Glänzende Zahlen trotz Krise

Epoch Times5. Juni 2009 Aktualisiert: 5. Juni 2009 9:32
Die InterSolar in München ist die weltweit größte Ausstellung für Solartechnik. Waren es im vergangenen Jahr noch 1.080 Aussteller, kamen in diesem Jahr über 1.400. Die 60.000 Besucher und 2.000 Teilnehmer an den 22 Kongressveranstaltungen zeigen das starke Interesse an Solarenergie. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer des Veranstalterunternehmens Solar Promotions, Markus Elsässer, warum die Solarenergie trotz Weltwirtschaftskrise boomt.

Epoch Times: Warum interessieren sich so viele Menschen für die Solarenergie und kommen zu der Ausstellung?

Markus Elsässer: Die InterSolar ist eine weltweite Messe, sie ist die weltgrößte und auch die internationalste Messe. Jeder zweite Aussteller kommt aus dem Ausland. Das ist auch das Konzept der InterSolar seit Anfang an, die Messe so zu entwickeln, dass sie eine attraktive Plattform für Besucher und Aussteller aus den unterschiedlichsten Ländern darstellt.

Sie können sich hier treffen und sich über Märkte informieren. Es geht hier nicht nur um den deutschen Markt, es geht um Märkte in Europa und weltweite Märkte. Man kann sich austauschen, Vertriebspartner suchen, sich über aktuelle Trends in der Branche oder Förderprogramme in verschiedensten Ländern informieren. Dieses klare Konzept der internationalen Ausrichtung, das wir hier verfolgen, ist sicherlich ein Hauptgrund, warum die Messe so erfolgreich ist.

Wir haben inzwischen in vielen Ländern Repräsentanzen. Auch in China sind wir präsent, wir haben auch in Peking einen Repräsentanten, der dort für die InterSolar Anprechpartner ist und die Messe bekannt macht, so dass wir versuchen die InterSolar immer stärker als weltweite Messe zu positionieren − da sind wir schon sehr gut.

Das Zweite ist, dass die Marktentwicklung speziell in Deutschland und Europa extrem positiv war. Die Zuwachsraten sind in der Regel zweistellig pro Jahr, und es gibt inzwischen einen Umsatz in der Solarbranche, also Photovoltaik und Solarthermie zusammengenommen, von fast 9 Milliarden Euro. Es sind 75.000 Arbeitsplätze in Deutschland entstanden, und das sind Faktoren, die dazu beitragen, dass das Interesse zunehmend wächst.

Epoch Times: Zurzeit entwickelt sich die Weltwirtschaft weniger gut. Wie wirkt sich die Krise auf die Messe aus?

Elsässer: Wenn man sich die Zahlen ansieht, dann sieht man keinen Einfluss der Krise auf InterSolar, die Wachstumsraten sind traumhaft. Aber wenn man genau hinschaut, dann ist es schon so, dass die Wirtschaftskrise Auswirkungen hat − es ist für Unternehmen schwieriger geworden große Projekte zu finanzieren.

(Qin Huang/The Epoch Times)
(Qin Huang/The Epoch Times)

Epoch Times: Hat die Weltwirtschaftskrise zu keinem Nachfragerückgang beim Endkunden geführt?

Elsässer: In den vergangenen Jahren sind sehr sehr große Kapazitäten entstanden. Man hat jetzt auch Überkapazitäten im Markt. Die Nachfrage war immer höher als das Angebot und das hat sich jetzt geändert, jetzt gibt es ein größeres Angebot und eine geringere Nachfrage. In Deutschland macht sich das durch einen Preisrückgang von 15-16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr in den Endkundenpreisen für Solar- und Photovoltaiksysteme bemerkbar − und das ist schon erheblich. Das hat aber auch zur Folge, dass es so attraktiv wie noch nie ist, in Solarstromanlagen zu investieren. Jeder, der hier eine Anlage installiert, bekommt eine garantierte Vergütung für den eingespeisten Solarstrom. Diese Vergütung wurde dieses Jahr um etwa 9 Prozent abgesenkt. Die Preise sind aber um 15-16 Prozent gefallen. Das heißt, dass die Rendite bei der Installation einer Solaranlage so hoch wie noch nie ist.

Epoch Times: Das dürfte die Nachfrage ja wiederum ankurbeln.

Elsässer: Wir vermuten, dass das 3. und 4. Quartal sehr gut wird und deshalb gehen wir und die Verbände davon aus, dass man mindestens die Installationszahl aus dem letzten Jahr erreichen kann. Diese war sehr hoch.

Epoch Times: Ich habe gehört, dass im Silicon Valley in Amerika neue Techniken erfunden wurden, sodass man Kosten auf dem Gebiet einsparen kann. Werden auch bei dieser Messe Neuheiten vorgestellt?

Elsässer: Ja, es ist so, dass die Messe jedes Jahr genutzt wird, um  den Kunden und der Presse technologische Weiterentwicklungen vorzustellen. Wir hatten in den letzten Tagen hunderte von Neuheiten.

Ein großes Thema ist zurzeit, wie man die Kosten in der Produktion senken kann und da sind, wie Sie angesprochen haben, im Silicon Valley gerade sehr viele Dünnschichten und materialsparende Technologien am Entstehen. Diese erobern im Moment die Märkte und nehmen einen immer größeren Marktanteil ein, sind aber im Vergleich zur konventionellen Siliziumtechnik noch in der Minderheit. Die Marktanteile sind noch relativ klein, aber sie nehmen stark zu. Und das ist eine Technologie, die nicht nur in den USA stark vertreten ist, sondern wir haben auch viele Anbieter in Europa und sogar in China, die diese Technik vertreten.

