Immigrantenverbände stellen sich hinter Essener Tafel: Regierung lenkt mit Kritik vom eigenen Versagen ab

Epoch Times2. März 2018 Aktualisiert: 3. März 2018 7:47
Das Thema "Essener Tafel" schlägt weiter Wellen. Nun meldet sich der Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände zu Wort. Die Kritik an der Tafel sei "unfair" und man spiele damit den Falschen in die Hände, so der Präsident.

Die „undifferenzierte Sichtweise und einseitige Kritik“ an der Maßnahme der Essener Tafel spiele vor allem den „Rechtspopulisten und den wahren Rassisten“ in die Hände. Dies meint der Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände in Deutschland (BAGIV), Ali Ertan Toprak.

„Es ist mehr als unfair ausgerechnet die Menschen, die vor Ort tagtäglich ehrenamtlich Bedürftige unterstützen und die wir mit riesigen Problemen allein lassen, in eine rassistische Ecke zu stellen, in die sie nicht hineingehören“, so Toprak in einer Pressemitteilung vom Freitag, die der EPOCH TIMES vorliegt.

Bundesregierung lenkt mit Kritik vom eigenen Versagen ab

Die Politik der Bundesregierung sei für die Armut in der Gesellschaft und die daraus resultierenden Verteilungskämpfe verantwortlich, schreibt der BAGIV-Präsident. Deutschland habe ein „enormes Armutsproblem“, einen „unfassbaren Niedriglohnsektor“, „unzureichende Grundsicherung“ und keine „stimmige Zuwanderungspolitik“.

Doch die Regierung lenkte von ihrem eigenen Versagen ab, „indem sie die Menschen angreift, die in Wirklichkeit die Probleme ausbaden und dennoch versuchen die Missstände zu bekämpfen“. Dies sei der eigentliche Skandal, so Toprak.

Toprak: Selbsternannte Moralapostel kritisieren nur alles

Dass die Essener Tafel seit Tagen belehrt und angefeindet werde, könne er nicht nachvollziehen, so der BAGIV-Chef:

Politiker, Medien und andere gesellschaftliche Akteure würden die Moral- und Rassismus-Keule schwingen ohne sich zu fragen, wem sie damit in die Hände spielen.“

Die selbsternannten Moralapostel kritisierten nur alles, während Ehrenamtliche sich für unsere Gesellschaft einsetzten, so Toprak weiter. Deswegen dürften sie auch falsche oder missverständliche Entscheidungen treffen, „ohne sofort zur Guillotine geführt zu werden. Sie verdienen unsere Unterstützung, aber keine Diffamierung.“

„Essener Tafel ist der falsche Ort, um Rassismus zu bekämpfen“

Außerdem bekämpfe man Rassismus nicht, indem man Migranten zu Opfern mache und gegen die Mehrheitsgesellschaft ausspiele. Damit spiele man den Falschen in die Hände und stärke das Narrativ „von der angeblichen Benachteiligung der Deutschen“, fügt der BAGIV-Präsident hinzu.

Deutschland habe zwar wie alle Nationen der Welt ein Rassismus-Problem, so Toprak. Doch die Essener Tafel sei der falsche Ort, um Rassismus zu bekämpfen.

Unsere Gegner sollten die zunehmend enthemmt völkisch-nationalistisch auftretenden Politiker und Hetzer sein, aber nicht die Ehrenamtlichen, die 75 Prozent der Ausländer mit Nahrungsmitteln versorgen“, erklärt der BAGIV-Chef.

Die BAGIV wolle zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen. Deswegen erkläre sie sich mit den ehrenamtlichen Helfern der Essener Tafel solidarisch und biete ihnen jederzeit ihre Unterstützung an, „wenn ihr nächstes Mal nicht wissen solltet, wie ihr mit bestimmten Herausforderungen umgehen sollt“, meint Toprak abschließend.

Infos zur BAGIV

Die BAGIV wurde 1985 gegründet. Sie sei „der einzige bundesweite und multinationale Dachverband von Migrantenselbstorganisationen mit dem Ziel der integrationsfördernden Selbstvertretung von ImmigrantInneninteressen“, heißt es auf der Seite der BAGIV. Ihr gehören außerdem 13 Verbände aus 11 Nationen an.

Ihre Ziele sind: 

  • die Erlangung eines Daueraufenthaltsrechts bzw. Niederlassungsberechtigung für Ausländer, 
  • die selbständige juristische Absicherung der Familien der MigrantInnen, 
  • die rechtliche und soziale Emanzipation der ausländischen Frau, 
  • eine schulische Bildung für die Migrantenkinder, welche völlige Chancengleichheit mit deutschen Kindern herstellt, jedoch dessen nationale und kulturelle Identität bewahrt, 
  • die Schaffung eines Anspruchs auf Einbürgerung für die MigrantInnen der zweiten und dritten Generation, 
  • politische Rechte, insbesondere das Wahlrecht für die hier ansässigen MigrantInnen.

(as)

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