Bild-Zeitung.Foto: iStock

Projekt „Herkules“: Axel Springer-Verlag legt „Bild“-Mitarbeitern freiwilliges Ausscheiden nahe

Von 31. Dezember 2019 Aktualisiert: 1. Januar 2020 20:04
Mit dem Einstieg des als "Heuschrecke" bekannten US Investors "KKR" fährt der Springerverlag einen härteren Sparkurs und will den Konzern umstrukturieren. Mitarbeiter können gegen ein Fünftel der maximal möglichen Abfindung ausscheiden. Springer hält das für "großzügig", Mitarbeiter für eine "Mogelpackung".

Mit dem Projekt „Herkules“ will der Axel Springer Verlag Mitarbeiter von „Bild“ zum freiwilligen Ausscheiden motivieren. Der Branchendienst „Meedia“ und „RT Deutsch“ (hier und hier) berichteten.

„Herkules“ soll Arbeitsprozesse verhindern

Mit dem Projekt „Herkules“ will Springer eine „Prozesslawine vor den Arbeitsgerichten“ vermeiden, die der Restrukturierung und dem Arbeitsplatzabbau entgegenstehen würden, sagte eine Sprecherin des Verlags gegenüber „Meedia“. Mitarbeiter der „Welt“ konnten das Angebot im Dezember annehmen. „Bild“-Mitarbeiter können das Angebot nun vom 6. bis zum 19. Januar auf freiwilliger Basis annehmen. In einer zweiten Phase vom 20. Januar bis 14. Februar 2020 will Springer dann selbst weitere „Bild“-Mitarbeiter ansprechen.

Als Entschädigung für das freiwillige Ausscheiden erhalten Mitarbeiter eine finanzielle Prämie von 20 Prozent von dem Betrag, der im Rationalisierungsschutzabkommen vereinbart ist, mindestens jedoch 10.000 Euro. Das Rationalisierungsschutzabkommen regelt, was Mitarbeiter maximal beim Ausscheiden bekommen können. Schwerbehinderte sollen hier zudem eine Sonderzahlung von 6.000 Euro erhalten.

Branchendienste rechnen mit 150 bis 2000 Kündigungen

Ein Sprecher von Springer betonte gegenüber „Meedia“, dass die „strukturellen Anpassungen“ notwendig seien, um Kostensenkungen von rund 50 Millionen Euro zu erreichen. Denn künftig fließen 20 Millionen in einen eigenen noch zu schaffenden Fernsehsender – „Bild TV“. Dafür sollen rund 20 Prozent der Stellen im schwächelnden Printbereich von „Bild“ und „Welt“ wegfallen, berichtete „Meedia“. Weiter will Springer Weltmarktführer bei sogenannten „Online-Kleinanzeigen“ werden.

Der Journalistenverband „DJV“ rechnet mit 150 Kündigungen bei „Bild“. Es könnten sogar bis zu 2000 Mitarbeiter gekündigt werden, berichtete „RT Deutsch“. Insbesondere die Außenredaktionen sollen betroffen sein. Offizielle Zahlen seitens Springer gibt es bislang nicht. „Meedia“ rechnet damit, dass Springer sich im Februar dazu äußert.

Eine Finanzspritze dürfte Springer aus dem Verkauf des künftigen Betriebsgrundstücks erzielt haben, der Springer einen Gewinn von 155 Millionen Euro gebracht haben soll, berichtete „Meedia“. Springer erwarb das Grundstück vor 10 Jahren vom damals angeschlagenen Medienunternehmer und “ Springer-Erzfeind“ Leo Kirch. Zwischenzeitlich hat Springer das Grundstück an den niederländischen Staatsfonds veräußert, nutzt es aber weiter. Der „Newsroom“ soll im Januar dort einziehen. Das aufstehende Gebäude wurde vom niederländischen Architekt Rem Koolhaas entworfen.

Mitarbeiter halten Angebot für „Mogelpackung“

Der Springerverlag hält sein Angebot für eine „großzügige Regelung, die oberhalb des Sozialplanniveaus liegt“, sagte eine Sprecherin gegenüber „Meedia“. Ziel sei es, „wie bei Axel Springer üblich, in möglichst vielen Fällen sozialverträgliche Lösungen zu finden“.

Doch aus Sicht der Mitarbeiter stellt das Abfindungsangebot eine „Mogelpackung“ dar. Denn nach dem Rationalierungsschutzabkommen können die Mitarbeiter mit dem Arbeitgeber eine individuelle höhere Abfindung verhandeln. Weiter beanstanden die Mitarbeiter, dass sie die Abfindung anteilig zurückzahlen müssen, wenn sie innerhalb der ersten beiden Jahre nach Abfindung wieder zum Springerverlag zurückkehren.

KKR ( Kohlberg Kravis Roberts) ist mit 44,28 Aktienanteil und 2,9 Milliarden Euro beteiligt und hält damit den größten Anteil. Die Witwe Friede Springer ist noch mit 42,6 Prozent beteiligt.

Geteilte Meinungen über „Heuschrecke“ KKR

Der US-Investor will nach der Freigabe durch das Kartellamt im Dezember seinen Einfluss im Aufsichtsrat ausweiten, wie der Branchendienst „Meedia“ berichte, und ein Drittel des Aufsichtsrats besetzen – das bedeutet drei von neun Plätzen. Potenzieller Kandidat könnte Johannes Huth, Europa-Chef von KKR, werden. Döpfner will mit dem Stellenabbau, „die beiden publizistische Flaggschiffe des Berliner-Verlags stärker auf Gewinn trimmen“, berichtete „Meedia“.

KKR ist auch als sogenannte „Heuschrecke“ bekannt. Heuschrecken sind „aggressive Firmenjäger“, die mit „rüden Geschäftsmethoden Profit aus den übernommenen Unternehmen“ schlagen. Dabei kaufen sie Unternehmen unter Wert auf, zerschlagen es in Teile und verkaufen diese wieder mit Gewinn, teilweise an der Börse. Dabei werden auch Mitarbeiter gekündigt.

Vor einigen Jahren beteiligte sich KKR am Medienkonzern „ProSiebenSat.1“ und machte eine halbe Milliarde Gewinn, sagt der Medienwissenschaftler Bern Gäbler gegenüber dem „Deutschlandfunk“. Doch der Einfluss war nicht besonders gut, so Gäbler weiter. Im Fall von Springer gibt es geteilte Meinungen, über das Investment, wie „Meedia“ berichtete.

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