Die Deutungshoheit über die australischen Brände – Bots und Trolle bei Twitter unterwegs

Epoch Times14. Januar 2020 Aktualisiert: 14. Januar 2020 16:38
Timothy Graham, ein Experte für digitale Medien an der Technischen Universität des nordostaustralischen Bundesstaates Queensland, untersuchte Twitter auf Bots und Trolle im Zusammenhang mit den Buschfeuern. Sein Ergebnis: Etwa die Hälfte der Twitternutzer bei #arsonemergency zeigen Bots- oder Trolltypisches Verhalten.

Außer dem Kampf gegen die Flammen in Australien wird inzwischen auch ein Kampf um die Deutungshoheit geführt: Sind die Brände eine Folge des Klimawandels oder lediglich das Werk krimineller Brandstifter?

Eine Untersuchung der Technischen Universität Queensland hat nun ergeben, dass zahlreiche Bots und Trolle im Internet Kriminellen die Schuld an den heftigen Bränden zuweisen, um von Folgen der Erderwärmung abzulenken.

Bots und Trolle

Timothy Graham, ein Experte für digitale Medien an der Technischen Universität des nordostaustralischen Bundesstaates Queensland, hat herausgefunden, dass die Hälfte der Twitter-Nutzer, die unter dem Hashtag #arsonemergency (Brandstiftungsnotfall) Einträge veröffentlichen, ein für Bots oder Trolle typisches Verhalten zeigen.

Bots sind Computerprogramme, die in sozialen Medien wie echte Nutzer agieren und automatisiert Botschaften verbreiten. Internet-Trolle sind reale Nutzer, die bewusst Online-Diskussionen stören, etwa durch das Streuen von Falschinformationen.

Ein Hinweis auf Bots und Trolle sind Nutzernamen, die aus wahllosen Buchstaben- und Zahlenkombinationen bestehen. Ihre Einträge in sozialen Netzwerken wiederholen sich oft, einige dieser Nutzerkonten interagieren nur untereinander. „Unsere Ergebnisse zeigen abgestimmte Bemühungen, die Öffentlichkeit über den Grund für die Buschbrände falsch zu informieren“, resümiert Graham gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Mitteilung der Polizei von NSW führte zu Verallgemeinerungen – die dann falsch sind

Von den 300 Twitter-Nutzerkonten und mehr als 1200 Einträgen, die Graham und seine Mitarbeiter analysierten, ordneten sie nur die Hälfte real existierenden Nutzern zu, die aufrichtig konservative Positionen zu den Buschbränden vertreten.

Und auch diese Einträge dürften nicht frei von Falschinformationen sein. So kursierte im Internet die erwiesenermaßen falsche Behauptung, dass in Australien 180 Menschen wegen Brandstiftung angeklagt worden seien. 180 Verdächtige wegen Brandstiftung ist jedoch eine Verallgemeinerung.

Die Falschbehauptung geht offenbar zurück auf eine Mitteilung der Polizei des australischen Bundesstaates New South Wales, wonach Ermittlungen gegen 183 Verdächtige wegen Vergehen im Zusammenhang mit den Bränden eingeleitet wurden. Allerdings wurde nur 24 von ihnen absichtliche Brandstiftung zur Last gelegt. Die meisten kamen wegen gedankenlosen Umgangs mit Zigaretten oder der Missachtung von Verboten, wegen der Hitze zu grillen oder zu schleifen, ins Visier der Behörden.

Die Behörden wiesen Darstellungen zurück, wonach einige der schlimmsten Brände im Land durch Brandstiftung verursacht werden. Auch die Statistiken früherer Buschbrände sprechen dagegen. Zwar gibt es mitunter Brandstiftungen, vor allem aber zählen Blitze, Funkenflug oder Unglücke zu den Ursachen.

Wissenschaftler führen die besonders frühen und heftigen Feuer der aktuellen Buschbrandsaison auf eine lang anhaltende Dürre zurück. Zudem brachten die klimatischen Verhältnisse in der Antarktis und im Indischen Ozean dem Fünften Kontinent heißes, trockenes sowie windiges Wetter. Diese Faktoren werden von Forschern wiederum ebenfalls auf den globalen Klimawandel zurückgeführt.

Graham meint, hinter den Falschinformationen über die Brände in Australien verberge sich „eine globale Kampagne mit dem Ziel, wissenschaftliche Beweise für den Klimawandel zu diskreditieren“. Nach Ansicht des Internet-Experten wollen interessierte Kreise zeigen, „dass der Klimawandel nicht real ist“. Die Buschbrände hätten ihnen die Gelegenheit geboten, „Australien auf die Weltbühne der globalen Desinformation zu zerren“. (afp)

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