digitalen Zugang haben oder bei denen kein Deutsch gesprochen wird, müsse geprüft werden. Insoweit wäre es denkbar, den Lehrplan zu kürzen. Meidinger betonte: „Ich bin einer, der immer sagt: Kein Lehrplanziel ist verzichtbar.“ Aber jetzt sei zu überlegen, was noch notwendig oder was einsparbar ist.

Abiturschülerin kritisiert Vorbereitung

Bereits jetzt stehen die Abschlussklassen vor der Frage, wie sie die Abiturprüfungen überhaupt bewältigen können. Die 18-Jährige Zoe aus Köln beispielsweise hat als Leistungsfächer Deutsch und Sport. Aber Sportplätze und Schwimmhallen sind geschlossen. Und abiturrelevante Themen wurden im Unterricht noch gar nicht behandelt.

Erschwerend kommt hinzu, dass ihre kleineren Geschwister zu Hause herumtoben. Die Eltern sind im Homeoffice und halten daher Telefonkonferenzen ab. „Meine Ruhe finde ich hier nicht.“

Wenn Zoe ihrer Situation mit der ihrer großen Schwester vergleicht, die vor fünf Jahren ihre Prüfung abgelegt hat, sieht sie erhebliche Qualitätsunterschiede. Da gab es nicht nur den Abi-Ball und die beliebte Mottowoche für die Abgangsklassen, die bei Zoe ausfallen. Ihre Schwester war auch viel besser vorbereitet.

„Ich habe vor dem Fernseher gesessen letzte Woche und habe gehofft, dass Frau Merkel für Klarheit sorgt, aber ich bin leider immer noch genauso schlau wie vorher.“ Alles was versprochen werde, wie beispielsweise eine gute Prüfungsvorbereitung „habe ich jedenfalls nicht“, kritisiert Zoe.

Samstagsunterricht in Schleswig-Holstein im Gespräch

In Schleswig-Holstein hingegen zeigt sich zumindest Bildungsministerin Karin Prien überzeugt: „Unsere Schülerinnen und Schüler sind durch ihre Schullaufbahn gut vorbereitet. Sie können auf ihr Wissen und ihr Können vertrauen. Die Schulen im Land haben sich in den vergangenen Tagen intensiv auf die organisatorischen Rahmenbedingungen vorbereitet.“

Mit diesen Worten schickt die CDU-Politikerin die Abiturienten in die Prüfungen. Sie will auch für andere Schüler zumindest einen Tag pro Woche den Unterricht ermöglichen – notfalls am Samstag.

Bereits vor Ostern wurden Schulen mit Pump-Sprühflaschen für Desinfektionsmittel ausgerüstet, sodass die Schulen gut vorbereitet sind, „soweit das in Zeiten einer Pandemie möglich ist“, sagte Prien in einem Interview mit dem „Deutschlandfunk“.  Die Schulräume seien zudem „hinreichend gereinigt“. So könnten die Klassenstufen 9 und 10 in kleinen Gruppen arbeiten.

GEW widerspricht Rahmenbedingungen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht die Lage folgendermaßen: „Während viele Bundesländer gerade über die Pflicht zum Mundschutz diskutieren, weil das Coronavirus nicht gebannt ist, denken einzelne Bildungsministerien darüber nach, Pädagoginnen und Pädagogen, die älter als 60 Jahre sind, in den Schulen einzusetzen“, kritisierte GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann.

Schulbehörden gäben – gerne über das Wochenende – neue Vorgaben heraus, „die an vielen Schulorten nicht umzusetzen“ seien. Es sei kaum möglich, die Oberflächen wie gefordert zu reinigen. Auch die angenommene Waschbeckenanzahl sei in den Schulen nicht vorhanden. „Die Lehrenden, die in den Schulen arbeiten, die betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie deren Eltern, werden meist nicht gehört“, sagte Hoffmann den Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“.

(mit Material von dts)

 

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