Alternative zu Ivermectin: Ein Kraut, wie „eine Bombe“ gegen SARS-CoV-2

Eine Heilpflanze könnte neuen Studien zufolge das natürliche Äquivalent zu Ivermectin sein – auch bei der Bekämpfung von SARS-CoV-2.
Einjähriger Beifuß.
Einjähriger Beifuß.Foto: iStock
Von 28. April 2023

Der Einjährige Beifuß, auch bekannt als Artemisia annua, gilt in vielen Gebieten der Welt als ein Heilkraut. Es ist in Eurasien beheimatet, hat eine grüne Farbe, gefiederte Blätter und gelbe Blüten. In der traditionellen chinesischen Medizin dient die Pflanze seit Jahrtausenden als Mittel gegen Malaria, Fieber, virale und bakterielle Infektionen und Entzündungen.

Artemisinin als Alternative zu Ivermectin – auch bei COVID-19

Der wichtigste Wirkstoff des Einjährigen Beifußes ist Artemisinin. Die chinesische Pharmakologin Tu Youyou isolierte diesen erstmals im Jahr 1972 aus der Pflanze und setzte ihn gegen Malaria ein. Für ihre Entdeckung erhielt sie im Jahr 2015 den Nobelpreis für Medizin und die Hälfte des Preisgeldes, heißt es in einem Artikel des „Ärzteblatts“ aus dem Jahr 2015.

Ein weiterer Nobelpreis für Medizin und die andere Hälfte des Preisgeldes ging im selben Jahr an die Entdecker des parasitenbekämpfenden Wirkstoffs Ivermectin. Dieser wird durch ein künstliches Verfahren aus einem Bakterium gewonnen.

Der Arzneistoff stieg während der COVID-19-Pandemie zu einem der umstrittensten Medikamente auf. Trotz der von vielen Ärzten berichteten Vorteile rieten die Gesundheitsbehörden weltweit von seiner Verwendung weitgehend ab.

Der Einjährige Beifuß mit seinem Wirkstoff Artemisinin ist eine pflanzliche Alternative zu Ivermectin, meinte die amerikanische Naturheilkundlerin Dr. Jana Schmidt gegenüber der Epoch Times. So hat das Kraut Schmidt zufolge viele Anti-SARS-CoV-2-Eigenschaften [1], die denen von Ivermectin ähneln. Beide Wirkstoffe haben außerdem eine geringe Toxizität, sind sicher und relativ kostengünstig.

Mittel gegen Viren, Parasiten und Entzündungen 

Auch haben beide Substanzen starke antivirale, antiparasitäre und entzündungshemmende Eigenschaften, die neben COVID-19 auch bei anderen Krankheiten ähnlich wirken [2]. So hindern sie die Viren daran, in Zellen einzudringen [3, 4]. Sie verhindern zudem die Replikation von Viren [5, 6, 7] und können Viren und infizierte Zellen abtöten.

Ferner wirken sie entzündungshemmend, indem sie die Konzentration von entzündlichen Zytokinen senken [8] und somit Zytokinstürme hemmen. Auch verhindern sie, dass sich dickes Narbengewebe in der Lunge bildet [9].

Überdies lindern sie Schmerzen, die durch eine Schädigung oder Funktionsstörung des Nervensystems entstehen (neuropathischen Schmerzen) [10] und verhindern die Entstehung von Krebs [11].

„Wirkt wie eine Bombe“ gegen SARS-CoV-2

Das Besondere an Artemisinin und seinen Derivaten ist, dass es eine Wasserstoffperoxidbrücke in seiner chemischen Struktur hat. Wasserstoffperoxid ist hochreaktiv; Studien legen nahe, dass es mit Eisen stark oxidierend reagiert. Dieser Vorgang heißt Fenton-Reaktion [12].

Viren und Parasiten benötigen Eisen, um sich zu vermehren. Einige Viren und Parasiten infizieren nur Zellen, die Eisen speichern und Eisen in infizierten Regionen absondern. Artemisinin blockiert die Tendenz eines Virus oder Parasiten, die Eisenspeicherung während einer Infektion zu erhöhen.

Folglich wirkt Artemisinin bei SARS-CoV-2 „wie eine Bombe“, meinte Professor José Luis Abreu von der Staatlichen Universität von Nuevo León, dessen Fachgebiet die Wirtschafts- und Pflanzenwissenschaften sind. Die konzentrierte Eisenspeicherung zieht die Aktivität von Artemisinin an, wodurch die Produktion von freien Radikalen verstärkt wird. Das führt zu einer starken Zerstörung von infizierten Zellen, Parasiten und Viren.

