Deutschland, Italien und China im Corona-Vergleich: Ist Chinas offiziellen Zahlen zu glauben?

Von 23. März 2020 Aktualisiert: 26. März 2020 22:26
Dass in zwei bis drei Monaten zehn Millionen Menschen in Deutschland infiziert sind, hält das Robert-Koch-Institut für möglich. Dabei gibt es in China, einem Land mit 1,4 Milliarden Einwohnern, bislang nach offiziellen Meldungen lediglich 81.000 Corona-Infizierte. In Italien sind es 60.000 - bei 60,5 Millionen Einwohnern.

Weltweit haben Ärzte, Behörden und Regierungen das Rennen gegen das neuartige Coronavirus aufgenommen. Nachdem der Erreger auch in Deutschland angekommen ist, wurden immer wieder Vergleiche mit der Anzahl der Grippetoten angestellt. Ein erster Blick auf die Seite des Robert-Koch-Institutes (RKI), das der Regierung auch in der Corona-Krise als beratende Behörde zur Seite steht, ergibt, dass in der Grippewelle 2017/18 „geschätzt“ 25.100 Menschen in Deutschland gestorben sind.

Aus dem „Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland Saison 2018/19“ geht hervor, dass 954 Todesfälle mit Influenza-Infektionen an das RKI übermittelt wurden. Das seien weniger Todesfälle mit Influenza-Infektionen als in der Vorsaison 2017/18, bei der 1.674 Tote gemeldet wurden.

Im Gegensatz zu anderen Erkrankungen wird Influenza auf dem Totenschein häufig nicht als Todesursache eingetragen, heißt es vom RKI. Das gelte, selbst wenn im Krankheitsverlauf eine Influenza labordiagnostisch bestätigt wurde. Es sei die Erfahrung vieler Länder, dass sich Todesfälle, die der Influenza zuzuschreiben sind, in anderen Todesursachen, wie beispielsweise Diabetes mellitus, Pneumonie oder Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems verbergen können. Daher sei es international üblich, die der Influenza zugeschriebene Sterblichkeit mittels statistischer Verfahren zu schätzen, indem Gesamttodesfallzahlen oder Statistiken zu respiratorisch bedingten Todesfällen herangezogen werden.

Jeder Corona-Infizierte gilt als Corona-Todesfall

Im Fall von Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus ist die Verfahrensweise eine andere: „Bei uns gilt als Corona-Todesfall jemand, bei dem eine Coronavirus-Infektion nachgewiesen wurde“, sagte RKI-Chef Lothar Wieler, deutscher Veterinärmediziner und Fachtierarzt für Mikrobiologie, in der Pressekonferenz am 20. März. Das heißt: Jedem Corona-Todesfall – auch einem Verkehrstoten – liegt offiziell die Lungenseuche als Ursache zugrunde, während viele Grippeopfer statistisch gesehen ihren Vorerkrankungen erlagen.

Auf Anfrage der Epoch Times, ob die Todesursache bei Corona-Fällen anhand von Obduktionen geprüft würden, antwortete das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen: „Eine zu detaillierte statistische Erhebung der aktuellen Daten würde zu hohe Personalkapazitäten der Unteren Gesundheitsbehörden binden. Diese Kapazitäten werden derzeit dringender für die Bekämpfung des konkreten Ausbruchsgeschehens benötigt. Insoweit muss die Statistik auf das Wesentliche beschränkt bleiben. Wir prüfen allerdings aktuell eine Ausweitung der Statistik.“

Obduktionen würden in den Kommunen angeordnet, insoweit lägen Zahlen und Ergebnisse dem Ministerium in NRW nicht vor.

Deutschland und Italien im Corona-Vergleich mit China

Dies vorausgeschickt, betrachte man nun die Aussage von Wieler in der Pressekonferenz vom 18. März. Darin kündigte er an, dass es möglich sei, dass in zwei bis drei Monaten zehn Millionen Menschen in Deutschland infiziert seien. Nach dieser Schätzung des RKI würde das Coronavirus etwa 12 Prozent der rund 83 Millionen Einwohner innerhalb von drei Monaten treffen. Aktuell (RKI, Stand 22.3., 0.00 Uhr) sind 18.610 Menschen infiziert, mithin 0,02 Prozent der deutschen Bevölkerung. Abweichende Zahlen meldet die Plattform „Worldometer“ (Stand 23.3., 7.50 Uhr) mit 24.873 Infizierten in Deutschland. Diese Zahl hat auch das Johns Hopkins Institut zugrunde gelegt.

