Ein Gaszähler (Symbolbild).Foto: Mark Renders/Getty Images

Erdgas im Notfallmodus – Massive Preiserhöhungen für Verbraucher

Von 2. August 2022 Aktualisiert: 2. August 2022 14:31
Inflation, Nachwirkungen der Corona-Maßnahmen, der Ukraine-Krieg, Energiepolitik ... Das wirkt sich deutlich auf die Preisentwicklung vieler Produkte aus – vor allem beim Erdgas. Hier sind teils besonders drastische Preissprünge zu beobachten. Millionen Deutsche sind betroffen.


Der Gaspreis kennt in diesem Jahr nur eine Richtung – nach oben. Aufgrund der derzeit angespannten Situation sehen sich alle Energieanbieter gezwungen, auch bei ihren Endkunden die Preise für Erdgas zu erhöhen. Diese Preisanpassungen befinden sich in einer ungewohnt exorbitanten Höhe. Es geht dabei nicht um ein paar Prozent, sondern teilweise um Vervielfachungen der bisherigen Preise.

So gehen Verbraucherschützer davon aus, dass alle Gasanbieter die Preise für 2022 erhöhen werden. Lediglich Kunden, die zuvor mit ihrem Anbieter aktuelle Preisgarantien vereinbart haben, werden vorerst nicht betroffen sein.

RheinEnergie: Erhöhung um 133 Prozent

Ein Anbieter mit deutlichem Preisanstieg ist RheinEnergie. In einer Pressemitteilung vom Montag teilt der Gasversorger mit, dass er zum 1. Oktober seine Preise für Erdgas deutlich anhebt. Ursache dafür sei eine fast 450-prozentige Steigerung der Beschaffungskosten für Erdgas. Trotz eines Systems der langfristigen kontinuierlichen Beschaffung führt das zu erheblich steigenden Preisen beim Endkunden. Gleichzeitig führt die RheinEnergie die zeitweise getrennten Grundversorgungspreise für Bestands- und Neukunden aufgrund gesetzlicher Änderungen wieder zusammen.

Bei unveränderten Grundpreisen steigt dann der Arbeitspreis für die verbrauchte Kilowattstunde (kWh) Erdgas von 7,87 Cent auf 18,30 Cent pro Kilowattstunde (brutto). Das ist eine Erhöhung um 133 Prozent. In einer Kölner Wohnung mit 10.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch erhöhen sich die Jahreskosten somit auf rund 2.000 Euro. Vorher lagen diese bei rund 960 Euro.

RheinEnergie will nun damit beginnen, seine Kunden über die neue Preiserhöhung zu informieren. Das Unternehmen empfiehlt den Mietern, die ihre Energiekosten über die Nebenkostenabrechnung begleichen, Vorsorge wegen einer höheren Nachzahlung zu treffen.

950 Erdgas-Anbieter erhöhen die Preise

Der enorme Preisanstieg von RheinEnergie wird laut einem Vergleichsportal jedoch von zwei Anbietern aus NRW übertroffen. Demnach meldeten die Stadtwerke Essen und Witten sogar Preisanstiege von jeweils rund 150 Prozent. Insgesamt erhöhen rund 950 Gas-Unternehmen ihre Preise. Die durchschnittliche Preisanpassung beträgt 75 Prozent. Die durchschnittlichen jährlichen Mehrkosten liegen damit bei 1.130 Euro.

Dabei ist anzumerken, dass die Werte stets von verschiedenen Messfaktoren abhängig sind. Beispielsweise wie teuer oder günstig der Vortarif war, den Zeiträumen oder individuellen vertraglichen Vereinbarungen. Demnach gibt es mancherorts zum aktuellen Zeitpunkt noch deutlich mildere Preiserhöhungen im ein- oder zweistelligen Prozentbereich. Jedoch könnte es bei diesen in ein paar Monaten zu noch weiteren, weitaus höheren Anstiegen kommen.

