Warum Windräder vielleicht bald schwarz sein müssen

Sie können bis zu 400 km/h schnell werden und sind eine Gefahr für Tausende Vögel – die Rotorblätter von Windrädern. RWE testet diese deshalb nun schwarz gefärbt. Dieser optische Effekt soll die Todeszahlen deutlich reduzieren. Können die Anlagen somit etwas umweltfreundlicher werden?
Neue Farben für Windräder
Eine Windkraftanlage mit einem schwarz gefärbten Rotorblatt.Foto: RWE
Von 2. Mai 2023

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Weil die Bundesregierung die Energiewende vorantreibt, steigt auch die Anzahl der Windräder im Land. Damit erhöht sich die Gefahr für Vögel, von den sich drehenden Rotorblättern erschlagen zu werden.

Das Energieunternehmen RWE testet deshalb im niederländischen Eemshaven den Effekt von schwarz lackierten Rotorblättern. Dieser Farbaspekt soll die Kollisionen mit Vögeln deutlich reduzieren.

Mehr Schutz für Vögel

Grundlage für die Untersuchung ist eine norwegische Studie, die einen vielversprechenden Effekt feststellen konnte. Dort fanden die Forscher heraus, dass bereits ein schwarz gefärbtes Rotorblatt einer Windkraftanlage das Kollisionsrisiko für Vögel um über 70 Prozent senkt.

RWE prüft laut dem Portal „E-Fahrer“ derzeit, ob dieser Trick auch in Eemshaven in den Niederlanden ein ähnliches Ergebnis bewirkt. Dafür lackiert das Unternehmen jeweils ein Rotorblatt von sieben Windkraftanlagen mit schwarzer Farbe.

Katja Wünschel, Geschäftsführerin der Onshore Wind and Solar Europe & Australia, RWE Renewables zeigte sich ihrer Verantwortung, die mit ihren Projekten einhergeht, bewusst. „Für RWE bedeutet dies, dass wir gesellschaftlich relevante Themen bei unseren Geschäftsentscheidungen berücksichtigen. Zudem wollen wir unsere Geschäftstätigkeiten nicht nur aus geschäftlicher, sondern auch aus ökologischer, sozialer und ethischer Sicht betrachten.“

Strengere Umweltgesetze und Genehmigungsanforderungen in Regionen, in denen RWE neue Windkraftanlagen errichten will, sollen ein – wenn auch nicht der ausschlaggebende – Grund für den Testlauf gewesen sein. „Einige unserer Aktivitäten gehen über die […] festgelegten Verpflichtungen hinaus. Diese Untersuchung ist ein gutes Beispiel dafür“, zitierte GRN Wünschel im Oktober 2022.

RWE und die niederländische Provinz Groningen begannen im Jahr 2021 mit diesem Test. Er läuft in Kooperation mit der niederländischen Regierung, der Naturschutzbehörde (Bereich Vogelschutz) und privaten Unternehmen im Windenergiesektor (Vattenfall, Eneco Energy, Pure Energy, Statkraft Energy und Groningen.nl Energy). Die Studie soll bis 2024 laufen.

Kollisionen mit fast 400 km/h

Die Rotorblätter erreichen Geschwindigkeiten, die man mit dem bloßen Auge nicht erahnen kann. Diese sind bei starkem Wind besonders bei den großen Windrädern sehr hoch.

Beispielsweise bei einem Rotorblatt des Typs V126 mit einer Länge von 63 Metern. Der äußere Punkt dieses Rotorblatts legt bei einer Umdrehung laut „Enercity“ ganze 396 Meter zurück.

Bewegt sich der Rotor recht langsam mit rund fünf Umdrehungen pro Minute, liegt am äußeren Ende des Rotorblatts eine Geschwindigkeit von 130 km/h vor. Bei 16,5 Umdrehungen pro Minute dreht sich das Ende des Rotorblattes dann mit 390 km/h.

Deutschland setzt auf Kamerasysteme

Forscher von der amerikanischen Naturschutzorganisation „The Peregrine Fund“ haben zusammen mit einer amerikanischen Firma eine andere, etwas komplexere Herangehensweise gewählt. Ein Kamerasystem soll Großvögel, die sich einem Windpark nähern, identifizieren können, wie „Deutschlandfunknova“ berichtet. Auch soll es die Flugrichtung der Vögel erkennen und die Windräder auf der berechneten Flugbahn abschalten können.

