Eine innovative ungarische Erfindung könnte Plastik ersetzen

Es dauert 50 Jahre, bis sich ein Plastikbecher zersetzt. Eine PET-Flasche kann 500 Jahre durchhalten. Doch der Wendepunkt im Umweltschutz könnte gekommen sein: mit einem neuen Material namens „DAT1“.
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Sollte es zu keiner Wende kommen, dann würden sich bis 2040 schätzungsweise mehr als 1,3 Milliarden Tonnen Plastikmüll an Land und im Wasser ansammeln.Foto: iStock
Von 12. Mai 2023

Ein ungarischer Ingenieur könnte die Lösung in der Hand halten: Das von Péter Tamás Lajter erfundene Material mit dem Namen DAT1 kann Kunststoffe ersetzen. Zudem hat es bereits alle möglichen EU-Zertifizierungen und die Zulassung des deutschen TÜV, berichtet ein ungarisches Wissenschaftsportal.

Die mit DAT1 hergestellten Materialien sind innerhalb weniger Wochen vollständig abbaubar und hinterlassen kein Mikroplastik. Der Erfinder erklärt gegenüber der ungarischen „Deutschen Welle“:

Das Material, das wir herstellen, ist nicht nur vollständig organisch, sondern enthält auch nicht das geringste Erdölderivat oder eine andere Kunststoffverbindung.“

Was DAT1 von anderen abbaubaren Materialien unterscheide, sei, dass keine künstlichen Materialien übrig bleiben. Im Wasser baue es sich innerhalb einiger Stunden ab, ohne gesundheitsschädliche Rückstände zu hinterlassen.

Die breite Palette von Anwendungen mache DAT1 dem Erfinder zufolge zu einem geeigneten Ersatz für Plastik. Das Material kann zur Herstellung so gut wie aller Produkte verwendet werden.

„Man kann sogar das Wasser trinken, das nach der Auflösung übrig bleibt!“

Eines der ersten Erzeugnisse sind Kaffeekapseln. Nach den erfolgreichen Testergebnissen stellt eine Fabrik in Kecskemét (Ungarn) nun eine Reihe von Produkten aus dem neuen Material her: hauptsächlich Folien, Besteck und andere Gebrauchsgegenstände. Versuchsweise werden auch Automobilteile für die künftige Anwendung untersucht, berichtet das ungarische Portal „24.hu“.

Die Eigenschaften von DAT1 sind tatsächlich Kunststoff sehr ähnlich. Laut Lajter sind die mechanischen Parameter – insbesondere die Festigkeit und die Flexibilität des Materials – den im Alltag verwendeten Kunststoffen sehr ähnlich. DAT1 kann sich innerhalb weniger Wochen zersetzen, ohne dass es dem Wasser ausgesetzt wird. Zudem lässt es sich problemlos zu Hause kompostieren.

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Obwohl sich das Material innerhalb weniger Stunden im Wasser zersetzt, ist nicht zu befürchten, dass es sich bei der Verwendung in Kontakt mit Wasser auflöst. „Durch die Beschichtung mit einem selbst entwickelten organischen Material wird das Produkt wasserdicht. Wir machen es wasserabweisend, indem wir eine ‚hydrophobe Oberfläche‘ bilden“, erklärt der Entwickler auf seiner Website.

Die Eigenschaften von DAT1 wurden bereits vom TÜV, der internationalen technischen Prüfstelle mit Sitz in Deutschland, getestet und zertifiziert. Die Erfindung ist einzigartig auf der Welt, wie Recherchen während des Verfahrens beim ungarischen Patentamt ergeben hatten. Ein ähnliches Material sei zumindest bisher noch nicht angemeldet worden.

Der Erfinder ist fest davon überzeugt, dass seine Erfindung besonders umweltfreundlich ist. In einem Interview mit der „Deutschen Welle“ trank er vor laufender Kamera einen Schluck aus dem Wasserglas, in dem eine DAT1-Kaffeekapsel aufgelöst wurde. Dabei fügte er an, dass das Produkt nicht nur unschädlich sei, sondern sogar der Umwelt zugutekommen könne.

Das Rezept ist geheim

Alles begann im Jahr 2018. Damals verbreitete sich, dass die Verwendung von Plastik sowohl in der EU als auch in Ungarn verboten werden sollte, so der Ingenieur. Danach begann er sich Gedanken zu machen, wie er dieses weitverbreitete Material ersetzen könnte.

Für ihn war es in gewissem Sinne ein Profilwechsel, da er eigentlich Lebensmittelingenieur von Beruf ist. So kam der Ingenieur, der sich zuvor mit Nahrungsergänzungsmitteln und Vitaminen beschäftigt hatte, zu etwas völlig Neuem.

Die nicht einfache Versuchsphase dauerte mehrere Jahre und führte ihn zu völlig neuen Experimenten. Péter Tamás Lajter baute auf seinen früheren Forschungen auf, versuchte jedoch etwas Revolutionäres. Anfangs führte er die Experimente in seinem eigenen Haus durch, dann mietete er ein Labor, welches mehr Möglichkeiten bot.

Gegenüber den „Szeged Stadtnachrichten“ erläuterte er den bahnbrechenden Charakter seiner Entdeckung:

In Physik und Chemie ist dieser Stoff nicht bekannt. Hätten wir uns an der chemischen Wissenschaft orientiert, dann wäre das nicht möglich gewesen. Denn das Wissen der Chemie und die in der Chemie definierten Daten hätten uns das nicht gegeben.“

In einem Interview mit der „Deutschen Welle“ erklärte er, dass DAT1 aus sechs natürlichen Komponenten besteht. Diese sind dem Ingenieur zufolge verfügbar und nicht teurer als die Bestandteile, die zur Herstellung anderer umweltfreundlicher Materialien verwendet werden.

Es bestehe laut Lajter keine Gefahr, dass die Erfindung gestohlen werde: „Die Komponenten des neuen Materials sind durch chemische Tests zwar bestimmbar, die genaue Struktur jedoch nicht.“

Ungarn für die Erhaltung der Umwelt

In Ungarn unterstützt die Regierung die Ersetzung von Kunststoffen schon seit Jahren. Budapest stellt über drei Jahre hinweg 2 Milliarden Forint (5 Millionen Euro) aus dem Nationalen Forschungs- und Innovationsfonds bereit, um Projekte wie das von Lajter zu finanzieren. Der Aktionsplan wird dazu beitragen, innovative biologisch abbaubare Polymere zu entwickeln, die den Anteil von Kunststoffen aus Erdölderivaten und -rohstoffen verringern können, berichtet „Hungary Today“.

Es gibt zudem mehrere Gruppen im Land, die sich für die Reduzierung der Umweltverschmutzung einsetzen. Besonders beliebt ist der jährliche „PET Cup“. Bei diesem Programm steigen Hunderte sogenannter „PET-Piraten“ freiwillig in Boote.

Sie segeln eine Woche lang auf der Theiß, einem der größten Flüsse Ungarns, und sammeln tonnenweise weggeworfene Flaschen ein. Anschließend werden diese sortiert und dem Recycling zugeführt. Bei der letzten Aktion konnten sie 1.027 Säcke mit Abfall und 6 Tonnen PET-Flaschen herausfischen.



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