Schweden: Notenbank fordert die Regierung auf, den Bargeldkreislauf sicherzustellen

Von 2. Dezember 2017 Aktualisiert: 3. Dezember 2017 10:13
Die schwedische Notenbank fordert von der Regierung, die Banken zu zwingen, den Bargeldkreislauf sicherzustellen. Nur noch jeder 7. Schwede bezahlt seine Einkäufe mit Bargeld, viele Bankfilialen geben kein Bargeld mehr aus und nehmen vor allem auch keines mehr an.

Die schwedische Notenbank hat die Seiten gewechselt. Während sie bisher massiv dafür eintrat, das Bargeld abzuschaffen, drängt sie nun die Regierung dazu, die Banken zu zwingen, den Bargeldkreislauf sicherzustellen, schreibt Norbert Häring, Buchautor und Wirtschaftsjournalist beim Handelsblatt.

Die Bargeldbeseitigung bleibt trotzdem weiterhin Thema. Für die Zeit nach dem Bargeld plant sie, digitales Geld herauszugeben, das die Privatsphäre wahren kann.

E-Geld konzentriert sich in den Händen von privaten Akteuren – das geht nicht

Nur noch jeder 7. Schwede bezahlte 2016 seine Einkäufe in bar. Im ersten Zwischenbericht der Reichsbank zum Projekt E-Krone heißt es dazu:

„Der Anteil der Barzahlungen im Einzelhandel ist von knapp 40 Prozent im Jahr 2010 auf rund 15 Prozent im Jahr 2016 gesunken. Zwei Drittel der Verbraucher geben an, ohne Bargeld auskommen zu können, und ebenso viele benutzen Karten für Zahlungen unter 100 SEK.“

Dies sei Teil eines stärkeren Trendes zur Digitalisierung – die jedoch vollständig von „privaten Akteuren gesteuert und unter einer kleinen Zahl von Geschäftsteilnehmern, Zahlungsdiensten und Infrastrukturen konsolidiert werden könnte“.

Eine Gesellschaft wird durch die Konzentration auf wenige Akteure verwundbarer. Im Bericht heißt es, dass die Entwicklung zu einer bargeldlosen Gesellschaft dazu führt, dass „Haushalte wenig Möglichkeiten haben, mit risikofreiem Zentralbankgeld zu sparen und zu zahlen, was letztlich zu einer Verschlechterung der Belastbarkeit des Zahlungssystems führen kann“.

Die Notenbank drängt deshalb die Regierung, den Banken gesetzlich vorzuschreiben, dass sie einen funktionierenden Bargeldkreislauf gewährleisten müssen.

Viele Bankfilialen geben kein Bargeld mehr aus und nehmen vor allem auch keines mehr an. Daraus entstehen bei Selbstständigen und kleineren Unternehmen große Probleme. Vor allem in nördlichen Regionen Schwedens gibt es Schwierigkeiten.

Die Notenbank möchte zwei Arten von elektronischem Geld einführen: Die e-krona

Die schwedische Zentralbank (Riksbank) schlägt vor, die e-krona in zwei Varianten anzulegen: zum einen als „Buchgeld-System“, zum anderen als „Wertbasiertes System“.

Die e-krona als „Buchgeld-System“ wäre wie ein Bankguthaben, das bei der Zentralbank geführt wird. Dabei könnten die normalen Geschäftsbanken wie bisher die Guthaben verwalten, in einer späteren Variante auch die Zentralbank selbst. Sofern die Zentralbank die Konten verwalten würde, wären die Gelder besser gegen einen Ausfall von Geschäfstbanken gesichert.

Das schwedische „Wertbasierte System“ bedeutet, dass das E-Geld weiterhin unter Kontrolle – und im Besitz – der Eigentümer bleibt. Es ist näher an einem Bargeld, denkbar wären entsprechende Bezahlkarten und elektronische Geldbörsen („Wallets“), über die die Menschen bezahlen könnten.

Als erstes Konzept schlägt die Bank vor:

  • Die e-krona ist in erster Linie für kleinere Zahlungen zwischen Verbrauchern, Unternehmen und Behörden gedacht.
  • Die e-krona stellt eine direkte Forderung an die Riksbank dar, ist in schwedischen Kronen angegeben und kann von der Öffentlichkeit, Finanzinstituten und Unternehmen gehalten werden. Sie ist in Echtzeit zugänglich, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr.
  • Die e-krona ist nicht zinsbringend, sollte aber über eine eingebaute Funktion verfügen, die es ermöglicht, zu einem späteren Zeitpunkt Zinsen zu erwirtschaften.
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  • Eine registerbasierte e-krona wird mit einer wertorientierten Lösung kombiniert, die Offline-Zahlungen von Kleinbeträgen ermöglicht und deren Verfügbarkeit für Gruppen erhöht, die keine e-krona-Konten haben wollen oder können.
  • Die Riksbank stellt die Grundfunktionen für die e-krona bereit, untersucht aber die Möglichkeit der Nutzung der bestehenden digitalen Infrastruktur und fordert externe Akteure auf, Vorschläge für die Gestaltung der Interaktion mit den Endnutzern zu unterbreiten.

Für kleinere Beträge soll die Möglichkeit von „Offline-Zahlungen“ erhalten bleiben – das bedeutet, Bargeld und anonymes Bezahlen beizubehalten.

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