Das Ausmaß von Müllbergen wird mitunter erst aus dem Weltraum sichtbar.Foto: iStock

„Globale Plastik-Wache“ spürt Müllberge aus dem Weltraum auf

Von 23. Januar 2023
Wie groß Müllberge sind, erkennt man oft nur mit etwas Abstand. Das Projekt „Global Plastic Watch“ geht sprichwörtlich noch einen Schritt weiter weg und will Müllberge aus dem Weltraum überwachen. So sollen illegale Deponien schneller erkannt und Umweltschäden vermieden werden.

Jedes Jahr landen Millionen Tonnen Plastikmüll in der Umwelt, wo Strohhalme, Plastiktüten und Co. Hunderten Arten und ihren Ökosystemen schaden. Die Müllberge landen – durch Regen ausgewaschen und über Flüsse transportiert – nicht selten im Meer. Einmal im Ozean, erfordert die Beseitigung der schwimmenden Müllberge gigantische Anstrengungen. Ihr Ursprung liegt jedoch an Land und damit vergleichsweise leicht zugänglich.

Statt kilometerlange Barrieren von Hochseeschleppern durch die Meere zu ziehen, wäre es also einfacher, den Müll daran zu hindern, in die Umwelt zu gelangen. Dafür sollte (besser) verstanden werden, wo Menschen ihren Abfall an Land entsorgen. Allerdings fehlt es oft an Ressourcen, um derartige Standorte – sowohl offizielle als auch informelle oder illegale – zu erkennen und zu überwachen. Hinzu kommt, dass nicht überall der Wille der Bevölkerung und / oder der Behörden zur Kontrolle vorhanden ist.

Forscher um Caleb Kruse von Earthrise Media in Berkeley, Kalifornien, und Dr. Fabien Laurier von der Minderoo Foundation in Washington, D.C. haben sich diesem Problem hinter dem Problem angenommen. Mitte Januar stellten sie ihr Projekt in der Fachzeitschrift „Plos One“ vor: die „Global Plastic Watch“  (Globale Plastik-Wache).

Mit Abstand betrachten

Das neue computergestützte System nutzt Daten der Sentinel-2-Satelliten der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), um Müllhalden an Land zu identifizieren. Damit steht ein neues, orts- und behördenunabhängiges Instrument zur Überwachung von Abfällen zur Verfügung. Ziel ist es, Standorte aufzudecken, an denen Plastik in Wasserläufe gelangen kann.

Um die Leistungsfähigkeit des neuen Systems zu demonstrierten und zu bewerten, verwendeten die Forscher es zunächst „über“ Indonesien. Mithilfe ihrer Satelliten-Augen spürten die Forscher 374 Mülldeponien auf – mehr als doppelt so viele wie in öffentlichen Aufzeichnungen angegeben.

Bei der Ausweitung auf alle südostasiatischen Länder identifizierte das System insgesamt 966 Mülldeponien, deren Existenz anschließend mit anderen Methoden bestätigt wurde. Das waren fast dreimal so viele wie angegeben.

Inzwischen ist das System in weiteren Ländern verfügbar – auch für Deutschland. In der Bundesrepublik fanden die Forscher bislang 33 potenzielle Gefahrenstellen, die teilweise mit „Beweisfotos“ von Google Street View unterlegt wurden. Hinzu kommen Daten über ihre Veränderung seit 2017 und Informationen zu Eigenschaften der Fundorte wie Gefälle, Gewässer und Bodenbeschaffenheit. Ihre Größe reicht von 20 bis über 10.000 Quadratmeter.

Müllberge-Daten öffentlich zugänglich

Durch Verwendung aktualisierter Daten kann die Globale Plastik Wache nicht nur Veränderungen von Mülldeponien im Laufe der Zeit erkennen, sondern sie nahezu in Echtzeit überwachen. Darüber hinaus zeigen diese, wo besonderer Handlungsbedarf besteht. So fanden sie heraus, dass fast 20 Prozent der entdeckten Mülldeponien in einem Umkreis von 200 Metern um Gewässer liegen oder sogar sichtbar in Flüssen münden.

Diese sowie künftige Ergebnisse könnten dazu beitragen, die Abfallbewirtschaftungspolitik und die Entscheidungsfindung zu verbessern, so die Forscher. Die Daten sind öffentlich zugänglich, sodass Forscher, Behörden und auch Bürger sie nutzen können, um sich für Maßnahmen in ihren Gemeinden einzusetzen. Für die Zukunft planen die Forscher, ihre Müllwache zu verfeinern und weltweit auszuweiten.

„Zum ersten Mal gibt Global Plastic Watch Regierungen und Forschern auf der ganzen Welt Daten an die Hand, die zu besseren Maßnahmen in der Abfallwirtschaft führen können. [Und] um sicherzustellen, dass Abfälle vom Land nicht in unseren Ozeanen landen“, fassen die Forscher ihr Projekt zusammen.



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