5G-Auktion: Wer profitiert von den Milliarden-Einnahmen? Mobilfunkanbieter sehen langsamen Netzausbau kommen

Nach gut 12 Wochen ist Schluss: Die 5G-Mobilfunkauktion der Bundesnetzagentur ist vorbei. Wer profitiert wirklich von dem Ergebnis?
Epoch Times13. Juni 2019

Was für den einen Freud ist des anderen Leid. Fachleute waren im Vorfeld der Auktion von Einnahmen von drei bis fünf Milliarden Euro ausgegangen, und nun sind es mit knapp 6,6 Milliarden Euro deutlich mehr geworden. Das freut natürlich die Bundesregierung und die Staatskasse.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer versicherte am Ende der Auktion, dass der Erlös der Frequenzauktion „zu 100 Prozent in das Sondervermögen ,Digitale Infrastruktur’“ fließen solle.

70 Prozent seien demnach für den geförderten Netzausbau und 30 Prozent für den Digitalpakt Schule vorgesehen. Damit lege die Versteigerung den „Grundstein für eine flächendeckende Mobilfunkversorgung“, so Scheuer laut „Bild“.

Auch Finanzminister Olaf Scholz freute sich über den Deal: Das Geld werde nicht für den Bundeshaushalt, sondern wie in der Koalition vereinbart, für die Digitalisierung von Schulen eingesetzt.

Ergebnis kontraproduktiv für den Netzausbau?

Ganz so positiv sehen gerade die Auktionsgewinner das Ergebnis jedoch nicht. Für den Telekom-Vorstand Dirk Wössner hinterlässt die Auktion einen bitteren Beigeschmack: „Das Ergebnis hätte wesentlich günstiger ausfallen können,“ sagte Wössner.

Er wertet das Ergebnis im Gegensatz zu Scheuer als erschwerend für den Mobilfunkausbau. Weniger neue Funkmasten bedeuten eben eine langsamere Entwicklung der „flächendeckenden Mobilfunkversorgung“. Auch „Telefónica“ nannte den Vergabeprozess „kontraproduktiv für den Mobilfunkausbau in Deutschland“.

„Die Milliarden fehlen den Unternehmen jetzt beim Netzausbau“, bestätigt auch FDP-Politiker Sitta. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer kritisiert die hohen Staatseinnahmen und befürchtet, dass Deutschland eine Funkloch-Nation bleibt.

Und wer hat sich nun bei der Auktion durchgesetzt?

Gut abgeschnitten haben aus Sicht von Auktionstheoretiker Gretschko die Deutsche Telekom und Vodafone. „Sie haben genau das bekommen, was sie wollten.“ Allerdings müssen auch sie wesentlich tiefer in die Tasche greifen als gedacht. Telefónica stellte Gretschko ein mäßiges Zeugnis aus.

Für Drillisch sei der Ausgang ein kleiner Rückschlag. Dies begründet Gretschko damit, dass die Firma am Ende noch überboten wurde und damit einen Block weniger bekam, als in dem wochenlangen Ringen angestrebt. Allerdings schaffte Drillisch erstmals den Einstieg als vierter deutscher Netzbetreiber.

Von den 41 Frequenzblöcken entfallen somit die meisten auf die Deutsche Telekom – der frühere Staatsmonopolist konnte 13 Blöcke abräumen und muss dafür 2,17 Milliarden Euro zahlen.

Auf Vodafone entfallen 12 Blöcke für 1,88 Milliarden Euro und auf Telefónica 9 für 1,42 Milliarden Euro. Drillisch konnte sich 7 Blöcke für 1,07 Milliarden Euro sichern – die Tochterfirma des rheinland-pfälzischen Konzerns United Internet hat bisher kein eigenes Netz, stattdessen nutzt sie bisher Antennen der Konkurrenz.

Handy-Verträge könnten günstiger werden

Nach dem Ende der längsten deutschen Mobilfunkauktion rechnen Fachleute mit positiven Folgen für Verbraucher. Durch den Einstieg von Drillisch gebe es künftig mehr Wettbewerb am Markt.

„Drillisch könnte dem deutschen Markt mit modernen, kundenorientierten Preismodellen neue Impulse geben – eine gute Nachricht für Verbraucher“, sagt Jens-Uwe Theumer vom Preisvergleichsportal Verivox.

Künftig wird es in Deutschland also Funkmasten von vier und nicht nur von drei Unternehmen geben. (dpa/nh)



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