Forscher kreieren einen künstlichen „Wurmdarm“, der Plastik abbaut

Plastikmüll ist überall. Nun entwickelten Wissenschaftler einen künstlichen, plastikfressenden „Wurmdarm“, der Plastik abbauen kann.
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Jährlich gelangen etwa 19 bis 23 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle ins Wasser und verbleiben dort mehrere hundert Jahre.Foto: Daria Kolpakova/iStock
Von 26. Februar 2024

In den letzten 70 Jahren wurden weltweit 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert. Zurzeit befinden sich 2,5 Milliarden Tonnen Plastik im Umlauf, wobei nur sechs Prozent davon aus dem Recycling stammen. 

Nun entwickelten Wissenschaftler von der Nanyang Technological University in Singapur einen plastikfressenden „Wurmdarm“, der dazu beitragen könnte, die globalen Müllberge zu verringern. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift „Environmental International“.

Plastikfressende Mehlwürmer

Zu diesem Zweck kreierten die Forscher eine künstliche Version des Darms von Larven des Schwarzkäfers (Zophobas atratus) – Mehlwürmer, die Plastik zersetzen können.

Dafür fütterten sie die Würmer mit drei gängigen Kunststoffarten: Polyethylen mit hoher Dichte (HDPE), Polypropylen (PP) und Polystyrol (PS). Eine Kontrollgruppe von Würmern erhielt Haferflocken.

Obwohl die Larven nur geringe Mengen an Plastik verzehren können, kann ihr Darmmikrobiom das Material abbauen. Die Wissenschaftler isolierten dann diese mit Plastik gefütterten Mikrobiome und tauchten sie in eine 75-prozentige Ethanollösung ein. Die inkubierten Mikrobiome wuchsen und konnten im Vergleich zu einer Kontrollgruppe über einen Zeitraum von sechs Wochen deutlich mehr Kunststoff abbauen.

HDPE-, PP- und PS-Kunststoffe werden häufig in Verpackungen und Alltagsgegenständen verwendet. Besonders HDPE ist sehr langlebig und widerstandsfähig gegenüber dem natürlichen biologischen Abbau. Das Mikrobiom der mit Kunststoffen gefütterten Würmer erwies sich jedoch als besonders fähig, diese Kunststoffe abzubauen.

Hoffnung im Kampf gegen die Plastikverschmutzung

So hoffen die Studienautoren, dass diese neue Entdeckung zukünftig dazu beitragen könnte, den Plastikmüll zu reduzieren – besonders in den Weltmeeren.

Denn jährlich gelangen etwa 19 bis 23 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle ins Wasser, einschließlich Ozeane, Flüsse und Seen. Nach Angaben des Umweltprogramms der Vereinten Nationen entspricht dies der Menge von 2.000 Müllwagen mit Plastik, die täglich in Gewässer gekippt werden.

Im Wasser zerfällt das Plastik in Mikroplastik, das Flora und Fauna schädigt. Außerdem werden beim Zersetzungsprozessen gefährliche Inhaltsstoffe wie Bisphenol A, Phtalate (Weichmacher für Kunststoffe) oder Flammschutzmittel freigesetzt, die sich in der Nahrungskette ansammeln. Das hat langfristig auch Folgen für den Menschen.

Laut Studien kann Mikroplastik den menschlichen Körper negativ beeinflussen. Es stört das Immunsystem und die Hormonfunktion, senkt den Gehalt an Antioxidantien, hemmt das Wachstum, verändert die neurologische Entwicklung und vieles mehr.

Mikrobiome von Insekten als Hoffnungsträger

Dass Mikroorganismen Plastik zersetzen können, ist keine neue Entdeckung. So untersuchten Forscher im vergangenen Jahrzehnt bereits das Potential von Schmetterlingsraupen und Käferlarven als Plastikzersetzer, wie es in der aktuellen Studie heißt.

Es habe sich allerdings als schwierig erwiesen, die Mikrobiome dieser Insekten zu isolieren und in vitro herzustellen. Bisher gebe es keine effektive Strategie dafür und die Forschung dazu befinde sich noch in den Kinderschuhen, so die Studienautoren. 

Indes konnten sie im Rahmen ihrer Studie das Darmmikrobiom von plastikfressenden Würmern getrennt von den Würmern nachbildeten. Dadurch hätten sie ein hocheffizientes, eigenständiges System für den Plastikabbau erschaffen, schreiben die Forscher. Dies biete ein vielversprechendes Mittel im Kampf gegen die Plastikverschmutzung – insbesondere wenn es in größerem Maßstab eingesetzt wird, so das Fazit.

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „Scientists Create ‘Worm Gut’ That Breaks Down Plastic“. (redaktionelle Bearbeitung as)



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