Nach einem Jahr Testphase kam heraus, dass die Zahl der von Rotoren erschlagenen Adler um 80 Prozent gesunken war. Auch in Deutschland testen die Betreiber von Windkraftanlagen derzeit dieses System.

Das Kamerasystem soll laut dem Hersteller die Vögel auf bis zu einem Kilometer Entfernung sicher identifizieren können. So bleibe dem Windrad etwas Zeit, um sich zu verlangsamen oder ganz anzuhalten. Das System ist allerdings sehr teuer. Es kostet inklusive der Installation 150.000 Dollar (rund 136.500 Euro). Hinzu kommen jährliche Betriebskosten von 8.000 Dollar (7.275 Euro). Pro Anlage.

Wie viele Vögel sterben durch Windräder?

Die Rotorblätter von Windrädern töten jedes Jahr Tausende Vögel, wie „Der Standard“ berichtet. Wie viele es genau sind, lässt sich schwer sagen. Denn es gibt nur wenige groß angelegte Studien, die nicht immer auf andere Regionen und verschiedene Vogelarten eins zu eins übertragbar sind. Zudem stellt die Überprüfung aller Vogelopfer bei den zahlreichen Windparks einen enormen Aufwand dar. Seit Beginn des Jahrtausends erhöhte sich die Anzahl der Studien aber.

Beispielsweise registrierten Forscher in Spanien, dass 4.083 Windräder innerhalb von sechs Jahren 732 Gänsegeier töteten. Forscher errechneten daraus eine um 1,5 Prozent gesteigerte Mortalität der Vogelart in Nähe von Windkraftanlagen.

Studien des deutschen Umweltministeriums gehen von einem bis vier toten Vögeln pro Jahr und Windkraftanlage in Norddeutschland aus. Dort gibt es deutlich mehr Windräder als im Süden Deutschlands. Bei derzeit 30.000 Windkraftanlagen summiert sich die jährliche Todeszahl auf 120.000 Tiere.

In Frankreich und Niederösterreich waren es bei vergleichbaren Tests rund sieben Vögel pro Windrad und Jahr. Je nach Standort wurden in den USA bei neueren Anlagen zuletzt durchschnittlich jährliche Vogelschlagzahlen von 0,02 bis 7,36 pro Anlage gemessen.

Ein Aussterben bestimmter Vogelarten, wie es die im Internet kursierenden in die Millionen gehenden Todeszahlen mancher Spezies vermuten ließen, konnte aber so gut wie nie gefunden werden. Nur selten gab es spürbare Reduktionen im Bestand, etwa im Falle des Mäusebussards.

Auch Fledermäuse sterben durch Windräder

Neben Vögeln zählen auch Fledermäuse zu den Opfern von Windrädern. Zwischen 2002 und 2021 registrierte die zentrale Schlagopferkartei der deutschen Bundesländer 3.910 tote Fledermäuse. Die staatliche Vogelschutzwarte, welche die Datenbank betreibt, betont allerdings selbst, dass diese Zahlen durchaus mit Vorsicht zu genießen sind. Die Zahlen seien schließlich nur so gut wie die tatsächliche Meldebereitschaft der lokalen Stellen.

Bei Fledermäusen wirken oftmals schon die Verwirbelungen der Rotorblätter tödlich, wie das „Dialogforum Energie und Natur“ informiert. Denn sie erzeugen einen starken Unterdruck, der die inneren Organe der Fledermäuse schädigt oder direkt zum Platzen bringt. Wichtig ist auch hier der Blick auf die getöteten Tiere pro Windrad anstatt auf absolute Zahlen. In der Niederösterreich-Studie erwischte es mit durchschnittlich 5,33 Fledermäusen pro Anlage und Jahr etwas weniger Fledermäuse als andere Vögel.

Auch interessant: Eine britische Studie fand heraus, dass die hellgraue Farbe vieler Windkraftanlagen anziehend auf Insekten wirke, welche dann wiederum Vögel und Fledermäuse anlocken. Fledermäuse wiederum reagieren auf das rote Warnlicht. Vielleicht sollten die Betreiber der Anlagen also über gänzlich andere Farbkonzepte nachdenken.



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