Soziologie-Professor zu Bild: „Aliens für Menschheit eine der 5 größten Gefahren“

Epoch Times22. Februar 2019 Aktualisiert: 22. Februar 2019 20:13
Klimawandel, Krieg, Seuchen - Das sind laut dem Freiburger Soziologie-Professor Michael Schetsche die drei großen Gefahren, die öffentlich diskutiert und von der Politik anerkannt sind. Doch es gibt zwei weitere - deutlich unterschätzte - Gefahren für die Menschheit: Eine Super-KI und der Erstkontakt mit Aliens, so der Soziologe.

Die Menschheit entwickelt sich rasend schnell. Die Technik verbessert sich sowohl auf der Erde, als auch unter Tage, in der Luft und sogar im Weltraum. Doch bisher bleibt die Frage, ob wir allein in diesem großartigen Universum sind, unbeantwortet. Trotzdem ist das Thema „Aliens“ eins der meist diskutierten und kontroversesten Themen überhaupt. Ob es sie gibt oder nicht, „eine Regel in der Zukunftsforschung besagt: Bei einem Ereignis, dessen Eintrittswahrscheinlichkeit zwar sehr gering ist, wo aber die Folgewirkungen fast gegen unendlich gehen, muss man hingucken“, so der Soziologie-Professor Michael Schetsche.

Michael Schetsche (62) ist Forschungskoordinator am Freiburger Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) sowie außerplanmäßiger Professor am Institut für Soziologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Mit seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Andreas Anton (35) veröffentlichte er das Buch „Die Gesellschaft der Außerirdischen – Einführung in die Exosoziologie.“

„Bild“ sprach mit dem Soziologen von der Universität Freiburg über Exosoziologie, Aliens und die aktuelle Forschung. Die Kernfragen des Interviews lauteten: Was passiert, wenn wir tatsächlich intelligentes Leben finden – oder es uns? Was wissen wir über Aliens oder was können wir vermuten? Sind sie friedlich oder feindlich gesinnt und können wir sie überhaupt verstehen? Die wichtigste Frage war jedoch: Was können wir tun, damit der Erstkontakt nicht zur Katastrophe wird?

„Was passiert, wenn wir tatsächlich intelligentes Leben finden – oder es uns?“

„Wir haben es im Moment mit fünf großen Problemlagen zu tun, die die Menschheit bedrohen“, so Schetsche. Jedoch würden nur drei davon öffentlich wahrgenommen und diskutiert: „Der Klimawandel, ein neuer kalter oder heißer Krieg und die Rückkehr der Seuchen.“

Die beiden unterschätzten Gefahren sind eine „künstlichen Intelligenz (KI), die universell ist, also alles Mögliche kann und alles Mögliche weiß“ und ein möglicher Erstkontakt mit intelligenten Wesen in den Weiten des Universums, „mit denen eine Begegnung riskant wird.“

Wie wahrscheinlich der Erstkontakt ist, kann der Soziologe nicht vorhersagen. Selbst wenn die Wissenschaftler „nicht-natürliche Signale“ aus den Tiefen des Weltalls empfangen, sind diese vermutlich bereits mehrere Tausend Jahre alt. Eine Antwort an jene Zivilisationen wäre noch einmal solange unterwegs – einen Dialog könnte man das nicht nennen, so Schetsche.

Sollten die Wissenschaftler tatsächlich derartige Signale entschlüsseln, würde laut Schetsche Folgendes passieren: „Wissenschaftler und Philosophen wären hellauf begeistert. Manche religiösen Systeme würden vermutlich Probleme bekommen, andere nicht. Der päpstliche Chefastronom im Vatikan gibt vielleicht eine Stellungnahme ab: ‚Auch das sind Gottes Kinder.‘“ Doch das Interesse der Presse würde nach wenigen Tagen, maximal Wochen verstummen. „1000 Lichtjahre, das ist weit weg.“

„Oumuamua“ und die Rückseite des Mondes sind gefährlicher als ein tausend Jahre altes Funksignal

Wahrscheinlicher wäre für den Freiburger Professor ein Erstkontakt, der die zeitliche Komponente unbeachtet lässt. „Vor 100 Jahren wäre ein derartiges Signal ungehört an uns vorbeigerauscht – und in 200 Jahren, sind wir vielleicht […] schon alle umgekommen“, so Schetsche. „Viel wahrscheinlicher und auch gefährlicher ist dagegen der Fund eines Artefakts.“

2017 entdeckten Astronomen „Oumuamua“ und stuften es als erstes interstellares Objekt, innerhalb unseres Sonnensystems ein. Der Physiker Avi Loeb geht sogar noch einen Schritt weiter und sieht in „Oumuamua“ einen technischen Gegenstand einer fremden Zivilisation. Dazu sagte Schetsche: „Ich bin kein Astrophysiker. Aber man sollte die Überlegung nicht leichtfertig von der Hand weisen, dass ‚Oumuamua‘ von Außerirdischen stammt.“

Auch auf dem Mond könnte es ungewöhnliche und außerirdische Artefakte geben. Auf Himmelskörpern ohne Atmosphäre, können Artefakte noch „nach Hunderttausenden oder sogar Millionen von Jahren“ gefunden werden, so der Soziologe. „Vielleicht ist es Weltraummüll, den eine fremde Sonde auf dem Mond oder im Asteroidengürtel hinterlassen hat. Aber stellen Sie sich mal vor, das Artefakt ist noch funktionsfähig. Vielleicht handelt es sich um ein Antriebssegment, das für den freien Raum gedacht ist. Wir Menschen wollen das natürlich erforschen, wir bringen es auf die Erde, experimentieren damit herum, aktivieren es durch überbordende Neugier. Und dann reißt es ein Viertel der Planetenoberfläche weg.“

Sind Menschen gefährlicher als Aliens?

