Kinder sind keine „Zahnpastatuben“ – Hirnforscher sieht in Corona-Krise eine Chance

Von 21. Mai 2020 Aktualisiert: 20. Mai 2020 18:44
Wissen und Können vermitteln die heutigen Bildungseinrichtungen nicht, meint der Hirnforscher und Professor für Neurobiologie Gerald Hüther. Aus diesem Grund brauche es jetzt die ganze Zivilgesellschaft und ein Ende der Bildung, wie wir sie kennen.

„Wir halten die Schule für den Ort, an dem Kindern alles beigebracht wird, was sie später für ein gelingendes Leben brauchen und schreiben ihr damit immense Bedeutung zu. Dabei vermittelt Schule in ihrer jetzigen Form keine der Fertigkeiten, derer es in der veränderten Welt von morgen bedarf“, erklärt der Hirnforscher und Professor für Neurobiologie Gerald Hüther.

Die Digitalisierung habe das Umfeld der Schüler verändert, ebenso wie die Globalisierung. „Die Welt, für die unsere Schulen gemacht worden sind, existiert nicht mehr“, schreibt er in seinem neuen Buch mit dem Titel „#Education For Future: Bildung für ein gelingendes Leben“.

Doch von außen zu drücken und zu schieben, bringe gar nichts. Schließlich seien Kinder keine „Zahnpastatuben“. „Je mehr man darauf herumdrückt, um ihnen etwas beizubringen, desto weniger kommt heraus.“ Für ihn ist der einzige Weg, etwas nachdrücklich zu lernen, wenn man selbst „der Konstrukteur seines eigenen Lernprozesses ist“. Das gilt auch für Kinder.

Hirnforscher fordert neues Bildungskonzept

Für ein gelingendes Leben brauche es vor allem eins: „Ein neues Bildungskonzept!“ Denn Wissen und Können würden die Bildungseinrichtungen nicht vermitteln – im Gegenteil: Sie „verhindern [sie] oft sogar“. Aus diesem Grund brauche es jetzt die ganze Zivilgesellschaft und ein Ende der Bildung, wie wir sie kennen.

Gerade jetzt durch die Schulschließungen in der Corona-Krise  hätten sich unterschiedliche Gruppen von Eltern herauskristallisiert. Da gebe es Eltern, denen die Schule egal sei. Andere wiederum würden ihr Kind schlagen oder gar missbrauchen. Manche der Eltern würden zu denjenigen gehören, die ihren Kindern eifrig „als der Oberlehrer“ etwas beibringen wollen, damit sie nichts versäumen.

„Und dann quälen die das Kind zu Hause eben auch noch mit ihren ganzen Schulaufgaben“, beschreibt Hüther. Wie hoch der Anteil dieser Eltern sei, wisse er nicht. Aber sie hätten Angst, dass ihr Kind den Anschluss in der Schule verpasse. Da ist sich Hüther sicher. Frei entfalten könne sich das Kind so jedoch nicht. Vielmehr stehe es dadurch unter Druck. So wird die Kreativität des Nachwuchses erstickt.

Kreativität und Entdeckergeist

Allerdings – und das sei die „optimistische Variante“ der Corona-Krise – gebe es eine Unmenge Kinder, die nach Jahren erstmals entdecken, dass es Spaß machen kann, wenn sie sich allein auf die Suche nach einer Lösung begeben. Mit seinem Entdeckergeist könne ein Kind beispielsweise sein Interesse an einem Vogel, der vor dem Fenster sitzt, erkennen und anfangen zu recherchieren, was es noch für Vögel gibt – und zwar ganz selbständig.

Insoweit könnten die Corona-Schulschließungen nach Hüthers Ansicht das „Segensreichste“ sein, das diesen Kindern während ihrer ganzen Schulzeit jemals passieren könne.

„Endlich mal mehr Zeit, in der sie sich selber überlegen können, was sie machen.“ Auch die Langeweile sei „wunderbar“.  Er empfiehlt den Eltern, die Kinder nicht zu bespaßen oder zu bespielen, und dem Nachwuchs zu sagen: „Jetzt musst du mal gucken, was du selber machst.“

Langeweile tut gut

Anfangs ist dem Kind vielleicht „furchtbar langweilig“, erklärt Hüther. Da werde noch gechattet, TV geschaut oder im „Internet rumgedaddelt“. Aber irgendwann seien die Kinder in einem Zustand, in dem sie anfangen zu agieren. Dann käme die Lust, Dinge zu entdecken, beispielsweise eine alte Uhr auf dem Dachboden, das Interesse an den gefiederten Freunden oder an anderen Dingen.

Für die Entfaltung der Potenziale sei es notwendig, dass sich das Kind als Gestalter wahrnehme, anstatt Anordnungen entgegenzunehmen. Der Hirnforscher ermutigt alle Eltern, diese Chance, die erstmalig seit zwanzig Jahren für alle Kinder in allen gesellschaftlichen Bereichen besteht, zu ergreifen. So könnten die Kinder spüren, ob in ihnen noch etwas ist, was heraus möchte.

(mit Material von dts)

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