«Transparent»-Star Tambor: Eine Revolution ist im Gange

München (dpa) - Die preisgekrönte US-Serie „Transparent“ gibt es seit diesem Freitag auch in deutscher Fassung zum Streaming im Internet. Der US-Schauspieler Jeffrey Tambor (70) spielt in der Amazon-Eigenproduktion einen Familienvater, der…
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Seine Rolle in der preisgekrönten Internet-Serie «Transparent» holte Jeffrey Tambor von den ewigen Nebenrollen ins Rampenlicht.Foto:  Andrew Gombert/dpa
Epoch Times10. April 2015
Die preisgekrönte US-Serie „Transparent“ gibt es seit diesem Freitag auch in deutscher Fassung zum Streaming im Internet.

Der US-Schauspieler Jeffrey Tambor (70) spielt in der Amazon-Eigenproduktion einen Familienvater, der sich als Frau fühlt und dies nun leben möchte, das aber auch seinen erwachsenen Kindern beibringen muss.

„Es ist die Rolle meines Lebens“, sagt Tambor, der für seine Darstellung der Maura Pfefferman einen Golden Globe gewann, in einem dpa-Interview kurz vor der Deutschlandpremiere (Freitag in München). Es ist Tambors erster Deutschlandbesuch überhaupt.

Frage: Was halten Sie denn von den Deutschen?

Antwort: Als ich gestern mit meiner Frau durch München spaziert bin, habe ich ihr gesagt: Die Menschen wirken hier sehr selbstsicher. Ich meine das durchaus positiv. Aber vielleicht ist das auch nur mein ganz persönlicher Eindruck – oder der Jetlag.

Frage: Wie wird das deutsche Publikum Ihrer Ansicht nach auf die Serie reagieren?

Antwort: Mein Eindruck ist nach den Gesprächen, die ich bislang geführt habe, dass die Serie hier schon gut ankommt. Familie ist Familie ist Familie. Die Serie ist einfach sehr wahr und auch wer sie hier in München streamen wird, wird seine eigene Familie darin erkennen.

Frage: Haben Sie beim Lesen der Drehbücher auch Ihre eigene Familie erkannt?

Antwort: Ich habe es gelesen und nach acht Seiten habe ich gesagt: Das muss ich unbedingt machen. Ich habe mir keine Gedanken gemacht über Mut oder sonst etwas, was heute mit der Serie in Verbindung gebracht wird. Es war einfach toll und ehrlich geschrieben. Ich habe erst später gemerkt, dass ich mit der Rolle auch eine ziemliche Verantwortung übernommen habe – die Verantwortung, die Rolle der Maura für die Transgender-Gemeinde wirklich richtig zu spielen.

Frage: Was war denn Ihr erster Gedanke, als sie gebeten wurden, einen Mann zu spielen, der eine Frau ist?

Antwort: Ich würde jetzt gerne sagen, dass ich lange darüber nachgedacht, gegrübelt habe und ruhelos herumgewandert bin, aber es ist einfach eine super Rolle. Man sagt nicht Nein zu Maura Pfefferman. Ich, meine: Ich bin 70 Jahre alt – das ist die Rolle meines Lebens. Ich lebe einen Traum. Das ist wundervoll. Die Serie und der Zeitgeist scheinen miteinander verwoben zu sein.

Frage: Man kann die Serie ja nicht im Fernsehen anschauen, sondern nur online. Hatten Sie an dem Modell jemals Zweifel?

Antwort: Ich liebe Streaming. Das Internet ist der Ort, an den die Inhalte gewandert sind. Autoren wissen das und Schauspieler auch. Es gibt da eine ganz klare Verlagerung von Talenten. Da ist eine Revolution im Gange.

Frage: Bedeutet diese Revolution neue Herausforderungen für Schauspieler? 

Antwort: Nein. Schauspielerei ist Schauspielerei ist Schauspielerei. Es gibt nur mehr Möglichkeiten. Vielleicht kann man die Streaming-Entwicklung mit der Off-Broadway-Bewegung vergleichen, die im Vergleich zum Broadway mehr Ecken und Kanten hat.

Frage: Die zweite Staffel von „Transparent“ wird demnächst gedreht. Was wünschen Sie sich für Maura?

Antwort: Ich wünsche ihr mehr neue Transgender-Freunde und dass sie ihren Kindern wieder etwas näherkommt.

ZUR PERSON: Jeffrey Tambor (70) ist seit mehr als 40 Jahren Schauspieler. In Filmen wie „Hangover“, „Rendezvous mit Joe Black“ oder „Verrückt nach Mary“ spielte er aber immer nur Nebenrollen. Erst mit der Serie „Arrested Developement“ wurde er bekannter, der Durchbruch gelang aber erst jetzt mit „Transparent“. Tambor ist in dritter Ehe verheiratet und hat fünf Kinder.

(dpa)


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