Lieber den Spatz in der Hand…

Von 29. April 2005 Aktualisiert: 29. April 2005 9:30
Neueste Erkenntnisse zum Entscheidungsverhalten

Laut Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum vom 11.04.2005 ist die Wartezeit auf eine Belohnung der ausschlaggebende Faktor, ob wir etwas wollen oder nicht. So belegt diese Veröffentlichung einen Zusammenhang zwischen menschlichem Entscheidungsverhalten und den Ergebnissen einer Studie der Biopsychologen der RUB um Dipl.-Psych. Tobias Kalenscher, die sie in der Fachzeitschrift „Current Biology“ in ihrer Ausgabe vom 12. April 2005 veröffentlicht hatten.

Er schreibt, dass wir selbst wenn’s ums liebe Geld geht nur glauben, rational zu handeln, denn auch da sei ja Gewinnmaximierung und Kostenminimierung wesentlich. Aber von wegen „kühler“ Rechnerei! Es sei wohl eher so, dass finanziell erfolgreiche Menschen oft impulsiv entscheiden würden, wobei sie eher auf ihr Gefühl oder Gewissen hören würden. Sie würden sogar ein gewinnträchtiges Geschäft eher ablehnen, wenn sie es als unfair einstufen oder den Anbieter für seine Ungerechtigkeit bestrafen können. Oft aber zögen sie einen kleinen und sicheren Gewinn vor, anstatt auf einen größeren länger zu warten. Genauso verhielten sich auch die meisten Tiere, meint Tobias Kalenscher.

Also experimentierte der Bio-Psychologe Kalenscher mit Tauben, um dies näher zu untersuchen. Dafür benutzte er Pickscheiben, die eine gab eine kleine Belohnung heraus, die andere eine große Belohnung. So ist es uns nur verständlich, dass die Tauben natürlich die große Belohnung wählten. Doch das änderte sich, als man begann, die Wartezeit auf die große Belohnung hinaus zu zögern. „Bis zu einem gewissen Punkt wählten die Tauben weiterhin die größere Belohnung, doch irgendwann entschieden sie sich doch für die kleine“, erklärt er. Allerdings war die Länge der Wartezeit, bei der sich die Tiere neu entschieden individuell ganz verschieden. Sie lag zwischen 2,5 bis über 28 Sekunden.

Um Näheres heraus zu finden untersuchte mit Elektroden die Aktivität der beteiligten Hirnzellen. Dabei zeigte sich, dass die Tauben lernen, ihre neuronalen Reaktionen der zu erwartenden Zeit für die Belohnung anzupassen. Wurde aber der „Nervenkitzel“ durch die Größe der Belohnung durch die verlängerte Wartezeit geringer als der Effekt durch die Sofort-Belohnung, so entschieden die Tauben sich um. So scheint es also auch bei Tauben eine subjektive Erwartungshaltung zu geben, bis zu der sie lieber geduldig sind für eine größere Belohnung.

Und Kalenscher zieht daraus auch Rückschlüsse auf Erkrankungen, die mit Hirnschäden in diesem Bereich einhergehen oder dem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, Spielsucht und Drogenmissbrauch. Denn die Betroffenen hätten ein viel impulsiveres Verhalten und könnten längere Wartezeiten viel weniger tolerieren als Gesunde.

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