In China, wo sich das Virus seit Anfang Dezember aus Wuhan verbreitet hat, sind nach offiziellen Meldungen der WHO (Stand 23.3., 08.56 Uhr) bislang 81.499 Menschen infiziert. Die Plattform „Worldometer“ spricht zum selben Zeitpunkt von 81.093 Infizierten in China. Das Johns Hopkins Institut meldet 81.454 Infizierte in China (Stand 23.3., 8.56 Uhr).

In China leben insgesamt rund 1,4 Milliarden Menschen. In einem Zeitraum von über drei Monaten haben sich nach den vorgenannten Angaben etwa 81.000 Menschen infiziert. Das sind 0,00623 Prozent. In der am stärksten betroffenen Provinz Hubei leben 59,17 Millionen Menschen, davon aktuell rund 11,8 Millionen in Wuhan. Setzt man die offiziell in China gemeldeten 81.000 Infektionen ins Verhältnis mit Hubei, so infizierten sich rund 0,1369 Prozent der Einwohner.

Italien: 75 Prozent der Fälle bei 25-mal weniger Einwohnern

Für Italien meldet die WHO (Stand 23.3.,  9.00 Uhr) 53.578 Infizierte, Johns Hopkins Institut und Worldometer melden jeweils 59.138 Infizierte und 5.476 Todesfälle. Im ganzen Land leben etwa 60,5 Millionen Menschen (Stand November 2018). Damit sind in Italien (Stand 23.3.) rund 0,09 Prozent der Bevölkerung infiziert.

Ihren Ausgang nahm die Infektionswelle in der Lombardei und Venetien, nachdem das Virus am 28. Januar 2020 bei zwei Touristen aus China nachgewiesen worden war.

In Italien wurden am 22. Februar die ersten Einschränkungen im öffentlichen Leben in die Wege geleitet. Ein Leser der Epoch Times schrieb heute (23.3.): „Hier in Florenz sind wir jetzt in der fünften Woche und ein Ende ist nicht abzusehen. Es geht hier nicht um Wochen, es geht hier um Monate, viele Monate, sehr sehr viele Monate.“

Mit rund 60.000 Infizierten gibt es in Italien, dessen Bevölkerung etwa vier Prozent von China ausmacht, etwa 75 Prozent der offiziell Infizierten Chinas. Die Todesfälle in Italien übersteigen gleichzeitig die offiziell gemeldete Corona-Toten aus China – und das, obwohl Italien dem Vorbild Chinas gefolgt ist.

Aber wie sieht es in China aus?

Chinas Verzögerungstaktik sorgte für Corona-Pandemie

Die Gesundheitskommission von Wuhan gab am 31. Dezember bekannt, dass sich 27 Personen „eine unbekannte virusbedingte Lungenentzündung“ zugezogen hatten. Die zentralen Regierungsbehörden teilten der Öffentlichkeit am 20. Januar die Details und die Schwere des Ausbruchs mit. Erst zu diesem Zeitpunkt gaben sie zu, dass das Virus ansteckend und von Mensch zu Mensch übertragbar ist.

Dass die Ausbreitung des Virus bei rechtzeitigem Handeln hätte gedrosselt werden können, bestätigt eine Studie der Universität Southampton, über die die „Hong Kong Free Press“ (HKFP) berichtet. Hätte das totalitäre Regime in China seine Maßnahmen statt Ende Januar 14 Tage früher eingesetzt, hätte sich die Zahl der Corona-Fälle um 86 Prozent reduzieren lassen.

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Nach offiziellen Meldungen hat China den Höhepunkt der Pandemie bereits überschritten. Seit Tagen werden nur vereinzelte Infektionen aus dem ganzen Land gemeldet. Beruft man sich auf die Plattform Worldometer, so sind die Zahlen seit Anfang März von 80.026 Infizierten auf 81.093 gestiegen, also innerhalb von 23 Tagen um rund 150 Menschen. Die Dunkelziffer liegen nach Schätzungen von Experten jedoch höher.

Virus „im Wesentlichen eingedämmt“

In Wuhan, wo das Virus zuerst ausgebrochen war, wurde die Quarantäne am 23. Januar angeordnet. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits fünf Millionen Menschen aufgrund der angedeuteten Maßnahmen aus der Stadt geflüchtet. Am 12. Februar erreichten die Infektionen in China laut Worldometer ihren Höhepunkt. In den darauf folgenden Tagen meldete das kommunistische Regime beständig, dass die Infektionen rückläufig seien. Dass das Virus im bisherigen Epizentrum „im Wesentlichen eingedämmt“ sei, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Chinas am 10. März.

Im Gegensatz dazu zeigen Berichte aus der Stadt Xiaogan in der Provinz Hubei, dass weiterhin Wohngebäude verriegelt werden. „Kein Haushalt wird verschont“, heißt es in einem Video. Die Menschen würden unter Zwangsquarantäne gestellt und es gäbe „keine Möglichkeit rauszukommen“.

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