Doch auch wenn das Artefakt nicht mehr funktionsfähig ist, kann die menschliche Gier zu katastrophalen Auswirkungen führen. Es gibt „eine ganze Menge Akteure, die da heranwollen.“ Staaten und große Konzerne oder sogar Privatpersonen werden alles daran setzten, in Besitz dieser überlegenen Technologie zu kommen, erklärte Professor Schetsche. So könnte es sein, „dass ein irgendwo im Asteroidengürtel entdecktes Artefakt den Grund für kriegerische Auseinandersetzungen auf der Erde liefert.“

Das Risiko, dass die Menschen nach einem derartigen Fund selbst zur größten Gefahr für die Menschheit werden, sei weitaus größer, als die Unterwerfung durch intelligentes außerirdisches Leben. „Ein außergewöhnliches Ereignis wie der Fund eines Alien-Artefakts könnte der Funke an der Lunte sein. Dann fliegt uns im schlimmsten Fall alles um die Ohren. Auch deshalb, weil wir keinerlei international verbindliche Regeln dafür haben, wie man mit solch einem Gegenstand umgeht.“

Um dies zu verhindern, plädiert Schetsche für ein internationales Abkommen, dass, zum Beispiel, „außerirdische Funde der Aufsicht der Vereinten Nationen unterstellt.“ Auch sollte in solch einem Abkommen genau geregelt sein, wie mit Artefakten fremder Zivilisation umgegangen wird und ob sie zur Erde gebracht werden oder nicht.

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Und wenn uns Außerirdische direkt besuchen kommen? Für diesen Fall rechnet Schetsche damit, dass wir eher von einer KI, einem Abgesandten einer hoch entwickelten Zivilisation, besucht werden würden. Aber unabhängig davon, ob Alien oder KI, und unabhängig von deren Motiven, wäre es wichtiger, wie die Menschheit auf den Erstkontakt reagiert. Betrachtet man die Geschichte, geht es für die Entdeckten meist nicht gut aus, egal ob bei der Entdeckung Amerikas oder der Kolonialisierung Afrikas.

„Auch wenn sich die Menschen nicht alle umbringen: Der Direktkontakt kann die sozialen, ökonomischen, politischen und religiösen Strukturen von Ländern zerstören. Wenn technisch weit überlegene Raumschiffe in der Nähe der Erde auftauchen, muss man davon ausgehen, dass das zu massiven Verwerfungen führen wird“, sagte Schetsche.

Bambi gegen Godzilla, nur dass wir Bambi wären

Im Falle des Erstkontakt würde es konkret bedeuten: „die Börsenkurse rauschen in den Keller. Für die Unternehmen ist es eine Katastrophe. Keiner weiß: Was bringen die für Technologien mit? Teilen sie die mit uns? Lohnt es sich überhaupt noch zu forschen? Ist alle Technik, die wir entwickelt haben, von einem Moment auf den anderen überholt?“ Und was passiert mit der Politik? „Alles Handeln der Nationalstaaten basiert auf Macht“, sagte Schetsche. „Das gesamte Gefüge ist in dem Moment hinfällig, in dem ein übermächtiger außerirdischer Akteur am Himmel auftaucht.“

Sollte die Menschheit dann zu allem Überfluss die Handlungen der Außerirdischen missverstehen und als kriegerischen Akt werten – auch wenn es gar nicht so gemeint ist – „es wäre ein Kräftemessen wie zwischen Bambi und Godzilla“, sagte der Soziologe. „Und wir wären in dem Fall Bambi.“

Über die Gründe, warum Außerirdische überhaupt den Weltraum erforschen, kann Schetsche ebenfalls nur spekulieren. Er warnt jedoch davor, „aus unseren eigenen Motiven auf die der anderen zu schließen.“ Es gäbe Dutzende Motive: die Suche nach Rohstoffen, Neugierde, Ausweitung des Machtbereiches, Flucht … „Darüber zu spekulieren, führt zu nichts. Weil wir dann immer wieder in unsere eigenen menschlichen Modelle und düsteren Science-Fiction-Ideen verfallen: ‚Die wollen die Erde erobern.'“

„Am besten für uns Menschen wäre es, wenn wir die Entdecker sind und die anderen die Entdeckten. Wenn dann jemand ausgebeutet wird, dann sind die es. Es mag zynisch klingen, aber so funktioniert menschliche Logik“, sagte Schetsche. Für den Fall, dass wir die Entdeckten und die außerirdischen Entdecker auch noch einer Art ökonomisch-kapitalistischen Gesellschaft entstammen, „dann Gnade uns Gott.“

Abschließend sagte Schetsche, dass wir so schnell wie möglich selber das All erforschen müssen – und dass wir extrem vorsichtig sein müssen. Am besten wäre es, einen Ort fern ab der Erde zu finden, an dem man Kontakt aufnehmen, oder Alien-Artefakte untersuchen kann. „Nicht, dass wir die Aliens am Ende bei uns im Schlafzimmer begrüßen müssen, das könnte hässlich werden. Besser wir sind bereit, sie an der Gartenpforte zu empfangen, im äußeren Sonnensystem.“ (ts)