Das zweischneidige Schwert des „Woke-Kapitalismus“

„Sozial gerechtes“ Investieren ist Teil der Great-Reset-Agenda des Übergangs vom Shareholder- zum Stakeholder-Kapitalismus. Ein Kommentar.
Die große Lüge des „Woke-Kapitalismus“
Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (L) spricht während des Jahrestreffens des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos am 26. Mai 2022 neben dem Gründer und Vorstandsvorsitzenden des Weltwirtschaftsforums Klaus Schwab.Foto: FABRICE COFFRINI/AFP via Getty Images
Von 16. August 2022

In den USA ist eine heiße Debatte entbrannt über den Sinn und Unsinn der von den Vereinten Nationen mit der Agenda 2030 eingeführten Kriterien zu Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung, auf Englisch Environmental Social Governance oder kurz ESG.

Auch in Deutschland gewinnt die Diskussion über diese Kriterien und die Woke Bewegung zunehmend an Bedeutung, weshalb wir hier einen Kommentar des Kalifornischen Buchautors und Journalisten James Gorrie abdrucken. Der Kommentar ist eine Antwort auf einen Artikel, der im amerikanischen Slate-Magazin mit dem Titel: „Der Krieg der Republikaner gegen den ‚Woke Kapitalismus‘ ist in Wirklichkeit ein Krieg gegen den Kapitalismus“ erschienen ist. Das Slate Magazin ist eine Online-Publikation die zunächst von Microsoft gegründet wurde und dann von der Washington Post übernommen wurde. Aus rechtlichen Gründen können wir diesen Artikel von Andrew Petillon hier leider nicht abdrucken, aber unten finden Sie den Link.

Der folgende Kommentar von James Gorrie erschien zuerst in der amerikanischen Ausgabe der Epoch Times:

Woke Kapitalismus und „ESG“

Laut „The Economist“ handelt es sich bei dem „woke“ oder „aufgewachten“ Kapitalismus um öffentliche Kampagnen, die sich an Millennials, also die Generation der Jahrtausendwende, richten. Diese jungen Menschen vertreten in der Regel eher sozialliberale Ansichten und seien wohl weniger als frühere Generationen gut darüber informiert, was der Kapitalismus der freien Marktwirtschaft ist.

Mit dem Wort Woke Kapitalismus sind oftmals Investitionen im Sinne der ESG-Kriterien bezeichnet, was wiederum verschiedene Bedeutungen haben kann. Das Akronym ESG steht für Environment, Social und Governance oder „Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung“. Es handelt sich um eine vage Kategorisierung oder einen Standard, der auf Unternehmen und Investoren angewandt wird, um zu bestimmen, wie „woke“ bzw. „aufgewacht“ sie sind – oder nicht.

In den USA ist ESG auch ein Maßstab für den Woke-Kapitalismus. Einige der wichtigsten Konzepte, die mit ESG einhergehen, sind Klimawandel, Nachhaltigkeit, grüne Technologie, soziale Gerechtigkeitsthemen wie Arbeitnehmerrechte und Arbeitsbedingungen, Veränderung von sozialen Normen, Ausbeutung von Minderheiten und so weiter. Es gibt auch den Aspekt der staatlichen Aufsicht oder Förderung dieser Anliegen. Das ESG-Ranking eines Unternehmens oder Investors kann der entscheidende Faktor für Investitionen oder sogar für Boykotte sein.

Stakeholder-Kapitalismus und Faschismus

Der aufgewachte Kapitalismus vertritt die Idee des „Stakeholder-Kapitalismus“. Der Stakeholder-Kapitalismus, für den der Business Roundtable und das Weltwirtschaftsforum (WEF) plädieren, verlangt von den Unternehmen, dass sie sich an die ESG-Vorgaben halten, und zwar nicht unbedingt an die privaten Aktionäre, sondern an die oft nicht gewählten und von ihnen geforderten sozialistischen Standards. Zu Letzteren gehören die Gleichheit der Ergebnisse, Einstellungsentscheidungen, Anforderungen an die Vielfalt, Einkommensgleichheit und vieles mehr. Aktionäre wie Sie und ich sind nicht Teil dieses Plans.

Offensichtlich hat ESG sowohl rote als auch grüne, linksgerichtete politische und ideologische Präferenzen, die die Wirtschaft mit den politischen Entscheidungsträgern der Regierung vermählen, und nicht nur die Interessen von Unternehmen und Aktionären. Das ist aber, wenn man genauer hinsieht, schon ein Schritt in Richtung Faschismus.

Die Lüge des Woke-Kapitalismus

Auf internationaler Ebene identifiziert und bewertet der ESG alle diejenigen Unternehmen und Investoren, die entweder mit Ländern Geschäfte machen, die als politisch inkorrekt gelten, denen ESG-Werte fehlen, oder beides. Eine negative ESG-Bewertung kann auch zu negativer Berichterstattung, Desinvestitionen oder Boykotten durch Wall-Street-Investoren und Großanleger führen.

Laut Petillon stehen der ESG und der Woke-Kapitalismus in direktem Zusammenhang mit dem Kapitalismus der freien Marktwirtschaft und sind ein Aspekt davon. Tatsächlich wurde die Verwendung von ESG-Faktoren als Leistungsmerkmal in der Finanzanalyse von Anfang an als Ergänzung zur treuhänderischen Verantwortung eines Unternehmens gegenüber Investoren und Aktionären angesehen.

