Pandemie kostet das Gesundheitswesen über acht Milliarden Euro – Wie sinnvoll sind Corona-Tests für Rückkehrer?

Von 3. August 2020 Aktualisiert: 3. August 2020 15:45
Leere Krankenhausbetten, Anschaffung von Intensivbetten und fehlende Therapien. Die Kosten der Pandemie im Gesundheitswesen haben seit April 2020 eine beträchtliche Summe erreicht.

Für die Pandemiekosten im Gesundheitswesen wurden seit Anfang April insge­samt 8,77 Milliarden Euro aus dem Gesundheitsfonds ausgezahlt. So lautet eine Mitteilung des „Deutschen Ärzteblatts“ vom 28. Juli 2020.

In den Gesundheitsfonds fließen nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums die Beiträge der Arbeitgeber, der anderen Sozialversicherungsträger und der Mitglieder der Krankenkassen sowie ein Bundeszuschuss. Aus dem Fonds erhalten die Krankenkassen die Mittel, die sie benötigen, um die Leistungen für ihre Versicherten zu finanzieren. Bereits in den ersten drei Monaten des Jahres 2020 haben die 105 gesetzlichen Krankenkassen rund 1,3 Milliarden Euro mehr ausgegeben als eingenommen.

Finanzierung der leeren Krankenhausbetten

Allein in Hamburg wurde der Leerstand von Krankenhausbetten bis Mitte Juli mit 170,3 Millionen Euro finanziert. Aufgrund der zum Anfang der Pandemie erwarteten Vielzahl von zu behandelnden COVID-19-Patienten wurden erhebliche Kapazitäten freigehalten.

Als Tagespauschale gab es dafür 560 Euro. Für jedes zusätzliche Intensivbett mit Beatmungsmöglichkeit erhielt das Krankenhaus einen einmaligen Betrag von 50.000 Euro. Rund 14 Millionen Euro gab die Hansestadt für die Intensivbetten bislang aus.

Seit April wurden folgende Beträge aus dem Gesundheitsfonds unter anderem beglichen:

  • 7,13 Milliarden Euro für die Einnahmeausfälle für Krankenhäuser
  • 537 Millionen Euro für zusätzliche Intensivbetten
  • 298 Millionen für Ausfälle bei Vorsorge- und Reha-Einrichtungen, 808 Millionen Euro für Heilmittelerbringer. Dazu gehören Physio-, Sprach-, Ergo-, Ernährungstherapeuten und Podologen
  • 940.000 Euro für soziale Dienstleister
  • 800.000 Euro für Corona-Tests

Kostenlose Corona-Tests

In verschiedenen Aktionen wird derzeit für kostenlose Corona-Tests geworben. Sie gelten für Kita-Personal, Lehrer oder auch Reisende, die aus Risikogebieten zurückkommen. Auf Twitter heißt es vom Bundesgesundheitsministerium:

Die Liste der vom Robert Koch-Institut festgelegten Risikogebiete ist lang. Spahn ermutigte die Urlauber laut „Tagesschau“ mit den Worten: „Wer von einer Reise zurückkommt, sollte sich testen lassen – freiwillig und kostenlos.“ Niemand solle aus finanziellen Gründen auf die Tests verzichten.

Bundesinnenminister Horst Seehofer befürwortet kostenfreie Corona-Tests. Sie sollten bundesweit kostenfrei für alle sein. „Wir müssen bei der Bekämpfung einer potenziell lebensgefährlichen Infektion konsequent vorgehen“, sagte Seehofer. Bislang habe man keine Klarheit über das tatsächliche Infektionsgeschehen im Land.

Pro Corona-Test gilt laut Verordnung eine Pauschale von 50,50 Euro für Tests, die vom Gesundheitsamt angeordnet werden. Im Rahmen einer Krankenbehandlung fallen 39,90 EUR an. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert eine Testpflicht auch für Reisende aus Nicht-Risikogebieten, wie Frankreich, Belgien oder den Niederlanden.

Labore kritisieren Frei-Test

„Das ‚Einfach-so-Freitesten‘ von Reiserückkehrern mit Aufhebung der Quarantänepflicht bei negativem Ergebnis ist ein nicht kalkulierbares Risiko. Als Reaktion darauf jetzt einfach ‚zwei Tests‘ im Abstand weniger Tage zuzusagen, verkennt die Fakten“, sagte Dr. Michael Müller, Facharzt für Laboratoriumsmedizin und Vorstand der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM e.V.). Wichtiger sei es, die PCR-Untersuchungen, für die ein Rachen- oder Nasalabstrich genommen wird, zum „möglichst richtigen Zeitpunkt“ durchzuführen. Dabei sei auch die Qualität der Abstrichentnahme wichtig.

