Warum in Deutschland weniger Menschen am Coronavirus sterben als andernorts

Epoch Times20. März 2020 Aktualisiert: 21. März 2020 0:30
Weltweit nimmt die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus zu, auch in Deutschland sind tausende Menschen infiziert. Und dennoch ist die Sterblichkeitsrate im europäischen Vergleich hierzulande überraschend niedrig. 

Den jüngsten Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Freitag zufolge sind in Deutschland 13.957 Menschen mit dem Virus infiziert und 31 Patienten gestorben. Das entspricht einer Sterblichkeitsrate von 0,22 Prozent – die damit deutlich niedriger ist als in Italien (8,3 Prozent), China (4 Prozent), Großbritannien (3,9 Prozent) und Frankreich (2,9 Prozent).

„Wir haben dafür keine wirkliche Erklärung. Es ist wahrscheinlich eine Kombination aus verschiedenen Faktoren“, sagt Richard Pebody von der Weltgesundheitsorganisation WHO. Experten zufolge kommen mehrere Gründe in Frage:

Bessere medizinische Ausstattung

Mit 25.000 Intensivbetten mit Beatmungsgerät ist Deutschland im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarn gut aufgestellt. In Frankreich gibt es nur rund 7000 Beatmungsplätze, in Italien etwa 5000. In Großbritannien stehen nach Behördenangaben nur etwas mehr als 4000 Intensivbetten und 5000 Beatmungsgeräte zur Verfügung.

Um eine Überlastung der Krankenhäuser wie in Italien oder Ostfrankreich zu verhindern, hat die Bundesregierung angekündigt, die Zahl der Intensivbetten mit Beatmungsgerät zu verdoppeln. Um die Krankenhausbetten für schwer Erkrankte freizuhalten, haben Bund und Länder in einem Notfallplan beschlossen, Hallen und Hotels zu provisorischen Behandlungszentren für leichtere Fälle umzurüsten.

Frühe Tests

Ein weiterer Faktor der niedrigen Sterblichkeitsrate könnte laut Experten das schnelle Handeln der Behörden gewesen sein. Deutschland habe das Virusgeschehen sehr früh erkannt und sich damit einen Vorsprung bei der Erkennung der Epidemie gesichert, sagt Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité.

Wissenschaftler der Charité hatten im Januar einen der ersten Tests für das neuartige Virus entwickelt. Deutschland verfügt zudem über ein Netzwerk unabhängiger Labore, von denen viele bereits im Januar mit Tests begannen, als die Fallzahlen noch sehr niedrig waren.

Dank der hohen Labordichte ist es in Deutschland einfacher als in anderen Ländern, sich testen zu lassen. Nach Schätzungen des RKI können täglich 12.000 Menschen in Deutschland auf das neuartige Virus getestet werden.

Jüngere Infizierte

In Deutschland ist der durchschnittliche Infizierte jünger und gesünder als jene in anderen Ländern. In der Bundesrepublik sind nach Angaben des RKI-Präsidenten Lothar Wieler mehr als 70 Prozent der bestätigten Infizierten zwischen 20 und 50 Jahre alt. Als Risikogruppe gelten insbesondere Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen.

Allerdings ist fast ein Viertel der deutschen Bevölkerung älter als 60 Jahre. Experten befürchten, dass die Zahl der Todesfälle mit der weiteren Ausbreitung des Virus in die Höhe schnellen wird.

Keine Tests bei Verstorbenen

Eine andere Erklärung könnte italienischen Experten zufolge sein, dass in Deutschland im Allgemeinen keine Post-mortem-Tests vorgenommen werden. Das RKI hält die nachträglichen Tests bei Verstorbenen hingegen für keinen „entscheidenden Faktor“. „Wir gehen davon aus, dass die Patienten diagnostiziert werden, bevor sie sterben“, teilte das Institut auf AFP-Anfrage mit. Deshalb seien die Tests nach dem Tod „nicht systematisch erforderlich“.

Wenn ein Mensch demnach in Quarantäne sterbe, ohne in ein Krankenhaus eingeliefert worden zu sein, tauche er mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Statistik der Corona-Todesfälle gar nicht auf, sagt Giovanni Maga vom Italienischen Nationalen Forschungsrat im Interview dem Sender Euronews. (afp)

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