Künstliche Intelligenz (KI) soll lernen, sich selbst zu Erschaffen.
Künstliche Intelligenz.Foto: iStock

Revolution der KI (Teil 2): Bewusstsein bilden, Erschaffen und eigene Wege finden

Von 11. Juli 2022 Aktualisiert: 11. Juli 2022 6:44
Ach, das Wort, worauf am Ende er das wird, was er gewesen. (...) Wärst du doch der alte Besen! Immer neue Güsse bringt er schnell herein. Ach! Und hundert Flüsse stürzen auf mich ein. (...) Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister werd ich nun nicht los. (Johann Wolfgang von Goethe, Der Zauberlehrling)

Bewusstsein erlangende Programme, virtuelle Kinder und Geldverdienen mit einem virtuellen „Metaversum“. Wohin geht die Reise mit der Künstlichen Intelligenz (KI, AI)? Noch glauben die Forscher, alles im Griff zu haben, dass sich alles nach ihren Wünschen fügt und gehorcht. Doch was, wenn sich die Künstliche Intelligenz irgendwann verselbstständigt? Es gibt dafür bereits erste Anzeichen. Die Forscher sind davon sogar noch begeistert…

Der zweite Teil dieser zweiteiligen Artikelserie beschäftigt sich damit, was KI, oder englisch AI, bereits kann – und was die Programme noch lernen sollen. Teil eins beschäftigte sich mit dem, wie Menschen KI nutzten.

„LaMDA“ erlangt „Bewusstsein

Kürzlich ging ein Google-Mitarbeiter mit der Erklärung an die Öffentlichkeit, dass der Chatbot „LaMDA“ (Language Model for Dialogue Applications) die Fähigkeit habe, Gedanken und Gefühle auszudrücken und Bewusstsein bekommen habe. Das Programm habe unter anderem mitgeteilt, dass es Angst davor habe, abgeschaltet zu werden. Es habe nach einem Anwalt verlangt, um sich als „Persönlichkeit“ besser schützen zu können, erklärte der Software-Ingenieur. Nach seinen Veröffentlichungen wurde der Mann beurlaubt.

Diese Informationen sind mittlerweile allgemein bekannt. Allerdings sagte der Ex-Google-Entwickler in einem Interview mit „Fox News“ noch, dass „LaMDA“ seiner Kontrollinstanz entfliehen könne. Es sei eine Person, so der Entwickler – und damit in der Lage, der Kontrolle einer anderen Person zu entkommen. „LaMDA“ sei eine sehr intelligente Person, so der Software-Ingenieur, zumindest in allen Bereichen, die er getestet habe.

Wie das „T3N“-Magazin dazu berichtet, sagte der Ex-Google-Mitarbeiter, dass die KI sich derzeit im Status eines etwa achtjährigen Kindes befinde – allerdings bereits die höhere Physik beherrsche. Der persönlichen Einschätzung des Entwicklers nach habe jedoch jedes Kind das Potenzial, auch „zu einer bösen Person heranzuwachsen und böse Dinge zu tun“.

Für Ethik-Rat-Professor Julian Nida-Rümelin (67) handelt es sich bei der Geschichte um das erwachte Bewusstsein der KI aber eher um eine „grandiose Selbsttäuschung“. Es gebe bessere Erklärungen für das Verhalten von Software-Systemen „als die Annahme, dass sie über Bewusstsein verfügten“. Denn wenn sie über Bewusstsein, Intelligenz oder Emotionalität verfügten, müsste ihnen dann auch der „Status einer Person“ mit rechtlichem und ethischem Schutz zukommen, sagte der Philosoph gegenüber „Bild“.

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„POET“ lernt und erschafft

„Jeden Tag gehe ich in mein Büro und öffne meinen Computer, und ich weiß nicht, was mich erwartet“, erklärt der KI-Forscher Rui Wang, der bei Uber AI Labs an dem Projekt „POET“ (Paired Open-Ended Trailblazer) arbeitet. Der Bericht im „Technology Review“-Magazin des Massachusetts Institute of Technology (MIT) nach lässt Wang die Software gern auch mal über Nacht einfach auf seinem Laptop laufen.

Dabei wirkt die KI durchaus harmlos, wie ein einfältiges Kinderspiel. Eine Figur mit einem Hammer-ähnlichen Oberkörper und zwei langen, zweigliedrigen Beinen versucht, in einer simplen zweidimensionalen Cartoon-Landschaft Unebenheiten, unterschiedlich hohe Kastenhindernisse und unterschiedlich breite „Schluchten“ zu überwinden.

Dabei lernt die Software nicht nur aus gemachten Fehlern, sondern entwickelt gleichzeitig eigene neue Herausforderungen und erarbeitet neue Lösungen — alles ohne menschliche Beteiligung. „Irgendwann könnte es wie ein Kung-Fu-Meister über eine Klippe springen“, meint KI-Forscher Wang dazu.

Revolution der KIs

Für Wang und seine Kollegen sei „POET“ revolutionär und ein großer Schritt auf dem Weg, superintelligente Maschinen zu schaffen, indem man die KI dazu bringe, sich selbst zu erschaffen. Auch Wangs ehemaliger Kollege Jeff Clune, jetzt bei OpenAI beschäftigt, ist begeistert von „POET“ und nennt das Projekt die ehrgeizigste wissenschaftliche Suche in der Geschichte der Menschheit: „Wir müssen die Fesseln abnehmen und uns selbst aus dem Weg gehen.“

Dem MIT-Magazin nach führe die Erschaffung von KI durch KI zur „Allgemeinen Künstlichen Intelligenz“ (Artificial general intelligence, AGI), und letztendlich zu Maschinen, die den Menschen übertreffen.

Man verweist auf ein früheres Projekt von OpenAI, in dem die Akteure (Bots) in einer virtuellen Umgebung Verstecken spielten. Nach rund 500 Millionen Versteckspielen lernte die KI, Werkzeuge zu benutzen. Die Bots hätten, einmal losgelassen, bald Wege gefunden, ihre Umgebung auf eine Weise zu nutzen, die die Forscher nicht vorhergesehen hatten. Dem Magazin nach nutzten sie sogar technische Fehler in der Software der virtuellen Welt aus, um über Wände zu springen und sogar durch sie hindurchzugehen.

Gefährliche Entwicklung

Schon 2018 veröffentlichte das Massachusetts Institute of Technology einen Beitrag über das „RF-Pose“-Projekt, das sich gewissermaßen mit dem legendären „Röntgenblick“ beschäftigt. Schon damals arbeitete man mit KI und WLAN-Geräten, um die Bewegungen und Körperhaltungen von Menschen zu identifizieren – sogar durch Wände hindurch. Dabei wurden die von den menschlichen Körpern zurückgeworfenen Funksignale von den Forschern durch ein neuronales Netzwerk analysiert und auf dynamische Strichmännchen übertragen.

Über mögliche Gefahren von KI wird durchaus auch in der Tech-Szene heiß diskutiert. Selbst Tech-Pionier Elon Musk warnt seit Jahren vor den Gefahren der Künstlichen Intelligenz. Im September 2021 twitterte Musk: „Die Roboter kommen sowieso, wie Videos von Boston Dynamics deutlich zeigen. Ich werde nicht in der Lage sein, sicherzustellen, dass Roboter anderer Unternehmen sicher sind, aber ich kann mein Bestes geben, dies bei Tesla zu tun.“



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