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„Der Geist des Tals stirbt nie." Lao Tse
„Der Geist des Tals stirbt nie." Lao Tse
Foto: Axel Hoffmann / Pixelio

Kolumne: Ropers neue Welt der Etymosophie

GENIALITÄT – die Kultivierung der Geisteskraft

von Roland R. Ropers / Gastautor, Montag, 12. November 2012 07:55

 

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Jeder Mensch ist von Geburt an genial. Der Genius wurde in der römischen Kultur als Schutzgeist verstanden, der die Menschen durchs Leben führt. Das dazugehörige lat. Verb „gignere“ bedeutet: erzeugen, erschaffen. Die Schöpferkraft ist ein dauerhafter, nie endender geistiger Prozess, der besonderer Kultivierung bedarf. Der Genius ist ein inneres Wirkungsprinzip. Der geniale Physiker und Nobelpreisträger Albert Einstein erkannte: „Das Leben lässt sich auf zwei Arten leben. Zum einen so, als wäre nichts ein Wunder. Zum anderen so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres.“

Der Physiker Max Planck (1858 – 1955) war der große Förderer von Albert Einstein (1879 – 1955). Planck war von der Relativitätstheorie Einsteins begeistert und sorgte dafür, dass sie in wissenschaftlichen Kreisen bekannt wurde. Er holte Einstein als Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften nach Berlin. Oft wurde im Hause der Familie Planck in Berlin musiziert – Max Planck spielte Klavier, Albert Einstein Geige. Im Jahr 1929 äußerte Planck in Berlin eine revolutionäre Erkenntnis: „Da es im gesamten Weltall weder eine intelligente noch eine ewige Kraft gibt, so müssen wir hinter dieser Kraft einen bewussten, intelligenten Geist annehmen. Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie.“

Der indische Weise Patanjali, der zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert nach Christus lebte und die berühmten „Yogasutras“ verfasste, lehrte, dass wir durch den Zugriff auf die Akasha-Chronik, den nicht lokalen Geist, der alle Informationen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft enthält, und mittels meditativer Aufmerksamkeit die ganze Welt als eins erfassen und sehen können.

Der Begriff Energie (griechisch: enérgeia = Tätigkeit, Wirksamkeit) ist heutzutage in aller Munde. Das entsprechende lateinische Wort heißt vis und ist wie im Griechischen weiblichen Geschlechts. Energie kommt streng genommen von en ergein = in der Arbeit, in der Kraft sein. Von ergein sind unsere vielfältigen Begriffe wie ergonomisch, Ergometrie, Ergotherapie etc. abgeleitet.

Aristoteles hat das Wort Energie in die Philosophie eingeführt als die Fähigkeit zum Handeln und zum Durchhalten. Im Gegensatz hierzu steht die Dynamik (gr.: dynamis, lat.: potentia), die Bewegungskraft.

Ein energetischer Mensch ist wirksam tätig und setzt Kraftfelder (Potentiale) in Bewegung.

Jeder trägt für sich die Entscheidung, wie er seine Lebensenergie zum Einsatz bringen möchte. Für eine gewisse Wegstrecke braucht man erfahrene Lehrer und Meister, bis man mit dem großen kosmischen Energiefeld in Einklang gekommen ist. Ein gutes Beispiel ist ein Orchester mit den verschiedensten Instrumentengruppen. Einer, der zum Flötenspieler geboren ist, wird nicht den Kontrabass spielen, und ein feinnerviger Geiger haut nicht auf die Pauke. Jeder Musiker bringt seine Energie zum Besten einer Symphonie (griechisch: Zusammenklang) ein, der Dirigent sorgt für die Dynamik und koordiniert das Kraftfeld.

Auf dem spirituellen Weg geht es ähnlich: das dynamische Kraftfeld aus dem Urgrund, dem innersten Wesensgrund, der in völliger Konsonanz mit dem Universum verbunden ist, speist unsere Lebensenergie, unser Tätigsein. Energetische Störfelder von außen sind nicht unsere Kraftquelle. Wir müssen den wahren Ursprung erkennen, um nicht auf Irrwege zu gelangen.

Im 6. Kapitel des „Tao Te King“ von Lao Tse lesen wir:

„Der Geist des Tals stirbt nie.
Er ist die weiblich-ursprüngliche Mutter.
Ihr Tor ist die Wurzel
von Himmel und Erde.
Er verbirgt sich,
aber er ist immer gegenwärtig.
Man schöpft aus ihm,
doch er bleibt unerschöpflich."

 

Roland R. Ropers
Roland R. Ropers
Foto: Renate Lilge-Stodieck / The Epoch Times

Der Religionsphilosoph Roland R. Ropers ist Autor und Herausgeber etlicher Bücher:

Was unsere Welt im Innersten zusammenhält: Hans-Peter Dürr im Gespräch mit bedeutenden Vordenkern, Philosophen und Wissenschaftlern von Roland R. Ropers und Thomas Arzt; 2012 im Scorpio Verlag

Eine Welt - Eine Menschheit - Eine Religion von Bede Griffiths und Roland R. Ropers

Gott, Mensch und Welt. Die Drei-Einheit der Wirklichkeit von Raimon Panikkar und Roland R. Ropers

Die Hochzeit von Ost und West: Hoffnung für die Menschheit von Bede Griffiths und Roland R. Ropers

Geburtsstunde des neuen Menschen. Hugo Makibi Enomiya-Lassalle zum 100. Geburtstag von Roland R. Ropers

 

 

 

 

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