Beide Substanzen als Krebsmittel

Da Krebszellen ebenfalls Eisen speichern, um sich zu vermehren, wirkt Artemisinin zudem krebshemmend [13]. Dies ist der Grund, warum Artemisinin weltweit neben Malaria auch gegen Krebs eingesetzt wird [14]. Seit 2002 empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation den Stoff zur Erstbehandlung von Malaria.

Trotz der Potenz der isolierten Artemisinin-Verbindungen erklärte Abreu, dass der Verzehr der gesamten Pflanze anstelle der isolierten Form mehr Nutzen bringe. Denn der Einjährige Beifuß enthält neben Artemisinin auch große Mengen an sekundären Pflanzenstoffen, Polyphenolen, ätherischen Ölen und vielen anderen chemischen Stoffen. Sie alle unterstützen die Funktion von Artemisinin und sorgen für eine stärkere synergistische Wirkung.

Das Madagaskar-Protokoll

Was COVID-19 anbelangt, wirken der Einjährige Beifuß und Ivermectin nicht gleich. So bindet sich Ivermectin an das Spike-Protein des Virus und verhindert damit, dass es in menschliche Zellen eindringt. Das zeigte eine Studie, in der Ivermectin mit anderen Medikamenten wie Remdesivir und Hydroxychloroquin verglichen wurde [15]. Artemisinin und seine Derivate binden sich jedoch eher weniger an das Spike-Protein.

Ivermectin hat auch andere antivirale Eigenschaften, die der Einjährige Beifuß nicht hat. Dazu gehört seine Fähigkeit, die Gesundheit der Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen) unter Sauerstoffmangel zu erhalten [16]. Obwohl die beiden Substanzen in diesem Bereich nicht gleich wirken, können sie sich jedoch gegenseitig ergänzen.

In diesem Sinne konzipierte Professor Abreu eine COVID-19-Therapie, die Ivermectin, Einjährigen Beifuß und Zink umfasst. Er nannte seinen Behandlungsplan Madagaskar-Protokoll. Denn Madagaskar, das einen höheren Verbrauch von Einjährigem Beifuß und Ivermectin aufweist, war deutlich weniger von COVID-19 betroffen war als der Rest der westlichen Welt. Die positive Wirkung gegen Corona war bereits im Mai 2020 erkannt und wurde genauer untersucht.

Da es „kein Allheilmittel“ gebe, sei sein Madagaskar-Protokoll eine Kombination aus Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln, erklärte Abreu in einem Interview im vergangenen Jahr. Wenn man so viele Medikamente wie möglich in den Behandlungsplan aufnimmt, die sich nicht gegenseitig stören und nicht miteinander konkurrieren, könne die behandelte Person am meisten davon profitieren, so der Forscher.

Artemisinin erhöht den Sauerstoffgehalt im Körper

Abreu wies außerdem darauf hin, dass Artemisinin eine Eigenschaft hat, die er bei keiner anderen Pflanze oder Chemikalie gesehen habe: Das ist sein Potenzial, den Sauerstoffgehalt im Körper zu erhöhen. Die Reaktion zwischen der Wasserstoffperoxidbrücke und Eisen kann zur Produktion von Sauerstoff führen.

„Wenn wir COVID bekommen, sinkt der Sauerstoffgehalt, was zu Hypoxie [Sauerstoffmangel] führt“, so Abreu. In diesem Fall könne Artemisinin helfen.

Auch die Naturheilkundlerin Schmidt stellte fest, dass die Lungenfunktion bei Menschen, die Einjährigen Beifuß zur Behandlung von COVID-19 einnahmen, sichtbar besser wurde. Ihr zufolge atmen viele ihrer Patienten nach der Einnahme von Artemisinin leichter.

Keine klinischen Studien zum Beifuß als COVID-19-Mittel

Es sollte jedoch erwähnt werden, dass bisher keine menschlichen Studien zu dieser Pflanze als Mittel gegen COVID-19 veröffentlicht wurden. Allerdings publizierten Wissenschaftler die Ergebnisse von In-Vitro-Studien. 

In einer solchen Studie von Pamela Weathers, Professorin für Biologie und Biotechnologie am Worcester Polytechnic Institute, kam heraus, dass Extrakte aus den Blättern des Einjährigen Beifuß gegen verschiedene SARS-CoV-2-Varianten wirken [17].