„Grid parity“ schon für 2012 erwartet

Epoch Times: Beim Computer war es ja so, dass er am Anfang sehr teuer war und ihn sich nicht jeder leisten konnte. Aber irgendwann ging der Preis dann stark zurück. Denken sie, dass die Preise für Solaranlagen auch zu einer bestimmten Zeit fallen werden, sodass es zu einer großflächigen Verbreitung kommt und sich die meisten Haushalte diese Technologie leisten können?

Elsässer: Es ist so, dass die Preise seit Jahren schon stark fallen. Wir haben jedes Jahr Preissenkungen von fünf bis acht Prozent gehabt. Jetzt haben wir eine Sondersituation: Es geht plötzlich um 15-16 Prozent runter. Aber die Tendenz ist schon seit Jahren so. Durch höhere Kapazitäten und neuere Technologien gehen die Preise ständig nach unten.

Was für die Solarbranche ganz wichtig ist, ist die sogenannte Netzparität oder „grid parity“. Das ist der Zeitpunkt, wo der Preis für den Kunden für Solarstrom dem Preis für den Strom aus der Steckdose entspricht. Da sind wir gar nicht mehr weit weg davon. In Deutschland dürfte das 2012 oder 2013 schon so weit sein, weil der Preis für konventionellen Strom jedes Jahr um einige Prozent steigt.

Und der Solarstrom sinkt pro Jahr im Preis um fünf Prozent, dieses Jahr 15-16 Prozent. Das heißt, dass sich die Kurven irgendwann treffen. Dann ist es für jeden attraktiv, sich eine Solarstromanlage auf das Dach zu setzen. Wenn man eine höhere Sonneneinstrahlung als Deutschland hat, kommt dieser Zeitpunkt noch schneller. Im Moment ist es so, dass man noch staatliche Unterstützung braucht − die haben wir in Deutschland. In China beispielsweise sind die Bedingungen leider nicht so gut, aber in anderen Ländern gibt es auch entsprechend gute, und sobald die da sind, trägt es den Markt dorthin.

Epoch Times: Was schätzen Sie, welchen Anteil am Gesamtstrom sein wird die Solarenergie zukünftig erreichen?

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Elsässer: Im Moment ist es laut Studien ein Prozent des erzeugten Stromes. Aber man muss auch sehen, dass es die industrielle Produktion von Solartechnik im großen Maßstab noch gar nicht so lange gibt. Eigentlich ging es erst so richtig 1999/2000 mit dem Gesetz für Erneuerbare Energien los, dass es attraktiv wurde Anlagen zu installieren. Danach hat die Industrie zunehmend in Fabriken und Kapazitäten investiert − das ist eigentlich ein sehr kurzer Zeitraum, indem die Industrie sich entwickelt hat, um auf ein Prozent Solarstromanteil zu kommen. Jetzt sind die Kapazitäten da. Die Installateure müssen auch geschult werden, und jetzt ist es eigentlich so weit, dass das alles sehr viel schneller geht. Die Studien sagen, dass wir 2020 schon in Richtung sieben Prozent kommen können, wenn die Rahmenbedingungen so bleiben. Das dauert eine gewisse Zeit, bis der Markt so weit ist. Also wenn jetzt China ein Erneuerbare Energiengesetz einführen würde, ähnlich wie in Deutschland, müssten erstmal die Installateure und die Planer da sein, die das Know-how haben und das dauert einfach. Deshalb ist es wichtig schon früh zu beginnen, weil es einige Jahre dauert, bis man substanziell etwas erreicht.

Deutschland bleibt auf Platz 1 bei Neuinstallationen

Epoch Times: Wie sieht der Anteil an Solarenergie in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern aus?

Elsässer: Hier war Deutschland viele Jahre auf Platz 1. Im letzten Jahr hat Spanien Deutschland überholt, aber dieses Jahr ist Deutschland wieder vorne. Das hängt damit zusammen, dass Spanien auch das deutsche Fördermodell eingeführt hat. Allerdings haben sie einen Fehler gemacht: Man hat zu hohe Vergütungssätze gehabt und die höhere Sonneneinstrahlung nicht berücksichtigt. Damit war die Rendite so hoch, dass alle nach Spanien gegangen sind und dort viele Anlagen installiert haben. Diese Anlagen wurden auf Freiflächen installiert, es waren sehr große Anlagen. Daraufhin hat die spanische Regierung diese Entwicklung gebremst, weil es ihnen einfach zu schnell ging. Es wurden etwa 2.600 Megawatt gemacht. Dieses Jahr wird Spanien nur rund 500 Megawatt machen, was international gesehen aber auch nicht schlecht ist: Das ist soviel wie die USA im letzten Jahr erreicht haben. Italien scheint jetzt im Bereich von 200-300 Megawatt zu kommen. Griechenland und Frankreich haben auch ganz gute Bedingungen. Es tut sich also schon was, es verteilt sich immer mehr auf verschiedene Länder aber für dieses Jahr wird Deutschland mit großer Wahrscheinlichkeit auf Platz 1 sein.

Epoch Times: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Qin Huang

Erschienen in The Epoch Times Deutschland Nr. 20/09

(Qin Huang/The Epoch Times)
(Qin Huang/The Epoch Times)