Leitender Google Angestellter tritt wegen Chinas Zensurplänen zurück

Von 17. September 2018 Aktualisiert: 18. September 2018 10:14
Ein leitender Forscher bei Google kündigte, nachdem Nachrichten über ein neues Google Suchmaschinenprojekt in China in die Medien gelangt waren.

Wie The Intercept berichtete, kündigte Jack Poulson, ein leitender Angestellter aus dem Bereich Forschung und maschinelle Intelligenz bei Google, am 31. August seine Stellung.

Nachdem am 1. August von ungenannten Quellen geleakte Informationen über Googles Arbeit an einer zensierenden Suchmaschine für China ans Licht kamen, gab es innerhalb Googles erheblichen Aufruhr. Die Art des Projekts, an dem sie arbeiteten, war nur wenigen Mitarbeitern bekannt.

Poulson brachte die Angelegenheit bei seinen Managern zur Sprache. Mitte August beschloß er zu kündigen, da Google seine Pläne fortsetzen würde.

Er wollte nicht für ein Unternehmen arbeiten, das Informationen auf Verlangen chinesischer kommunistischer Beamter zensiert, nur um wieder auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen.

„Aus meiner Überzeugung heraus, dass Meinungsverschiedenheiten für funktionierende Demokratien von grundlegender Bedeutung sind, bin ich gezwungen, zurückzutreten, um nicht zur Erosion des Schutzes von Dissidenten beizutragen oder davon zu profitieren“, schrieb Poulson in seinem Rücktrittsschreiben, das The Intercept vorliegt.

Der Senator Marco Rubio aus Florida twitterte dazu:

„Die Zweifel sollten ausgeräumt werden, bis wir mehr erfahren. Aber zu lesen, dass Google plant eine zensierte Suchmaschine für China zu schaffen ist verstörend. Dem Verteidigungsministerium wollen sie nicht helfen unser Land zu sichern, aber China wollen sie helfen die Wahrheit zu unterdrücken?“ [gemeint: zensierende]

Die erste zensierende Suchmaschine von Google in China, 2006-2010

Damit Google wieder Zugang zum chinesischen Suchmaschinenmarkt erhält, müsste es Server hosten und Nutzerdaten auf dem chinesischen Festland speichern. Die chinesischen Behörden hätten Zugang zu diesen Daten. Poulson befürchtet, dass diese Situation genutzt werden könnte, um politische Dissidenten zu enttarnen und zu unterdrücken.

Google beschuldigte China, genau das getan zu haben, als Google entdeckte, dass China die E-Mail-Konten von politischen Aktivisten auf seinen Servern gehackt hatte, bevor Google sich 2010 aus China zurückzog, so Berichte von The Wall Street Journal und Spiegel Online.

„Ich betrachte unsere Absicht, vor Zensur- und Überwachungsforderungen im Gegenzug für den Zugang zum chinesischen Markt zu kapitulieren, als Verlust unserer Werte und der Verhandlungsposition der Regierung auf der ganzen Welt“, fuhr Poulson in dem Brief fort und bezeichnete Googles Sinneswandel als einen Schritt, der einen fatalen Präzedenzfall schaffen könnte.

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„Es besteht die reale Möglichkeit, dass andere Nationen versuchen werden, unser Handeln in China zu nutzen, um von uns die Einhaltung ihrer Sicherheitsanforderungen zu fordern.“

Google hat weder Fragen von Menschenrechtsgruppen noch von Journalisten oder Anderen zu Googles 180 Grad Wende bei der Zensurpolitik  beantwortet. Google schwieg auch intern zu Fragen der Mitarbeiter, als es um Antworten auf die ethischen Fragen zu Auswirkungen des Projekts ging. Einige haben das Unternehmen zusammen mit Poulson verlassen.

Google wurde gelobt, als es 2010 den chinesischen Markt verließ. Der Schritt wurde von Google-Mitbegründer Sergey Brin veranlasst. Er begründete die Entscheidung mit seinen Erfahrungen, die er gesammelt hatte, als er in der Sowjetunion aufwuchs. Die gleichen autoritären Merkmale der Unterdrückung sah er beim kommunistischen China.

Google hatte von 2006 bis 2010 eine zensierende Suchmaschine in China betrieben. Ein Ingenieur, der an diesem Projekt arbeitete, schrieb einen Brief, in dem er sein Bedauern darüber zum Ausdruck brachte, Google in seiner damaligen Zusammenarbeit mit den chinesischen Behörden geholfen zu haben und riet Google, nicht wieder in China aktiv zu werden.

„Das ist noch schlimmer als das Zensurschema das 2006 geschaffen wurde, weil hier offenbar nicht nur die persönlichen Daten, sondern auch die entsprechenden Suchanfragen auf rückführbare Weise gespeichert werden sollen. Ich würde gerne wissen was das Google Privacy Team dazu denkt.“

Ehemaliger Ingenieur bedauert seine damalige Mitarbeit

Der frühere Google-Ingenieur Brandon Downey kritisierte die grundlegenden Überlegungen Googles über die Zusammenarbeit mit chinesischen Behörden. Er beschrieb die Entscheidung des Unternehmens so:

„[Google sagt] Seht mal! China zensiert bereits das Internet. Also warum geben wir den Leuten nicht wenigstens die Informationen, die wir haben, weil einige besser sind als keine?“

Downey reagierte auf diese Rationalisierung wie folgt:

Google hat das schon einmal getan, und es endete in einer Katastrophe.“

Er entschuldigte sich auch für seine Beteiligung an Googles erstem Zensurprojekt in China.

„Ich möchte sagen, dass es mir leid tut, dass ich dabei geholfen habe. Ich weiß nicht, wie sehr dies dazu beigetragen hat, das politische Zensurregime in der VR China zu stärken, aber es war falsch. Es hat mir nur bei meiner Karriere geholfen. So passt es zur klassischen Definition von moralisch achtlosem Verhalten: Ich bekam Dinge und im Gegenzug machte es das Leben anderer Leute wahrscheinlich noch schlimmer“

Mit Material von NTD.TV

Das Original erschien in The Epoch Times (USA) (deutsche Bearbeitung von al)

Originalartikel: Senior Employee Resigns From Google Over China Censored Search Engine Plans