Kabarett und Satire „inhaltlich neu aufstellen“: Gerüchte über Steimle-Aus beim MDR

Von 29. Oktober 2019 Aktualisiert: 29. Oktober 2019 21:31
Kabarettist Uwe Steimle ist ein Querkopf, der sein Herz auf der Zunge trägt und damit links, rechts und in der Mitte gleichermaßen aneckt. Dafür schätzt ihn sein primär ostdeutsches Publikum. Nun spekuliert der „Spiegel“ über ein mögliches Aus beim MDR.

„Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit“ prangt auf der Wiener Secession – und der aus der Endphase des 19. Jahrhunderts stammende Ausspruch gilt als kennzeichnend für einen Kunstbegriff, der die Autonomie von Künstlern gegenüber politischen und moralischen Vorgaben des Staates und der Gesellschaft betont.

Medienberichte, wonach der MDR seine weitere Zusammenarbeit mit dem bekannten sächsischen Kabarettisten Uwe Steimle überdenken möchte, nähren weitere Zweifel, ob nicht stromlinienförmige Künstler im heutigen Deutschland und seinem öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch erwünscht sind.

Explizit will der Sender sich bis dato noch nicht zur Causa Steimle äußern. Der „Spiegel“ mutmaßt jedoch, jüngste Ankündigungen des MDR, den Bereich Kabarett und Satire „inhaltlich neu aufzustellen“, seien so zu verstehen, dass der in Ostdeutschland bekannte und populäre Kabarettist und Schauspieler künftig nicht mehr dort auftreten soll.

Politischer Wanderer zwischen den Welten

Der 1963 in Dresden geborene Steimle gehört zu jenen Künstlern, die ihre künstlerische Freiheit sehr extensiv zu interpretieren pflegen. Dies gilt nicht nur bezüglich der Reichweite seines Repertoires, das sich vom politischen Kabarett über den Fernsehkrimi bis hin zur Doku Reihe erstreckt.

Steimle ist auch politisch kaum einzuordnen. Auf der einen Seite eröffnete er als „Kommissar Hinrichs“ im Schweriner „Polizeiruf 110“ dem Publikum Erkenntnisse wie jene, dass zunehmender Metalldiebstahl Ausdruck eines „Abstiegs der Mittelschicht“ sei und ließ sich 2009 für „Die Linke“ in die Bundesversammlung entsenden. Andererseits unterzeichnete er zusammen mit Persönlichkeiten wie Thilo Sarrazin oder Henryk M. Broder die „Gemeinsame Erklärung 2018“, die sich gegen die Migrationspolitik von Kanzlerin Angela Merkel wandte, und kritisierte die politische Ausrichtung öffentlich-rechtlicher Medien.

Antiamerikanische und israelfeindliche Äußerungen, verbunden mit Sympathiebekundungen für den russischen Präsidenten Wladimir Putin, brachten Steimle Vorwürfe ein wie jenen, zu einer „Querfront“ zu gehören oder „Verschwörungstheoretiker“ zu sein. Ein grüner Kommunalpolitiker aus Dresden erstritt sich vor Gericht das Recht, Steimle als „völkisch-antisemitischen Jammer-Ossi“ bezeichnen zu dürfen.

Der MDR selbst würdigte Steimle als „Heimatforscher und Störenfried“ und als „Mann, der zum kulturellen Inventar Mitteldeutschlands gehört“. In seiner eigenen Sendung „Steimles Welt“ reist er in einem Wartburg 312 durch Sachsen und stellt dort Land und Leute vor. Im Vorjahr soll MDR-Intendantin Karola Wille ihren Publikumsmagneten allerdings schon einmal zur Mäßigung aufgerufen haben, nachdem er die Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Zweifel gezogen hatte.

Ostdeutsche schätzen Steimle für seine Authentizität

Steimles Sendungen garantieren bis dato überdurchschnittliche Einschaltquoten. Bürger der neuen Bundesländer, insbesondere Sachsens, betrachten ihn als einen der Ihren – anders als eine Vielzahl der Programmverantwortlichen auch im MDR selbst, die nicht selten nach 1990 aus Westdeutschland gekommen waren, um den Ostdeutschen zu erklären, wie diese die Welt zu sehen hätten.

Steimle denkt hingegen, wie eine Mehrheit der einfachen Bevölkerung in Ostdeutschland denkt, belehrt nicht, spricht jedoch offen und provoziert mit zum Teil auch derbem und nicht immer geschmackvollem Humor. Im Juni 2019 sorgte er auf Twitter für Betroffenheitsbekundungen, als er auf einem Foto im Garten des Meißner Ex-CDU-Stadtrats Jörg Schlechte ein T-Shirt mit dem in Frakturschrift gehaltenen Aufdruck „Kraft durch Freunde“ trug.

Gegenüber Bild gab Steimle jüngst bezüglich der Gerüchte über einen Rauswurf beim MDR Entwarnung. Er äußerte dort: „Mit mir hat keiner geredet, im Gegenteil. Ich habe fürs kommende Jahr vier bestätigte Sendetermine. Dabei geht es unter anderem um die Druschba-Trasse.“

Stimmt diese Einschätzung, dürfte die Entscheidung zwischen Quote und Political Correctness beim MDR fürs Erste aufgeschoben zu sein. Die vom „Spiegel“ angestellten Spekulationen über ein Ende der Zusammenarbeit mit Steimle sorgen jedoch jetzt schon für Befremden in weiten Teilen des Publikums. Nutzer sozialer Medien geben ihrem Unverständnis darüber Ausdruck, dass in Zeiten eines Jan Böhmermann oder Liveübertragungen von Konzerten von Gruppen wie „Feine Sahne Fischfilet“ im Fall eines Uwe Steimle plötzlich strenge Maßstäbe bezüglich provokativer und polarisierender Äußerungen gelten sollten.

 

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