Aber sind Petillons Behauptungen wahr? Und sind ESG-Kriterien wirklich Teil der treuhänderischen Verantwortung, die ein öffentliches Unternehmen gegenüber seinen Aktionären zu tragen hat? In einigen Fällen schon. Einige Anleger möchten beispielsweise nicht in Unternehmen investieren, die Alkohol, Tabak oder Schusswaffen herstellen. Es steht diesen Anlegern frei, nicht in diese Unternehmen zu investieren.

Einem Unternehmen, das eigentlich nur seinen Aktionären gegenüber verantwortlich ist, linksgerichtete Kriterien aufzuerlegen, klingt nicht nach freiem Marktkapitalismus. Stattdessen handelt es sich um ein von nicht-gewählten Personen angeordnetes Verhalten. Natürlich gibt es Gesetze, an die sich alle Unternehmen halten müssen, aber diese variieren je nach Bundesstaat  und föderaler Gerichtsbarkeit. ESG ist von beidem getrennt – oder war es zumindest einmal.

Aber für die Linken ist ESG oder „woke capitalism“ auch tugendhafter Kapitalismus, weil sie glauben, dass Unternehmen sich so verhalten, investieren und produzieren sollten, wie es die Woke Community für richtig hält. Diejenigen Unternehmen, die sich nicht daran halten, müssen bestraft und, wenn möglich, aus dem Geschäftsleben verdrängt werden. Je weiter der ESG-Trend und dessen politischer Einfluss voranschreiten, desto mehr Kontrolle – sowohl verhaltensbezogen als auch politisch – wird über alle Unternehmen, ob öffentlich oder privat, ausgeübt. Das ist das Endziel des Woke-Kapitalismus.

Orwellsche Wortspiele sind der Weg der Linken

Sehen Sie, was es mit dem Wortspiel auf sich hat?

Der Ansatz besteht darin, das Wort „Kapitalismus“ hinzuzufügen, um der „Woke“-Agenda mehr Gewicht zu verleihen, aber das ist nicht einmal im Entferntesten wahr.

Der freie Markt, so Petillon, verlangt, dass öffentliche und sogar private Unternehmen die ESG-Anforderungen einhalten. Er behauptet weiter, dass es gegen den freien Markt ist, wenn man gegen die Auferlegung von ESG-Standards für Unternehmen ist.

Es gibt nur ein großes Problem mit dem Argument des freien Marktes für ESG. Sie stammen nicht vom freien Markt. Es ist ein Produkt der Initiative des Umweltprogramms der Vereinten Nationen im Freshfields-Report vom Oktober 2005.

Das Raffinierte daran ist, dass, sobald die ESG als ein tugendhaftes Ziel etabliert sind, es nur noch darum geht, die Unterstützung für ihre Verwirklichung zu gewinnen. Diese Unterstützung umfasst Politiker, Medien, akademische Einrichtungen und globalistische Finanzorganisationen in einem koordinierten Vorstoß, um ESG zu einem Teil des Verhaltens von Unternehmen zu machen und jene Unternehmen öffentlich zu beschämen, die sich nicht daran halten.

Man nutzt die Mainstream-Medien, führende linksgerichtete Universitäten und andere offenkundig linke gesellschaftliche Verbündete und treibt die „woke“-Agenda voran, als wäre sie ein basisdemokratisches Phänomen des freien Marktes.

Kurz gesagt, die ESG-Investitionsagenda ist ein Versuch der UNO und des WEF, beides supranationale Organisationen, privaten und öffentlichen Unternehmen willkürlich ihren Willen aufzuerlegen. Das Ziel besteht darin, sie zu zwingen, ihre eigenen „aufgeweckten“ Standards und nicht die Gesetze einzuhalten, um zu bestimmen, wie sie arbeiten sollen, welche Politik sie verfolgen sollen, mit wem sie Geschäfte machen sollen und welche politische und soziale Agenda sie innerhalb ihrer Organisation fördern sollen, ja sogar, wen sie in ihre Vorstände aufnehmen können.

Diese toxische Sichtweise beherrscht den Großteil der linken Denkweise, die von Unternehmen politischen Gehorsam für Zwecke verlangt, die nichts mit dem freien Markt zu tun haben.

Vom Gesellschafter-Kapitalismus zum Interessengruppen-Kapitalismus

Allerdings ist der Woke Kapitalismus nicht wirklich die freie Marktwirtschaft oder gar der echte Kapitalismus. Petillon und der Rest der „Woke und Great Reset“ Verfechter wissen das, sie wollen es nur nicht zugeben. Letztendlich geht es jedoch darum, die Einhaltung dieser willkürlichen Standards zu fordern.

Tesla-CEO Elon Musk schrieb auf Twitter: „ESG ist ein Betrug. Es wird von falschen Kriegern  für soziale Gerechtigkeit als Waffe verwendet“.

Da hat Musk nicht unrecht.

Die ESG-Kriterien sind in der Tat eine Waffe, die eingesetzt wird, um die Freiheit der Amerikaner, die traditionelle kapitalistische Wirtschaft der USA und ihre Millionen großen und kleinen Unternehmen anzugreifen. Die ESG-Kriterien müssen abgeschaft werden, bevor sie uns abschaffen.

Über den Autor:

James R. Gorrie ist der Autor von „The China Crisis“ (Wiley, 2013), und schreibt in seinem Blog TheBananaRepublican.com. Er lebt in Südkalifornien.

Artikel im Slate Magazin von Andrew Petillon:

The Republican War on “Woke Capitalism” Is Really Just a War on Capitalism

 

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „The Big Lie of Woke Capitalism“ (deutsche Bearbeitung von amd)

Dieser Artikel erschien zuerst in der Epoch Times Wochenzeitung, Ausgabe Nr. 55, vom 30. Juli 2022.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.


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