Wissenschaftler: „Hirntote“ können sich wie Salamander regenerieren

Die Forschung schreitet voran: Definitionen, die gestern noch als unumstößlich galten, können morgen schon verworfen werden. So ist es auch beim „Hirntod“.
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Seit 1968 gilt in vielen Ländern der Hirntod als die rechtsgültige Definition des menschlichen Todes. Doch ist das wirklich so?Foto: sudok1/iStock
Von 12. August 2022

Der Tod ist definiert als das Ende aller biologischen Funktionen, die einen Organismus am Leben erhalten. In den meisten Ländern der Welt gilt der Hirntod als die rechtsgültige Definition des menschlichen Todes. 

1968 legte das Ad Hoc Committee der Harvard Medical School den Hirntod in einem Bericht fest und meint damit den vollständigen und irreversiblen Verlust der Hirnfunktionen einschließlich der Fähigkeit, den Körper eigenständig durch Steuerung der Lebensfunktionen am Leben zu halten.

Der Hirntod ist der letzte pathologische Zustand, den über 60 Millionen Menschen weltweit jedes Jahr durchlaufen. Er kann entweder direkt durch eine Verletzung oder indirekt durch eine Krankheit verursacht werden.

In der Medizin wird uns immer wieder gesagt, dass der Hirntod „unumkehrbar“ sei und als Ende betrachtet werden sollte. Aber ist das wirklich so? Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse widersprechen dem.

Gehirn ist nicht der einzige Speicher von Informationen

Der Mensch verfügt zwar über keine nennenswerten Regenerationsfähigkeiten im zentralen Nervensystem. Viele andere Spezies wie Amphibien, Platt- und Strudelwürmer und bestimmte Fische können jedoch selbst nach einer lebensbedrohlichen Verletzung erhebliche Teile ihres Gehirns und Hirnstamms reparieren, regenerieren und neu formen.

Diese Regenerationsfähigkeiten wurden in den vergangenen Jahrzehnten experimentell genutzt, um komplexe Gehirntransplantationen bei Organismen wie Salamandern durchzuführen und die Dynamik der Gedächtnisspeicherung zu untersuchen.

Jüngste Studien zur komplexen Gehirnregeneration bei verschiedenen  Organismen  könnten weitreichende Folgen für unser Verständnis von Bewusstsein und Erinnerung haben.

Der Salamander Axolotl kann Glieder, Organe und sogar Teile des Gehirns wiederherstellen. Foto: Iva Dimova/iStock

Hirntote können Kinder zur Welt bringen

Obwohl der Hirntod laut der Definition der Harvard Medical School von 1968 als unumkehrbar gilt, wurden mehrere Fälle dokumentiert, in denen Hirntote wieder aufwachten.

Die meisten führenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet erkennen an, dass bei kürzlich diagnostizierten Hirntoten tatsächlich noch „Nester“ neuronaler Aktivität und Restdurchblutung vorhanden sind. Deswegen liegt es nahe, dass Wiederbelebungen mit den richtigen Instrumenten zur Neuroregeneration theoretisch möglich sind.

Außerdem zeigten Studien, dass der Körper von hirntoten Personen, die mit Geräten am Leben erhalten werden, viele Körperfunktionen aufrechterhält. Zudem kann der Körper wachsen, sexuell reifen und Fieber bekommen. Auch ist es möglich, dass Hirntote Kinder gebären.

Wir denken heute nicht mehr viel über die erste Defibrillation bei Herzrhythmusstörungen, die mechanische Lungenbeatmung oder komplexe Organtransplantationen nach.

Momentan befinden wir uns wissenschaftlich in einer besonderen Zeit. Uns stehen Werkzeuge aus verschiedenen Gebieten zur Verfügung wie der regenerativen Biotechnologie, der Reanimationsforschung und den klinischen Neurowissenschaften. Mit ihnen könnten wir über tiefgreifende und kontroverse Fragen neue Erkenntnisse gewinnen.

Ira S. Pastor ist Chief Executive Officer von Bioquark Inc. einem Biowissenschaftsunternehmen, das daran forscht, wie beschädigtes Gewebe am menschlichen Körper regeneriert, repariert und wiederbelebt werden kann. 

Dieser Artikel erschien im Original auf The Epoch Times USA unter dem Titel: Is Death Reversible? Scientist Shows How ‘Brain Dead’ Patients Could Regenerate, Like Salamanders (deutsche Bearbeitung von as)

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.


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