Forscher: Der „Geist“ ist ein Feld außerhalb des Gehirns

Ist das Bewusstsein eines Menschen nur das Produkt feuernder Neuronen im Gehirn? Laut neuesten Forschungen aus Neurowissenschaften und der Quantenphysik ist der „Geist“ viel mehr als nur das.
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Der Geist und das Gehirn sind laut dem Wissenschaftler Dr. Dirk K. F. Meijer miteinander verbunden. Sie sind vereint und doch getrennt. Ein solches scheinbares Paradoxon ist für die Quantenphysik charakteristisch.Foto: Oscar Gutierrez Zozulia/iStock
Von 1. August 2022

Wie hängen Geist und Gehirn zusammen? Das ist ein Rätsel, das für das Verständnis unserer Existenz als fühlende Wesen wesentlich ist. Manche sagen, der Geist sei ausschließlich eine Funktion des Gehirns – das Bewusstsein sei das Produkt feuernder Neuronen. Andere wiederum bemühen sich, die Existenz eines vom Gehirn unabhängigen oder zumindest bis zu einem gewissen Grad von ihm getrennten Geistes wissenschaftlich zu verstehen.

Die von Experten begutachtete Fachzeitschrift „NeuroQuantology“ bringt Neurowissenschaften und Quantenphysik zusammen – diesen Schnittpunkt nutzen einige Wissenschaftler, um diese grundlegende Beziehung zwischen Geist und Gehirn zu erforschen.

Ein im September 2017 von „NeuroQuantology“ veröffentlichter Artikel gibt einen Überblick über die aktuellen Theorien über das Bewusstsein, die sich aus diesem Zusammentreffen von Neuro- und Quantenwissenschaften ergeben, und erweitert diese.

In dem Artikel stellt Dr. Dirk K. F. Meijer, Professor an der Universität Groningen in den Niederlanden, die Hypothese auf, dass sich das Bewusstsein in einem Feld befindet, das das Gehirn umgibt und das in einer anderen Dimension liegt. Es tauscht Informationen mit dem Gehirn aus, unter anderem durch ein Konzept, das als Quantenverschränkung bekannt ist. Dies hat gewisse Ähnlichkeiten mit einem Schwarzen Loch.

Dieses Feld ist möglicherweise in der Lage, Informationen aus dem Magnetfeld der Erde, der dunklen Energie und anderen Quellen aufzunehmen. Es „überträgt dann Welleninformationen in das Gehirngewebe, das … bei der bewussten und unbewussten ultraschnellen Informationsverarbeitung eine wichtige Rolle spielt“, schrieb Meijer.

Mit anderen Worten: Der „Geist“ ist ein Feld, das um das Gehirn herum existiert; es nimmt Informationen von außen auf und leitet sie mit extrem hoher Geschwindigkeit an das Gehirn weiter.

Meijer beschrieb dieses Feld abwechselnd als „ein holografisch strukturiertes Feld“, einen „rezeptiven mentalen Arbeitsbereich“, einen „metakognitiven Bereich“ und einen „allgemeinen Gedächtnisraum des Individuums“.

„Bindungsproblem“: Wie führt das Gehirn verschiedene Informationen so schnell zusammen?

In den Neurowissenschaften gibt es ein ungelöstes Rätsel, das sogenannte „Bindungsproblem“. Verschiedene Teile des Gehirns sind mit unterschiedlichen Aufgaben betraut: Einige arbeiten an der Verarbeitung von Farben, andere an der Verarbeitung von Tönen und so weiter. Aber all das läuft irgendwie zu einer einheitlichen Wahrnehmung, dem Bewusstsein, zusammen.

Die Informationen verschmelzen und interagieren im Gehirn schneller, als dies mit dem derzeitigen Verständnis der neuronalen Übertragungen im Gehirn erklärt werden kann. Es scheint also, dass der Geist mehr ist als nur feuernde Neuronen im Gehirn.

Neurowissenschaftler suchen immer noch nach einem Mechanismus, der hinter dieser „Bindung“ der verschiedenen Teile der Informationsverarbeitung im Gehirn steht. Um einen Teil der Antwort zu finden, beschäftigte sich Meijer mit der Quantenverschränkung und dem Tunneleffekt (Quanten-Tunneling).

Bei der Quantenverschränkung (ähnlich der Quanten-Nichtlokalität) scheinen Teilchen trotz großer räumlicher Distanz miteinander in Verbindung zu stehen. Wenn es an einem Teilchen Veränderungen gibt, gibt es entsprechende Veränderungen gleichzeitig und sofort an den anderen Teilchen.

