Umbau der russischen Landwirtschaft: Auf dem Weg zur Selbstversorgung

Epoch Times16. Oktober 2015 Aktualisiert: 16. Oktober 2015 20:36
Laut dem "Gesetz über den Privatbesitz von Gartengelände" von 2003 hat jeder russische Bürger das Recht, kostenlos und steuerfrei ein Grundstück mit einer Größe zwischen 2,2 bis 6,8 ha als Privateigentum zu erhalten. Der Effekt 2015: Die meisten Nahrungsmittel werden privat angebaut und machen über 50 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Produktion aus.

Die Landwirtschaft Russlands besteht aus Millionen kleiner Familienbetriebe, die die meisten der Lebensmittel herstellen, die benötigt werden. Die Politik in Russland fördert den eigenen Anbau und die Möglichkeit, Land, das frei zur Verfügung gestellt wird, zu bewirtschaften

Bereits 1999 erwirtschafteten 35 Millionen kleine Familienbetriebe 90 Prozent der Kartoffeln, 87 Prozent der Früchte, 77 Prozent des Gemüse, 59 Prozent des Getreides und 49 Prozent der Milch, die in Russland benötigt werden. (Quelle hier) Ergänzt mit anderen Zahlen zeigt das, dass bereits 1999 geschätzt 105 Millionen Menschen, das sind 71 Prozent der russischen Bevölkerung, das meiste ihrer Lebensmittel selbst anpflanzten.

Gesetz von 2003 erfolgreich: Jeder russische Brüger kann kostenlos ein Grundstück bekommen

Laut dem "Gesetz über den Privatbesitz von Gartengelände" von 2003 hat jeder russische Bürger das Recht, kostenlos und steuerfrei ein Grundstück mit einer Größe zwischen 2,2 bis 6,8 ha als Privateigentum zu erhalten:

"In 2003 the Russian President signed into law a further “Private Garden Plot Act” enabling Russian citizens to receive free of charge from the state, plots of land in private inheritable ownership. Sizes of the plots differ by region but are between one and three hectares each [1 hectare = 2.2 acres]. Produce grown on these plots is not subject to taxation. A further subsequent law to facilitate the acquisition of land for gardening was passed in June 2006." (Quelle)

Und weiter auf deutsch: "Jedes Grundstück kann zum Anbau von Lebensmitteln, aber auch einfach als Ferien- oder Freizeitgelände genutzt werden, die Regierung hat eingewilligt, dieses Land nicht zu besteuern. Das Ergebnis ist phänomenal: Gesamt gesehen bauen russische Familien praktisch alle Lebensmittel, die sie brauchen, selbst an." (Quelle)

Der Zwang zur Selbstversorgung seit den Sanktionen der EU hat durchaus auch positive Folgen

Die private Land- und Gartenbewirtschaftung ist so effektiv, dass das Produktionsvolumen der Lebensmittel aus diesen Anbau über 50 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Produktion ausmacht. (Quelle: auf russisch)

Die Tendenz, im eigenen oder gemieteten Garten wieder Grundlebensmittel anzubauen, ist weltweit unter den Begriffen Factory Farming, Urbaner Gartenbau oder Urban Farming überall bekannt. In Russland wird diese Art des landwirtschaftlichen Anbaus gefördert und unterstützt. Diese Umbrüche in der russischen Landwirtschaft hängen mit den politischen Umbrüchen zusammen, die viele Menschen wieder "zurück aufs eigene Land" trieb.

Vegetationsperiode in Russland: 110 Tage

"Denken Sie daran, dass die Vegetationsperiode in Russland nur 110 Tage beträgt – in den USA könnte der Ertrag der Gärtner also ungleich höher sein. Doch heute ist die Rasenfläche in den USA doppelt so groß wie die der Gärten in Russland – und sie dient niemandem, außer einer millionenschweren Rasenpflege-Industrie."

"Das Modell der Hinterhofgärten ist in ganz Russland so erfolgreich, dass der Ertrag mehr als die Hälfte der gesamten landwirtschaftlichen Produktion des Landes ausmacht. Nach den Zahlen von 2004 beträgt der Gesamtwert der Hinterhoferzeugnisse in Russland umgerechnet 14 Milliarden Dollar, das sind 2,3 Prozent des russischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) – und diese Zahl steigt, weil sich immer mehr Russen der Ökodorf-Bewegung anschließen." (Quelle: hier)

Ein paar Zahlen: Fast die Hälfte des Anbaus kam 2010 aus den Hofwirtschaften

Folgende Zahlen stammen von der Bundeszentrale für politische Bildung, die schreibt:

"Die Gesamtproduktion hatte 2009 – je nach Erzeugnis – wieder zwischen 80% und 100% des Niveaus von 1992 erreicht und lag in Ausnahmefällen sogar darüber (Getreide: 90%, Gemüse: 134%, Kartoffeln: 79%, Fleisch: 82%, Milch: 69%). Große Flächen sind jedoch brach gefallen und verbuschen; die mit Ackerfrüchten bebaute Fläche betrug 2010 nur 75 Millionen Hektar gegenüber 115 Millionen Hektar im Jahr 1992."

"Während damals 67% der Produktion aus Großbetrieben und nur 32% von den privaten Hofwirtschaften stammte, haben sich diese Anteile bis 2010 stark verschoben: Nun kommen 44% aus Großbetrieben, 49% von den Hofwirtschaften und 7% von privatbäuerlichen Betrieben. Die Großbetriebe bewirtschaften aber 75% der Ackerfläche, die Hofwirtschaften hingegen nur 4,7% und die privatbäuerlichen Betriebe 21%."

Vergleicht man das mit den anderen Angaben, dann stellt sich heraus, dass auf den 4,7 Prozent der Fläche der Hofwirtschaften über 50 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Produktion produziert wurden.

"Angaben zu Beschäftigtenzahlen in der Landwirtschaft sind aus verschiedenen Gründen wenig zuverlässig, zeigen aber eindrucksvoll einen Trend, der im ländlichen Raum tiefe Spuren hinterlassen hat: 1990 waren 8,3 Millionen Personen in den Großbetrieben beschäftigt, 2006 waren es nur mehr 2,2 Millionen."

International ist das russische Agrarland begehrt, da es teilweise ungenutzte Flächen sind, die in riesigem Ausmaß genutzt werden können. So gibt es auch deutsche Landwirte, die etwas größer in Russland einsteigen (Spiegel 2012).

Russische Steuerpolitik: Senkung wichtiger Steuersätze

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International kaum beachtet, aber interessant ist auch die 2000 begonnene Reform des Steuersystems, die eine deutliche Senkung der wichtigsten Steuersätze bracht:

– Der Gewinnsteuersatz wurde auf 20 % bis 24 % gesenkt.

– Der Einkommensteuersatz beträgt jetzt 13 %, unabhängig von der Einkunftshöhe.

– Der Vermögensteuersatz erreicht maximal 2,2 %.

– Der Mehrwertsteuersatz wurde Anfang 2004 von 20 % auf 18 % gesenkt.

– Der Höchststeuersatz der „Einheitlichen Sozialsteuer“, die allein von den Arbeitgebern zur Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme aufzubringen ist, wurde Anfang 2005 von 35,6 % auf 26 % verringert. (Wikipedia) (ks)

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