Ähnliche Ergebnisse lieferte auch die Studie eines internationalen Forschungsteams unter der Leitung des Chemikers Peter Seeberger vom Max-Planck-Institut [18]. Die Forscher nutzten dabei Extrakte aus dem Einjährigen Beifuß oder Derivate von Artemisinin, das aus der Pflanze gewonnen wurde. 

Sie fanden heraus, dass verschiedene Kräuterextrakte sowohl in tierischen als auch in menschlichen Zellen eine Infektion aktiv hemmten. Laut den Wissenschaftlern sind klinische Studien erforderlich, um den Nutzen dieser Substanzen für die Behandlung von COVID-19 genauer zu untersuchen.

Wie man den Einjährigen Beifuß einnimmt

Wie kann man Artemisinin nun einnehmen? Man kann die Substanz in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zu sich nehmen. Mehr Nutzen hat es jedoch, den Einjährigen Beifuß zu verzehren oder einen Teeaufguss aus ihm zu machen.

Die ätherischen Öle des Krautes sind sowohl antibakteriell als auch antimykotisch (wirken gegen Pilze) [19]. Die in der Pflanze enthaltenen Flavonoide können außerdem die Wirkung von Artemisinin verstärken.

Studien aus China empfehlen, 4 bis 9,5 Gramm (ein bis zwei Teelöffel) getrockneten Einjährigen Beifuß mit kochendem Wasser zu übergeißen und als Tee zu trinken [20]. Abreu selbst konsumiert die Pflanze, indem er ein Gramm von den Blättern in heißem Wasser aufbrüht und trinkt. Manchmal trinkt er bis zu vier Portionen an einem Tag.

Verwechslungsgefahr und Nebenwirkungen

Was das Aussehen des Einjährigen Beifußes angeht, so sollte man ihn nicht mit dem Bitteren Beifuß (Artemisia absinthium, auch Wermut genannt) verwechseln, warnt die amerikanische Naturheilkundlerin Schmidt. Wermut hat eine geringere Konzentration an Artemisinin-Verbindungen als Artemisia annua. Außerdem enthält er Alpha- und Beta-Thujon-Toxine.

Der Einjährige Beifuß ist zwar wenig toxisch, eignet sich jedoch nicht für schwangere Frauen oder Personen, die Blutverdünner oder Medikamente gegen Schlaganfälle einnehmen. Bei Menschen, die allergisch auf die Pflanze reagieren, können ebenfalls Nebenwirkungen auftreten.

(Mit Material der Epoch Times USA)

Literatur und Quellen

[1] Zaidi et al. (2021); doi.org/10.1038/s41429-021-00491-6

[2] Badraoui et al. (2022); doi.org/10.3390/ph15020129

[3] Ahmad et al. (2022); doi.org/10.14218/JERP.2021.00034

[4] Sehailia et al. (2020); doi.org/10.1080/07391102.2020.1796809

[5] Rai et al. (2020); doi.org/10.3126/ijasbt.v8i4.33667

[6] Das et al. (2020); doi.org/10.1080/07391102.2020.1763201

[7] Agrawal et al. (2022); doi.org/10.3390/molecules27123828

[8] Xu et al. (2007); doi.org/10.1093/rheumatology/kem014

[9] Cheong et al. (2020); doi.org/10.1016/j.phrs.2020.104901

[10] Ying et al. (2017); doi.org/10.1016/j.neuint.2017.02.004

[11] Augustin et al. (2020); doi.org/10.1016/j.pharmthera.2020.107706

[12] Christine C. Winterbourn (1995); doi.org/10.1016/0378-4274(95)03532-x

[13] Brown et al. (2020); doi.org/10.3389/fonc.2020.00476

[14] Ma et al. (2021); doi.org/10.3389/fphar.2021.828856

[15] Eweas et al. (2021); doi.org/10.3389/fmicb.2020.592908

[16] Nagai et al. (2017); doi.org/10.1016/j.ebiom.2017.09.022

[17] Nair et al. (2022); doi.org/10.1016/j.jep.2021.114797

[18] Zhou et al. (2021); doi.org/10.1038/s41598-021-93361-y

[19] Bilia et al. (2014); doi.org/10.1155/2014/159819

[20] Debnath et al. (2011); doi.org/10.5012/JKCS.2011.55.1.057



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