Der Tunneleffekt ist ein Phänomen, bei dem ein Teilchen durch eine Barriere durchdringt, die es nach der klassischen Physik nicht überwinden kann.

Diese Quantenphänomene ermöglichen Prozesse, die so schnell sind – schneller als die Lichtgeschwindigkeit –, dass sie mit der klassischen Physik nicht erklärt werden können. Sie könnten also helfen, ultraschnelle unterbewusste mentale Prozesse zu erklären.

Falls ein „Geist“ oder ein mentales Feld auf diese Weise mit dem Gehirn interagiert, wäre das ein Schritt zur Erklärung der Schnelligkeit mentaler Prozesse.

Meijer verwendete auch den Welle-Teilchen-Dualismus der Materie in der Quantenphysik, um die Beziehung zwischen dem mentalen Feld und dem Gehirn zu erklären. Dabei existieren Teilchen wie Elektronen und Photonen sowohl als Wellen von Wahrscheinlichkeiten als auch als Teilchen, wenn diese Wahrscheinlichkeiten zusammenbrechen.

In ähnlicher Weise, so Meijer, ist das mentale Feld sowohl nicht-materiell als auch gleichzeitig Teil des physischen Gehirns: „Der vorgeschlagene mentale Arbeitsbereich wird als nicht-materiell angesehen, hat aber in Bezug auf das individuelle Gehirn eine nicht-duale Welle/Teilchen-Beziehung nach quantenphysikalischen Prinzipien: Er ist direkt von der Gehirnphysiologie abhängig, aber nicht auf sie reduzierbar.“

Der Geist und das Gehirn sind Meijer nach miteinander verbunden. Sie sind vereint und doch getrennt. Ein solches scheinbares Paradoxon ist für die Quantenphysik charakteristisch.

Hypothese: Der Geist befindet sich in einer anderen räumlichen Dimension

Weiter stellt Meijer die Hypothese auf, dass das mentale Feld in einer anderen Dimension liegt: „Dass wir diesen Informationsaspekt nicht direkt wahrnehmen können, wird traditionell einer verborgenen vierten räumlichen Dimension zugeschrieben, … die in unserer dreidimensionalen Welt nicht wahrgenommen werden kann, sich aber mathematisch ableiten lässt.“

Diese vierte räumliche Dimension ist nicht die Zeit. Vielmehr handelt es sich um ein Konzept der Raumzeit, das vier Raumdimensionen plus Zeit umfasst – eine „4+1-Raumzeitstruktur“.

Der Wissenschaftler zitierte Studien, denen zufolge dieses Konzept der Dimensionen die Diskrepanzen zwischen der traditionellen Physik und der Quantenphysik, die Wissenschaftler heute plagen, ausgleichen könnte. Demnach würde der Geist in der vierten Raumdimension existieren.

Der Geist – einem Schwarzen Loch ähnlich?

Meijer stellt sich eine Art Schirm oder Grenzfläche zwischen der Außenwelt und dem individuellen geistigen Feld vor. Er vergleicht diese Grenzfläche mit dem Ereignishorizont eines Schwarzen Lochs.

„Man geht davon aus, dass Informationen, die von außen in ein Schwarzes Loch eindringen, nicht verloren gehen, sondern … auf dem äußeren Schirm, dem sogenannten ‚Ereignishorizont‘, abgebildet werden“, schrieb Meijer.

„Das Bewusstsein ist eine Rahmenbedingung zwischen einer Singularität (Schwarzes Loch) und dem Raum innerhalb des Gehirns“, fügte er hinzu. Weiter stellte er fest, dass der Ereignishorizont „ein mentales Modell der Realität zur internen Verwendung in jedem Individuum“ von allem, was außerhalb davon existiert, trennt. Dennoch ist er mit einer „universellen Informationsmatrix“ verbunden.

Diese „dynamische holografische Grenze“ sammelt sowohl Informationen aus dem Inneren des Gehirns als auch aus den „Informationsfeldern, in die unser Gehirn permanent eingebettet ist“, erklärte er gegenüber der Epoch Times. „Auf diese Weise ist sie implizit mit einer universellen Informationsmatrix verbunden.“

Mentales Feld könnte die Form eines Donuts haben

Die geometrische Form, die als Torus bekannt ist, eignet sich gut für die Natur und die Funktionen, die Meijer diesem mentalen Feld zuschreibt. 

Im Lexikon der Mathematik der populärwissenschaftlichen Zeitschrift „Spektrum“ heißt es, ein Torus sei ein Körper, „der durch Rotation eines Kreises k um eine außerhalb dieses Kreises verlaufende Achse, die mit k in einer Ebene liegt, entsteht“. Er sieht wie ein Reifen oder Donut aus.

