In der ägyptischen Kunst wurden Männer und Frauen oft mit Kopfkegeln dargestellt - bislang fehlten jedoch die archäologischen Beweise.Foto: iStock

Erster Nachweis zweier „Kopfkegel“ in 3.300 Jahre alten ägyptischen Gräbern entdeckt

Epoch Times31. Dezember 2019 Aktualisiert: 31. Dezember 2019 12:54
Die alten Ägypter wurden lange Zeit mit dem sogenannten Kopfkegel dargestellt, doch bis jetzt hatten die Archäologen keine materiellen Beweise für ihre Existenz. Zwei Personen, die vor etwa 3.300 Jahren in Amarna in Ägypten begraben wurden, bringen Licht ins Dunkel.

Zwischen 1550 v. Chr. und 30 v. Chr. wurden in der ägyptischen Kunst Menschen mit kegelförmigen Objekten auf dem Kopf dargestellt. Da man keine Beispiele dieser Kegel jemals gefunden hatte, fragten sich die Archäologen, ob sie tatsächlich existierten. Es war ebenso möglich, dass diese Gegenstände nur ein künstlerisches Motiv waren, die keine Grundlage in der Realität hatten – ähnlich wie Menschen mit Heiligenschein in der christlichen Kunst.

Die neueste Entdeckung in Amarna, Ägypten, beweist jedoch, dass die Kegel tatsächlich existierten. Außerdem geben sie Aufschluss darüber, woraus die Kegel bestanden, berichtet ein Team von Archäologen in einem Artikel in der Zeitschrift Antiquity.

Cremefarbene Kopfkegel

Die beiden Kegel-tragenden Personen wurden in getrennten Bereichen des Gräberfeldes in Amarna gefunden. Eine Person, eine Frau, entdeckten die Archäologen bereits 2010. Die Frau starb in einem Alter zwischen 20 und 29 Jahren. Sie hatte „lange, dicke Zöpfe mit vielen Verlängerungen und Endkringel.“ Außerdem wurde „der Kegel in situ, auf dem Kopf über dem gut erhaltenen Haar, gefunden“, so die Archäologen.

Weiterhin stellten die Forscher fest, dass die „Gesamtform [des Kegels] einer flachen Haube zu ähneln scheint“ und ursprünglich etwa 8 Zentimeter hoch und 10 Zentimeter breit war.

Die zweite Person mit einem Kegel entdeckten die Archäologen 2015. Dabei handelt es sich um eine Person im Alter zwischen 15 und 20 Jahren, während das Geschlecht unbekannt ist. Laut den Archäologen trug diese Person ihre Haare vermutlich offen und mit Locken. Zudem scheint das Grab bereits ausgeraubt worden zu sein.

In beiden Fällen erscheinen die Kegel aber cremefarben gewesen zu sein. Außerdem zeigte eine spektroskopische Analyse, dass diese ungewöhnlichen Gegenstände vermutlich aus Bienenwachs hergestellt waren. Doch anders als man nun denken mag, scheinen beide Personen nicht wohlhabend gewesen zu sein. Dies zeigt eine Auswertung ihrer Knochen, die darauf hindeutet, dass beide schwere körperliche Arbeit verrichteten und zeitweise unter Mangelernährung litten.

Mysteriöse Gegenstände

Der Zweck dieser Kopfkegel gibt Forschern jedoch noch immer Rätsel auf. In künstlerischen Darstellungen werden die Kopfkegel „oft so dargestellt, dass sie von Gästen, sowohl weiblichen als auch männlichen, in Festmahlszenen getragen werden, einschließlich solcher, die die Toten ehren. Außerdem wurden sie von männlichen Grabbesitzern getragen, die an Begräbnisritualen teilnahmen oder vom König belohnt wurden“, so die Archäologen.

Die künstlerischen Szenen zeigten auch Menschen, die bei der Jagd, beim Fischen, beim Musizieren oder bei der Geburt Kegel tragen, so die Autoren. „Die Natur und die Rolle der Kegel sind seit langem umstritten. Die beständigste Interpretation ist, dass der Kegel ein Klumpen parfümierter Salbe ist, der, während er schmolz, das Haar und den Körper duftete und reinigte“, so die Archäologen im Artikel.

Doch laut den Forschern bringt die neue Entdeckung Probleme mit dieser Interpretation mit sich. Zum einen bestehen die Kegel aus Bienenwachs und nicht aus Salbe und zum anderen konnten bei den Tests kein Parfüm festgestellt werden. Letzteres, so die Archäologen, könnte jedoch inzwischen vollständig verdunstet sein.

Eine weitere Möglichkeit sei, dass die beiden mit den Kegeln begrabenen Personen Fruchtbarkeitsprobleme hatten. Diese sollten mithilfe der Kopfkegel im Jenseits behandelt werden, so die Archäologen. „Die Kegel werden oft mit Sinnlichkeit, Sexualität und verwandten Vorstellungen in Verbindung gebracht, da sie in der Bildsprache häufig mit Frauen, manchmal unbekleidet, assoziiert werden.“

Häufig seien dabei die Kegel in Szenen mit der Fruchtbarkeitsgöttin Hathor dargestellt. In Grabszenen werden sie dagegen oft als sinnliche Motive gesehen, die mit der Wiedergeburt des (meist männlichen) Grabbesitzers in Verbindung gebracht werden.

Unterschiedliche Meinungen

Lise Manniche, Professorin für Ägyptologie an der Universität Kopenhagen, stimmte ebenso überein, dass dies eine wichtige Entdeckung sei. Sie glaubt, dass die aus Salbe hergestellten Kegel von der Mittel- oder Oberschicht benutzt wurden. Die beiden Personen, die mit den Kegeln in Amarna begraben wurden, konnten sich jedoch keine Kegel aus Salbe leisten und trugen stattdessen Kegel aus Bienenwachs.

„Ich würde die beiden Kegel als ‚Dummy- oder Ersatzkegel‘ interpretieren, die von den weniger glücklichen Bewohnern der Stadt als Ersatz für die Salbenkegel der Mittel- und Oberschicht verwendet wurden“, sagte Manniche gegenüber Live Science.

Nicola Harrington, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität von Sydney, sagte, dass „es unwahrscheinlich erscheint, dass die Bedeutung [der Kegel] allein mit Fruchtbarkeit und/oder Wiedergeburt in Verbindung gebracht werden kann, weil man erwarten würde, dass mehr Menschen – männlich und weiblich – mit ihnen begraben werden“.

Stattdessen, so Harrington, könnten die Kegel „Statusmarker von Frauen sein, die rituelle Tänze für den König und seinen Gott ausgeführt haben“. Die Spuren an den Knochen der beiden Personen mit den Zapfen seien unter Tänzern üblich, weshalb die Kegel „sie als Mitglieder einer Gemeinschaft markiert haben [könnten].“ (ts)

Den Artikel als PDF finden Sie hier (Englisch): From representation to reality: ancient Egyptian wax head cones from Amarna



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