Foto: HUBERT HITIER/AFP/Getty Images & Screenshot Youtube

Mysteriöses Notre-Dame-Feuer: Zigarettenkippen als Ursache? (+ Video: Brandtest an historischem Holzbalken)

Von 25. April 2019 Aktualisiert: 25. April 2019 13:46
Immer kurioser werden die Erklärungsversuche, die von einer unfallbedingten Brandentstehung mutmaßlich überzeugen wollen oder andersherum gesagt, von einem möglichen Brandanschlag mutmaßlich ablenken sollen. Doch wie gut oder schlecht brennen Holzbalken eigentlich?

„In keinem Fall kann ein schlecht ausgedrückter Zigarettenstummel Ursache des Brandes von Notre-Dame sein“, versicherte Marc Eskenazi, Firmensprecher der Gerüstbaufirma Le Bras Frères aus Jarny, bei Metz, in Ostfrankreich.

Die Mitarbeiter der Firma hatten auf dem Dach der Kathedrale ein Metallgerüst um den Spitzturm aufgebaut, für Renovierungsarbeiten. Während des verheerenden Brandes vom Montag, 15. April, stürzte der 90-Meter-Turm ein.

Eine weitere Hypothese der Brandursache wurde mit einem möglichen Kurzschluss in den Elektromotoren der Aufzüge zu den Baugerüsten vorgebracht.

Doch auch hier schloss der Firmensprecher jeglichen Zusammenhang mit dem Feuer aus. Gegenüber dem öffentlich-rechtlichen französischen TV-Sender „France3“ sagte Eskenazi, dass die Elektrizität der Aufzüge überprüft worden war, die Unterlagen lägen bei der Polizei. Es habe kein Problem gegeben. Auch hatten die Arbeiter vor dem Verlassen der Baustelle die Elektrizität unterbrochen. Der Nachrichtenagentur AFP gegenüber sagte der Sprecher am Mittwoch noch, dass die Motoren der Aufzüge weit entfernt von dem Spitzturm sind. Eskenazi wies auch noch darauf hin, „dass das Feuer vom Innern des Gebäudes ausging“.

Doch schon in der Nacht des Brandes, die Flammen waren noch nicht einmal komplett gelöscht, erklärte Justizminister Christophe Castaner bereits, dass es sich nicht um einen Terroranschlag gehandelt habe.

Bischof Patrick Chauvet, der Rektor von Notre Dame sagte bald schon nach dem Feuer: „Die Gebäudestruktur aus dem 13. Jahrhundert wurde sofort entzündet.“ Das Feuer breitete sich einfach zu schnell aus.

Doch was setzte die jahrhundertealten Eichenbalken des Dachstuhls dann in Brand? Waren es die verbotenerweise gerauchten Zigaretten der Bauarbeiter oder die entfernt vom Brandherd liegenden Aufzugsmotoren? War es der auf Video aufgenommene, sich bewegende mysteriöse Schatten nach einem Lichtblitz? Oder war es eine mystische Selbstentzündung? Was setzte die Balken von Notre-Dame in Flammen?

Ist Holz leicht entflammbar?

Jeder weiß, dass Holz brennt. Weniger, aber auch noch viele, wissen, dasss Holz aber gar nicht so einfach zu entzünden ist. Es braucht Sauerstoff und eine gewisse Energiezufuhr für eine gewisse Zeit, bis Holz im wahrsten Sinne des Wortes lichterloh brennt.

Auf der Firmenwebseite „Baumarkt.de“ erklärt Prof. Dr. Stefan Winter, Ingenieur und Holzbauexperte: „Ich baue mit Holz, weil es sicher ist. Es entflammt viel schwerer als die meisten anderen Materialien in unseren Wohnungen und Häusern.“ Zudem sei Holz ein schlechter Wärmeleiter, so der Fachmann. Wenn Holz Feuer fange, bilde sich eine Kohleschicht auf der Oberfläche, die isolierend gegen eine weitere Sauerstoffzufuhr ins Holzinnere wirke. Das Feuer erlösche, wenn nicht ständig weitere Energie zugeführt werde.

Das gehe sogar so weit, dass Holz nicht mehr eigenständig weiterbrenne, „sobald die Holzkohleschicht eine bestimmte Dicke erreicht hat“, heißt es auf „Schreiner.de“ dazu, und dass ein tragender Balken einer Feuerbelastung von 30 Minuten standhalten könne.

Wie die Kaminofenbaufirma Hase auf ihrer Webseite schildert, verbrennt Holz in drei Phasen: In der ersten wird das Holz ausgetrocknet. Bei ca. 100 °C verdampft der Wasseranteil, bei lufttrockenem Holz ca. 15 – 20 Prozent, Wärme muss ständig zugeführt werden.

In der zweiten Phase (100 – 150 °C) werden die Inhaltsstoffe des Holzes aufgespalten und das Holz wird zersetzt. Die flüchtigen Bestandteile machen etwa 80 Prozent der Holzmasse aus. Laut „Wikipedia“ besteht Holzgas hauptsächlich zu 45 Prozent aus brennbarem Methan und Kohlenmonoxid und zu 49 Prozent aus nichtbrennbarem Kohlendioxid. Bei 225 °C entflammt der brennbare Teil des Holzgases und setzt seinerseits weitere Wärme frei.

In der dritten Phase verbrennen die restlichen 14 Prozent an Holzkohle, langsam und mit wenig Flammen.

Auf „Epoch Times France“ wurde der von 2000 bis 2013 für Notre-Dame verantwortliche ehemalige Chefarchitekt historischer Denkmäler, Benjamin Mouton, zitiert:

Es erstaunt mich sehr, das verblüfft mich… Das Feuer konnte nicht von einem Kurzschluss ausgehen, es wäre große Hitze nötig, um eine solche Katastrophe zu erzeugen. Die Eiche ist ein besonders widerstandsfähiges Holz. Es ist 800 Jahre alt. In 40 Jahren Erfahrung habe ich so etwas nicht gesehen. Ich habe nie ein Feuer dieser Art gesehen.“

(Benjamin Mouton, ehemaliger Chefarchitekt von Notre-Dame)

Der Praxistest im Video: Wie leicht oder schwer entflammbar ist ein historischer Holzbalken?


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