Mindestens 44 Prozent der Covid-19-Ansteckungen erfolgen bevor erste Symptome auftreten

Von 18. April 2020 Aktualisiert: 18. April 2020 16:09
Infizierte sind zwei Tage vor Symptom-Ausbruch am ansteckendsten: In einer Studie im Fachjournal Nature veröffentlichten Forscher aus Hongkong Daten zum Ansteckungsverlauf von Covid-19. Dabei war die Ansteckungsgefahr im Zeitraum zwischen zwei bis null Tage vor den ersten Symptomen am höchsten. In diesem Zeitraum erfolgen laut den Forschern mindestens 44 Prozent der Ansteckungen, einige Tage nach Ausbruch der Symptome sinkt das Ansteckungspotential.

Bei Untersuchungen von 77 Übertragungsfällen (154 Patienten), stellte das Forschungsteam des World Health Organization Collaborating Center for Infectious Disease, Epidemiology and Control der Universität von Hongkong eine hohe Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus vor den ersten Krankheitssymptomen fest. Die Infektionsgefahr war zwischen zwei und null Tagen vor dem Auftreten der ersten Symptome am höchsten. Mindestens 44 Prozent der Ansteckungen erfolgen laut der am 15. April in „Nature“ veröffentlichten Studie in dieser Zeitspanne. Präzise Analysemethoden, die als zusätzliche Ergebnisse genannt wurden, ergaben eine Häufigkeit von asymptomatischen Ansteckungen von bis zu 55 Prozent.

Die Studie zeigte auch, dass die Ansteckungsgefahr sieben Tage nach Auftreten der Symptome rasch abnimmt. Damit gleicht das Infektionsprofil von Covid-19 eher einer Grippe als SARS.

Vergleich der Infektionsprofile: Covid-19 gleicht Grippe, nicht SARS

Bei der Datenanalyse gingen die Forscher von einem seriellen Intervall von 5.2 Tagen aus. Das serielle Intervall ist die Zeit von dem Beginn der Erkrankung einer Person und dem Beginn der Erkrankung einer von diesem Menschen angesteckten Person. Zwischen sieben bis einen Tag vor dem Auftreten der Symptome zeigte sich die höchste Infektionsrate bei zwei bis null Tagen. Das Infektionsmaximum berechneten die Forscher für 0.7 Tage vor den ersten Symptomen.

Mindestens 44 Prozent der Covid-19-Ansteckungen fanden in der Zeitspanne vor den ersten Symptomen statt. Die Forscher verglichen diese Ergebnisse mit dem Verlauf von Grippe und SARS, wobei sich Ähnlichkeiten mit dem Verlauf der Grippe zeigten. Auch hier gibt es eine hohe Ansteckungsgefahr kurz bevor die Symptome auftreten und kurz danach. Bei SARS hingegen, ist die Ansteckung sieben bis zehn Tage nach dem Auftreten der Symptome am stärksten. Damit ist die Ansteckung durch SARS leichter zu kontrollieren, als bei Grippe oder Covid-19.

Aufgrund dieser Ergebnisse empfehlen die Autoren zur Eindämmung der Pandemie die Kontaktpersonen der Infizierten wieder zurückzuverfolgen, so wie es zu Beginn in Hongkong gehandhabt wurde. „Obwohl die Kontrollmaßnahmen sich von Eindämmung in Richtung Abschwächung bewegen, ist das Zurückverfolgen der Kontaktpersonen, eine wichtige Maßnahme“, schreiben die Studienautoren.

Patienten 21 Tage nach Auftreten der Symptome nicht mehr ansteckend

In der Studie untersuchten die Forscher die Virusmenge mittels Rachenabstrich von 94 der Patienten in einem Zeitraum vom Auftreten der Symptome bis 32 Tage danach. Dabei zeigte sich, dass die Virusmenge  nach dem Auftreten der Symptome abnahm und schließlich an Tag 21 nicht mehr nachweisbar waren.

Bei den untersuchen Patienten war das Durchschnittsalter bei 47 Jahren, wobei 61 Patienten (66 Prozent) milde Symptome hatten. Dazu zählen Fieber, Atemprobleme, sowie der Nachweis einer Lungenentzündung, wobei keiner der dokumentierten Fälle einer Behandlung auf der Intensivstation bedurfte.

Beim zeitlichen Ablauf der Ansteckungsgefahr gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Altersgruppen, Geschlechtern oder der Schwere der Krankheit.

Untersuchung auf US-Militärschiff: 60 Prozent der Infizierten ohne Symptome

Auf dem amerikanischen Militärschiff „USS Theodore Roosevelt“ wurde die gesamte Besatzung auf Covid-19 getestet. Von den 4800 Soldaten auf den Schiff sind zurzeit 600 erkrankt. Davon zeigen 60 Prozent bisher keine Symptome.

Dies ist höher als der 25 bis 50 Prozent Bereich, den der Virologe und Mitglied des Corona-Expertenteams von US-Präsident Donald Trump Dr. Anthony Fauci, vor den Untersuchungen schätzte.

Wir lernen gerade, dass die hinterhältige Form der asymptomatischen Ansteckung die geheime Superkraft dieses Gegners ist“, sagte der General und Chefchirurg der Navy Bruce Gillingham über das Virus.

Die hohen Zahlen an asymptomatischen, aber ansteckenden Infizierten stellen eine der großen Herausforderung des Virus dar.

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