Was tun im atomaren Ernstfall?

Von 13. Juni 2011 Aktualisiert: 13. Juni 2011 13:04
Unabhängig von Energiewenden und tagespolitischen Entscheidungen hat die Menschheit mit Atomkraftwerken Geister gerufen, die sich nicht einfach abschalten lassen. Es bleibt das Restrisiko – und es ist nicht klein.

So erschreckend das Cover des Buches vom Scorpio Verlag aussieht, im Innern ist das Buch von bemerkenswerter Ruhe und Nüchternheit. Mit dieser Nüchternheit beschreibt Gerd Pfitzenmaier zunächst den Zustand nach dem Reaktor-GAU in Fukushima. Beschreibt die Lügen, die Vermutungen, die Vertuschungen und die Ängste, die Furcht und die Hoffnung, es möge doch nicht so schlimm sein.

Erschreckende Unkenntnis scheint bei den Betreibern zu herrschen, niemand mag glauben, dass in solch einer Situation gelogen wird. Das war doch nur in Russland üblich, in der kommunistischen Sowjetunion, die Unruhe wächst. Die Experten werden gefragt, hiesige und andere. Bis heute, drei Monate nach dem GAU, der keiner gewesen sein sollte, bleiben die Verbeugungen der verantwortlichen Japaner im Gedächtnis, die man zunächst mit Anerkennung wahrnahm und die heute nur noch als unwürdige Formalität gesehen werden, hinter der man andere Interessen verbirgt.

So gehen nicht nur Menschenleben verloren, sondern insbesondere das Vertrauen sowohl in die Technik als auch in die Menschen, die Verantwortung tragen und die nun auch antworten sollten. Vielleicht ist es gut so. Zeit, um aufzuwachen und das „Restrisiko“ zu vermindern. Das bringt zwar die Deutschen in internationalen Verruf, der Angst erlegen zu sein, aber der Ruf zur Wende war unüberhörbar.

Denn auch bei uns kann es jederzeit zu einem Gau kommen, was dann? Sind wir umgeben von sachdienlichen Experten, Katastrophenhelfern und selbst kenntnisreich genug, um uns und vor allem unsere Kinder zu schützen? Wird das Unglück in Japan Auswirkungen auf Europa haben? Wird die Erdrotation die Wolke zu uns transportieren und in welcher Konzentration? Welche Formen von Verstrahlung gibt es? Wie sicher sind unsere Lebensmittel, bei welchen Stellen kann man Messwerte erfragen?

Sind Kinder stärker betroffen als Erwachsene und warum? Kann mein neues japanisches Auto kontaminiert sein? Was ist überhaupt radioaktive Strahlung und was ist ein GAU oder gar ein Super-GAU? Wohin mit dem Atommüll?

Hier haben zwei Autoren nach der ersten Bestandsaufnahme im Mai ein Kompendium an Auskünften und Ratschlägen vorgelegt, das von der Bekömmlichkeit des Fisches aus dem Pazifik reicht bis hin zu Adressen und Webseiten von attac bis zur Weltgesundheitsorganisation. Für den Gefahrenfall sollte man das 160 Seiten schmale Buch im Bücherregal auffindbar deponieren.

Gerd Pfitzenmaier war Chefredakteur der Zeitschriften Natur und Natur&Kosmos. Er ist Träger des Medienpreises der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sowie des Umweltmedienpreises der Bundesdeutschen Arbeitsgemeinschaft Umweltorientiertes Management (B.A.U.M. e. V.). Er lebt als freier Publizist in München.

Die Politikwissenschaftlerin Sabine Leise arbeitet seit 1999 als freie Autorin, schwerpunktmäßig zu den Themen Umwelt und Nachhaltigkeit.

Das Buch ist leicht zu verstehen, übersichtlich gegliedert, kostet weniger als zehn Euro und wird eine lange Halbwertszeit haben. Denn die Geister, die wir riefen, werden wir noch lange nicht los. Nicht durch Abschalten und nicht durch Wegschauen, nur durch Wachsamkeit können wir sie überleben.

www.scorpio-verlag.de/

Scorpio Verlag
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