Aus Sicht des ALM e.V. ist eine unkritische Testung aller Reiserückkehrer medizinisch-fachlich nicht sinnvoll und auch infektionsepidemiologisch von geringem Nutzen. Auch wenn die PCR-Testkapazitäten im Moment noch mehr als ausreichend seien, sei das kein Grund, diese auch auszuschöpfen, so der fachärztliche Berufsverband.

„Die Kapazitäten wurden aufgebaut und werden vorgehalten, um analog der Situation auf den Intensivstationen im Falle einer deutlichen Zunahme des Infektionsgeschehens gut und sicher vorbereitet zu sein sowie kurzfristige Spitzen im Testgeschehen wie bei aktuellen regionalen Ausbrüche abzudecken“, erklärt Dr. Müller.

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Ob beim generellen Testen von Reiserückkehrern Nutzen und Aufwand in einem angemessenen Verhältnis stehen, dürfe in Frage gestellt werden. Möglicherweise biete ein Konzept mit Fokus auf eine fallbezogene „Cluster-Isolierung“ und konsequente zeitnahe Testung aller Kontaktpersonen eine weitere Verbesserungsoption.

Testen durch qualifizierte Labore

Prof. Jan Kramer, Vorstand im ALM e.V., warnt davor, rein kommerziell ausgerichtete Anbieter für die Testungen zu beauftragen oder zuzulassen: „Bund und Länder sollten im Blick haben, dass Testkapazitäten bei allen Bemühungen um Ausweitung immer begrenzt sind und dass die PCR-Untersuchung eine komplexe Leistung ist, die nur durch fachärztlich verantwortete Labore qualitätsgesichert, effektiv und effizient durchgeführt werden kann.“

Nur so könne eine gute Patienten- und Versichertenversorgung entsprechend bestehender Regeln der ärztlichen Berufsordnung, der Qualitätssicherung und auch der ärztlichen Sorgfaltspflicht gesichert werden. Es sei ein hohes Risiko, wenn nicht-ärztliche oder rein industrielle Anbieter das Recht der Patienten auf eine qualitätsgesicherte medizinische Diagnostik durch Angebote, zum Beispiel auf Internetplattformen, unterlaufen und dabei letztlich nur „mit der Sorge vor einer Ansteckung spielen“.

Statt nur auf die rein quantitative Ausweitung der Testungen zu setzen, sollten Bund und Länder nach Auffassung des ALM e.V. verstärkt auf die konsequente Umsetzung der nationalen Teststrategie und eine rasche Umsetzung der Digitalisierung des elektronischen Meldewesens setzen.

Für einen besseren Überblick zur labordiagnostischen Versorgung in den einzelnen Bundesländern hat der ALM e.V. die Landing-Page „Corona Diagnostik Insights“ mit Laborfinder sowie Zahlen, Daten und Fakten zur Covid-19-Labordiagnostik eingerichtet unter: www.corona-diagnostik-insights.de.

Positiv oder negativ?

Seit Beginn der Corona-Krise taucht der Begriff „falsch positiv“ immer wieder auf. „Falsch positiv“ bedeutet, dass eine eigentlich gesunde Person als Infektionsfall zählt, obwohl sie eigentlich nicht infiziert ist. Das Testergebnis ist also falsch.

Dass es falsch-positive Ergebnisse auch bei Corona-Tests gibt, ist kein Geheimnis. Bezüglich einer Testweise ohne systematisches Vorgehen wies Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am 29. Juni 2020 auf Twitter darauf hin, dass man gezielt testen müsse: „Denn es wiegt in falscher Sicherheit, erhöht das Risiko falsch-positiver Ergebnisse und belastet die vorhandene Testkapazität.“

Jeder Test hat eine Fehlerquote

Auch ein Test, der zu 99 Prozent zuverlässig ist, weist eine Fehlerquote auf. Neben korrekt erkannten Ergebnissen – beispielsweise der Anzahl der COVID-19-positiven Neuinfizierten – kommt es zu einigen falsch erkannten Resultaten, die dann zum Beispiel eine größere Anzahl an Neuinfektionen suggerieren. Entscheidend für die (statistische) Qualität eines Tests sind daher zwei Größen: Sensitivität und Spezifität.

Die Sensitivität gibt an, bei wie viel Prozent der Tests das untersuchte Merkmal (COVID-19) erkannt wird, also ein positives Testresultat auftritt. Die Spezifität hingegen gibt die Wahrscheinlichkeit an, mit der tatsächlich Gesunde richtigerweise als gesund erkannt werden.

Je höher diese Werte liegen, desto besser ist der Test, dennoch gibt es immer auch falsche Testergebnisse. Diese sind statistisch (und politisch) interessant, denn ihre Zahl hängt direkt von der Zahl der durchgeführten Tests ab.

(mit dts-Material)

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