Meijer führte verschiedene Gründe für diese Form an, die mit physikalischen Theorien zusammenhängen. Eine davon steht im Zusammenhang mit einer Theorie über die Schwingungen der elektrischen Aktivität im Gehirn.

Die Torusstruktur findet sich in der Physik von der Mikroskala bis zur extremen Makroskala der Schwarzen Löcher und des gesamten Universums, erklärte Meijer. Sie könnte bei der dynamischen Integration von Informationen in Geist und Gehirn eine wichtige Rolle spielen.

Die Beziehungen zwischen Geist und Materie

„Unsere Arbeit könnte direkt zu einer Antwort auf die berühmte Frage von [Kognitionswissenschaftler und Philosoph David] Chalmers beitragen …: Wie kann etwas Immaterielles wie subjektive Erfahrung und Selbstbewusstsein aus einem materiellen Gehirn entstehen?“ schrieb Meijer.

Die Fähigkeit des mentalen Feldes, Informationen aus anderen Feldern aufzunehmen, wie sie Meijer vorschwebt, könnte auch einige anormale Phänomene erklären, wie etwa die außersinnliche Wahrnehmung, merkte er an.

Seiner Ansicht nach „kann das Bewusstsein als der grundlegendste Baustein der Natur betrachtet werden und ist folglich auf allen Ebenen des Realitätsgefüges vorhanden“.

Seit dem Aufkommen der Quantenphysik versuchen Wissenschaftler mit ihr das Bewusstsein zu erklären. Meijers Arbeit trägt dazu bei.

Eine andere Theorie, die „orchestrierte objektive Reduktion“ oder Orch OR genannt wird, wurde von dem Physiker und Nobelpreisträger Sir Roger Penrose und dem Anästhesisten und Psychologen Dr. Stuart Hameroff entwickelt. 

Die Orch OR wird auf Hameroffs Website folgendermaßen beschrieben: „Es legt nahe, dass das Bewusstsein durch Quantenvibrationen in Proteinpolymeren namens Mikrotubuli innerhalb der Neuronen des Gehirns entsteht.“

Wie Meijer nehmen Penrose und Hameroff an, „dass es eine Verbindung zwischen den biomolekularen Prozessen des Gehirns und der Grundstruktur des Universums gibt“. Sie drängten auch zu einer grundlegenden Änderung der Art und Weise, wie Wissenschaftler das Bewusstsein betrachten.

Hameroff sagte in einem Interview mit dem Blog „Singularity“: „Die meisten Wissenschaftler können das Bewusstsein im Gehirn nicht erklären, also dürfen sie auch nicht sagen, dass das Bewusstsein außerhalb des Gehirns unmöglich ist.“

Informationsübertragung durch Wellen

In einer E-Mail stellte Dr. Dirk Meijer der Epoch Times ein Update zu seiner Arbeit zur Verfügung. Dabei verdeutlichte er, dass der Tunneleffekt und die Quantenverschränkung nicht die wahrscheinlichsten Methoden der Informationsübertragung zwischen dem mentalen Feld und dem Gehirn seien. 

Es zeigte sich, dass diese beiden Phänomene nur eine Korrelation zwischen zwei Teilchen bewirken, nicht aber notwendigerweise eine Informationsübertragung (obwohl sich dies bei weiterer Forschung als richtig erweisen könnte).

Vielmehr ist die „Quantenwellenresonanz“ ein wahrscheinlicherer Mechanismus für eine extrem schnelle Informationsverarbeitung im Gehirn. Das bedeutet, dass nicht Signale zwischen den Neuronen im Gehirn gesendet werden, sondern ein Wellenmuster die Informationen augenblicklich überträgt; es umfasst alle Neuronen sowie das mentale Feld.

Dazu könnte man sich eine Vibrationswelle vorstellen, die in einem gleichmäßigen Muster auf- und absteigt und durch das gesamte Gehirn und sogar außerhalb davon läuft. Dieses Muster übermittelt Informationen, die von den Schwingungsrezeptoren in dem Gehirn verstanden werden können. 

All dies geschieht in einer Dimension und auf einer mikroskopischen Ebene, die mit den konventionellen wissenschaftlichen Instrumenten, die uns heute zur Verfügung stehen, nicht direkt wahrnehmbar ist, aber durch physikalische und mathematische Modellierung abgeleitet werden kann.

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „Scientist Reveals ‚Quantum Entanglement‘ May Explain the Mind Existing as a Field Separate From the Brain“ (deutsche Bearbeitung von as)

Dieser Artikel erschien zuerst in der Epoch Times Wochenzeitung, Ausgabe Nr. 55, vom 30. Juli 2022.



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