Forschung in Island: Die Hälfte der COVID-19-Infizierten sind symptomfrei

Von 6. April 2020 Aktualisiert: 6. April 2020 17:25
Kein Land testet seine Bevölkerung stärker als Island: Dabei stellten sie fest, dass 50 Prozent der Infizierten keine Symptome haben. Mit der Unterstützung des Unternehmens deCODE Genetics können auch länderspezifische Virus-Mutationen festgestellt werden.

Experten sind sich einig, dass umfangreiches Testen ein Schlüsselfaktor ist, um die Dynamik des neuartigen Virus zu verstehen. Island testete bereits fünf Prozent seiner Bevölkerung und trägt maßgeblich zu weiteren Erkenntnissen über das neuartige Virus bei.

Das Biopharma-Unternehmen deCODE Genetics unterstützt dabei die nationalen Gesundheitsbehörden. Dabei stellten sie fest, dass ungefähr die Hälfte der Infizierten keine Symptome zeigen. Damit bestätigen sie frühere Einschätzungen, dass Infizierte ohne Symptome eine nicht zu unterschätzende Gefahr für Ansteckungen sind.

„Es könnte sein, weil wir Menschen zufällig testen, dass wir sie am Anfang der Infektion erwischen, wo sie noch keine Symptome entwickelt haben. Es gilt zu bedenken, dass die Tests zwar randomisiert sind, aber freiwillig, was die Ergebnisse bis zu einem gewissen Grad beeinflusst“, sagt Dr. Kári Stefánsson, Gründer von deCODE Genetics.

Viele Tests, gute Vorbereitung, wenig Beschränkungen

In Island gibt es zurzeit keine strengen Maßnahmen wie in anderen Ländern der Welt. Abgesehen davon, dass Veranstaltungen mit mehr als 20 Menschen verboten wurden und höhere Schulen geschlossen sind, läuft das Land im Normalbetrieb.

Die vielen Tests und das zurückverfolgen der Kontaktpersonen sind die Hauptgründe, warum bisher keine Ausgangsbeschränkungen notwendig sind“, sagte das isländische Gesundheitsministerium zu CNN.

Island war laut Dr. Stefánsson gut vorbereitet. Man habe dort die Nachrichten der Epidemie aus China verfolgt und von Anfang an ernst genommen. Island startete bereits Anfang Februar mit Tests und begann mit einer verlängerten Isolierung von Infizierten oder potenziell Erkrankten.

Zurzeit sind ungefähr ein Prozent der getesteten Personen in Island positiv. Davon hatte die Hälfte keine oder nur sehr milde Symptome. Bisher gab es vier Todesfälle (Stand: 06.04).

Abgesehen von dem Vorhaben, die Bevölkerung Islands großflächig zu testen, gibt es noch weitere Pläne. Das Gesundheitsministerium in Island hat angekündigt, auch Bluttests zur Überprüfung der gebildeten Antikörper gegen COVID-19 in der Bevölkerung durchzuführen. Dadurch erhoffen sich Experten präzise Zahlen zur Infektionsrate, Sterberate und Einschätzungen über die Gefährlichkeit des Virus.

Länderspezifische Mutationen werfen Fragen auf

Wie schon berichtet, konnte das Unternehmen deCODE weiterhin über 40 Mutationen des neuartigen Virus feststellen und das Land bestimmen, wo die Ansteckung erfolgte.

Wir können den geografischen Ursprung jeder einzelnen Infektion in Island bestimmen. Es gibt minimale Mutationen für ein Virus, das aus Italien, Österreich oder Großbritannien nach Island kam. Es gibt auch eine spezifische Mutation für die Westküste der USA“, sagt Dr. Stefánsson.

Der Gründer von deCODE stellt sich die Frage, ob die unterschiedlichen Mutationen etwas mit der Schwere des Krankheitsverlaufs zu tun haben oder ob der Verlauf nur von den Infizierten selbst und dessen Abwehrkräften abhängt. Der Verlauf von COVID-19 kann von symptomlos bis zu schwerwiegend mit Atemstillstand und Organversagen verlaufen.

Berechnungsgrundlage für andere Länder

Es wird geschätzt, dass Island ungefähr 13 Prozent der Bevölkerung testen wird. Daraus lassen sich Statistiken mit mehr Aussagekraft als die meisten aktuellen Studien ableiten. Dadurch lässt sich die Verbreitung und Infektionsrate abschätzen. Andere Länder könnten daraus ebenfalls Rückschlüsse auf ihre Bevölkerung ziehen und Maßnahmen entsprechend anpassen. So könnten zukünftig neue Modelle zur vorzeitigen Pandemie-Eindämmung entstehen.

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