EU strebt einheitliche Grundregeln für Sommer-Urlaub an – und erteilt Covid-Pässen eine Absage

Von 14. Mai 2020 Aktualisiert: 14. Mai 2020 10:33
Ob und inwieweit EU-Bürger im kommenden Sommer auch in anderen Mitgliedstaaten Urlaub machen können, ist noch ungewiss. Einige Staaten arbeiten an bilateralen Lösungen, die EU macht sich Gedanken um einheitliche Mindeststandards.

Am 15.6. wollen Deutschland und Österreich ihre gemeinsamen Grenzen wieder öffnen – und auch in anderen Ländern der EU sucht man nach Wegen, um den Sommertourismus, der in vielen Mitgliedstaaten in erheblicher Weise zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt, so weit wie möglich und unter Beachtung Corona-bedingter Vorsichtsmaßnahmen zu gewährleisten. Ob und inwieweit wer wo Urlaub machen kann, ist nach wie vor unklar.

EU gegen Covid-Pässe

Auch auf EU-Ebene selbst ringt man um einheitliche Standards, die helfen sollen, die Reisefreiheit bis zum Sommer wieder herzustellen. Kommissionsvizepräsidentin Margrethe Vestager und Binnenmarktkommissar Thierry Breton wollen ihr Konzept in Kürze der Öffentlichkeit vorstellen. Die „Welt“ hat bereits am heutigen Mittwoch (13.5.) vorab ihr vorliegende Entwürfe der Kommunikation und der Leitlinien präsentiert.

Ob die Leitlinien für Tourismusregionen und Reiseveranstalter letztlich umgesetzt werden könnten, sei ungewiss, da stetig die Entwicklung an der Corona-Front beobachtet und die Planung notfalls angepasst werden müsse. Erfolgt keine Verschärfung der Lage, wird Urlaub aber in einer Vielzahl traditioneller Tourismushochburgen wieder stattfinden können – wenn auch unter veränderten Rahmenbedingungen.

Eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ lehne Brüssel dabei ab, heißt es mit Blick auf Pläne zu Covid-Pässen und bilateralen Reiseabkommen, wie sie etwa traditionelle Urlaubsländer wie Österreich oder Italien ins Treffen geführt hatten. Wo ein Mitgliedstaat seine Grenze zu einem anderen öffne, müsse das, so heißt es in dem Papier, „ohne Diskriminierung für alle Menschen gelten, die in diesem Gebiet wohnen, gleich, ob sie Bürger des betreffenden Mitgliedstaats sind“.

Urlaub mit Abstandsgeboten und Höchstbelegungen

Vor allem große Hotelbetriebe werden eine Vielzahl an Vorgaben und Empfehlungen zu schultern haben. Dies beginne bei Desinfektionsmitteln, die an der Rezeption und an zahlreichen weiteren Orten bereitzustellen seien. Das Einchecken über Smartphone oder Selbstbedienungsterminal soll ebenfalls möglich werden.

Zudem soll es Plexiglas- oder ähnliche Abdeckungen am Empfang geben, Abstandsmarkierungen sollen den Infektionsschutz verbessern. Auch in Speiseräumen und am Pool soll sichergestellt werden, dass Abstände eingehalten werden oder Speisen im Zweifel an die Tische serviert werden – statt zur Entnahme am Büfett bereitzustehen. Bei Risikogruppen soll es sogar die Option geben, sich die Mahlzeiten auf das Zimmer servieren zu lassen.

Aufzüge sollen nur von Personen genutzt werden, die gemeinsam auf einem Zimmer untergebracht sind – wer fit genug ist, soll dazu angehalten werden, die Treppe zu benutzen. Wo Abstandsgebote nicht auf Dauer eingehalten werden könnte, sollen Masken getragen werden. Es soll auch eine Höchstzahl an Gästen geben, die zur gleichen Zeit Restaurants, Cafés, Bars und Lobbys benützen dürften.

Südtirol und Sardinien wollen öffnen

Für kleinere Beherbergungsbetriebe soll es weniger dichte Regelungen geben. Die einzelnen Staaten und Regionen werden auch mit Blick auf Events, Vergnügungsstätten oder andere typische Bestandteile des Familienurlaubs noch Detailregelungen treffen, deren Inhalt noch nicht absehbar ist.

Zudem steht auch noch nicht fest, inwieweit die einzelnen Mitgliedstaaten selbst willens sind, ihre Grenzen wieder zu öffnen und ob sie vorerst nur nationalen oder auch internationalen Tourismus zulassen wollen. In Italien gilt derzeit sogar noch ein Verbot für Italiener, die Grenzen ihrer Provinz zu überschreiten. Am 18. Mai soll es erste weitreichende Lockerungen geben.

Grundsätzliches Interesse an der Öffnung für internationalen Tourismus haben bislang die mit weitreichenden Autonomierechten ausgestatteten Regionen Sardinien und Südtirol anklingen lassen. Ab Anfang Juni soll zumindest für Einheimische wieder Urlaub in Italien möglich sein, sollten die Ansteckungszahlen nicht wieder steigen.

Italien: Vibrations-Armbänder sollen Abstand kontrollieren

Aber auch das Nationale Gesundheitskomitee Italiens hat bereits jetzt ein Set an Corona-Vorgaben zusammengestellt, das sich unter anderem auf das Verhalten an den Stränden bezieht.

Dort muss der Abstand zwischen Sonnenschirmen mindestens viereinhalb Meter betragen, Strandpersonal soll zudem darauf achten, dass die Besucher untereinander die Abstände einhalten. Zudem, so die „Welt“, ist die Ausgabe von Armbändern angedacht, die durch Vibration darauf hinweisen, dass man einem anderen Badegast zu nahe kommt.


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