Extreme Preisanstiege

Einige Verbraucher berichteten auf dem Vergleichsportal hingegen von Preisanstiegen von bis zu 400 Prozent. Im Folgenden einige Beispielmeldungen der vergangenen Monate:

Magiera, M.
Stadtenergie. 12 Monate Preisgarantie im Juni beendet. Mitte Mai 2022 das Schreiben – Erhöhung von 4,71 Cent pro kWh auf 15,13 Cent pro kWh. Mehr als verdreifacht!

Klaus Maus
Vattenfall hat ab 1.7.22 von 5,08 ct/kWh auf 17 ct/kWh erhöht. 234,64 Prozent Erhöhung! Die Vergleichs-Alternativen sind ähnlich teuer. Keine Ahnung, wie ich das bezahlen soll :-(.

Hans
Mein Jahresvertrag für Gas bei Maingau Energie zum Preis von 3,72 Cent/KWh ist zum 28.02.2022 beendet. Neuer Anschlussvertrag zum Wucher-Preis von 9,32 Cent/KWh wurde angeboten!! Das ist schon höchst kriminell. Kann man sich dagegen wehren und wie? Bitte um Info.

A.W.
Mitgas erhöht zum 01.05.2022 den Gaspreis von 5,78 Ct/kWh auf 21,82 Ct/kWh.

H. Poschmann
MITGAS: Verbrauchspreis von 5,5ct/kWh auf 21,60ct/kWh ab 01.05.2022 (= 400 Prozent!), Grundpreis von 72 € auf 96 €/Jahr.

Uwe Schöneshöfer
Montana erhöhte bei mir den Preis in zwei Schritten im Dezember zum 1. 1. 22 den Arbeitspreis von 4ct auf 10,95ct. Jetzt gestern bekam ich die Mitteilung, dass zum 1. 5. 22 erhöht wird auf 18,05ct. Der Grundpreis blieb mit 9,13 € dabei gleich. Das macht eine Gesamterhöhung von 351,25 Prozent nach der ersten Erhöhung. Das dem Kunden zuzumuten, ist eine Frechheit!

Simek Miroslav
Knauber/Bonn hat die Gaspreise bei uns zum 01.02.2022 um über 170 Prozent erhöht!

Was können Verbraucher tun?

Viele Kunden können die hohen Kosten für Erdgas jetzt schon kaum bewältigen. Die Preise drohen aber noch weiter zu steigen. Doch es gibt Möglichkeiten, wie man den hohen Preisen zumindest teilweise ausweichen kann. Zunächst lohnt sich ein Anbietervergleich. Dabei sollte man einen Tarif wählen, der einem auch eine möglichst langfristige Preissicherheit gewährt. So kann man in Zeiten mit gestiegenen Preisen noch verhältnismäßig günstig heizen.

Manche Verbraucher hingegen steigen bereits auf andere Energiequellen fürs Heizen um. Möglich wären hier besonders energieeffiziente Elektroheizungen. Wobei man dabei bedenken sollte, dass der Strompreis ebenfalls angestiegen ist – und weder Blackout noch ein weiterer Anstieg nicht ausgeschlossen sind. Im Vorfeld sollte der Kunde eine realistische Energiekostenrechnung erstellen. Eine weitere Option ist das Heizen mit Holz. Allerdings müssen die Haushalte entsprechend mit etwa einem Kaminofen ausgestattet sein oder diesen nachrüsten können.

Eingreifen der Politik

In der Politik gibt es bereits Andeutungen, die Verbraucher entlasten zu wollen. So hat sich etwa der wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums in einem neunseitigen Brief an Minister Robert Habeck (Grüne) gewandt. Er hat damit eine veränderte Strategie beim Einsparen von Gas vorgeschlagen.

Der Beirat schlägt konkret vor, moderate Preise für eine Grundmenge an Gas zu setzen, die sich am Verbrauch von 2021 misst. Für jede Kilowattstunde darüber hinaus müssten Verbraucher den hohen Marktpreis zahlen, auch, wenn sie noch langfristige Verträge mit niedrigeren Preisen haben. Das sollte viele Verbraucher entlasten und gleichzeitig zum Sparen motivieren.



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