US-Ökonom: „Solange die Leute eine Inflation erwarten, wird man sie nie los“

„Solange die Leute eine Inflation erwarten, wird man die Inflation nie los“, erklärt der US-Ökonom und Professor für Wirtschaftswissenschaften, Ross McKitrick. Der Experte erwartet, dass die Wirtschaft noch prekärer werde. Man befinde sich gerade erst in Phase 2 der Inflation.
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Ein Supermarkt in New York City. Symbolbild.Foto: Spencer Platt/Getty Images
Epoch Times26. Juni 2022

Im Januar 2021 lag die Inflation in den USA noch bei 1,4 Prozent. Seit Februar 2021 klettert die Inflation nach oben, zunächst langsam, dann immer schneller. Bis auf 7 Prozent im Dezember 2021 und weiter auf 7,5 Prozent im Januar 2022. Das war der schlechteste Wert seit 1981 – doch noch immer nicht das Ende. Nach einer kurzen Erholungsphase im Frühjahr erreichte der Wert im Mai 2022 schließlich 8,6 Prozent.

Wenn es nach den US-Republikanern geht, ist ein Schuldiger bereits ausgemacht: „Unter Joe Biden kostet alles mehr, die Regale sind leer, und kleine Unternehmen müssen schließen oder finden keine Mitarbeiter“, erklärte Ronna McDaniel, die Vorsitzende der Republikanischen Partei und meinte: „Die Amerikaner zahlen den Preis für Bidens Versagen, und Biden ist es egal.“ Während Inflation und Lebensmittelpreise stiegen, sanken der Verbraucherindex und ebenso die Umfragewerte des US-Präsidenten rapide.

Doch wie geht es weiter in den USA? Ein Ökonom gibt keine Hoffnung und kündigt weitere Phasen der Inflation an.

US-Ökonom: Wir sind erst in Stufe 2

In seiner Rede auf dem St. Petersburger Wirtschaftsforum Mitte Juni erklärte der russische Präsident Wladimir Putin, dass die derzeit hohen Energiepreise ein Ergebnis der „gescheiterten Energiepolitik“ Europas und schon im dritten Quartal 2021 beobachtet worden seien, „lange vor dem Beginn unseres Einsatzes im Donbass“. Auch die Ursache für die derzeitigen Preissteigerungen benannte Putin als „systematische Fehler in der Wirtschaftspolitik der derzeitigen US-Regierung und der europäischen Bürokratie“.

In einem Beitrag der US-Epoch Times geht es um die Einschätzung der Situation in den USA durch den Ökonomen Ross McKitrick. Der Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of Guelph in Ontario warnt im Interview vor weiteren Phasen der steigenden Inflation. Die Wirtschaft werde noch prekärer, so McKitrick. Basierend auf historischen Präzedenzfällen sieht er die USA derzeit in Phase zwei, wobei die Stufen drei und vier noch bevorstünden.

„Geldillusion“ und Erwachen

Der Beginn der ersten Inflationsphase wird durch das Einfließen von neu gedrucktem Geld in die Wirtschaft eingeläutet. McKitrick: „In diesem ersten Stadium hat man die Geldillusion.“ Das bedeute, dass man denke, dass man mehr Geld habe, als man tatsächlich habe. Das führe dazu, dass die Menschen mehr ausgeben, was einen kurzen wirtschaftlichen Aufschwung auslöse.

Mittlerweile würden die Leute aber bereits erkennen, dass die Preissteigerungen beispielsweise bei Benzin und Diesel keine kurzfristigen seien. Dann fange man an, seine Ausgaben zu kürzen. Laut McKitrick sei dies die Phase, in der man sich gerade befinde.

Wenn die „Lohn-Preis-Spirale“ sich dreht

„Die nächste Phase in diesem inflationären Prozess findet statt, wenn sich die Arbeitsmärkte anzupassen beginnen“, sagte McKitrick und: „Im Moment haben Sie also viele Arbeiter, die effektiv eine 10-prozentige Gehaltskürzung hinnehmen müssen.“ Infolgedessen werden die Arbeiter zu ihren Chefs gehen und mehr Lohn fordern, wogegen sich die Arbeitgeber wehren würden, weil alle ihre Inputkosten gestiegen seien, prognostiziert der Wirtschaftsprofessor. „Streikaktionen und sehr harte Verhandlungen“ seien zu erwarten.

„Wenn diese Art von Lohnabrechnungsprozess auf die Inflationsrate kalibriert wird, dann wird das zu einem neuen Treiber von Preissteigerungen“, der als „Lohn-Preis-Spirale“ bezeichnet werde, sagte der Wirtschaftsexperte und verweist auf Ähnlichkeiten zur Inflation in den 1970er-Jahren.

Phase vier: „Wer kapituliert?“

Offenbar hat die Inflation auch eine große psychologische Komponente, wie Ross McKitrick erklärte: „Solange die Leute eine Inflation erwarten, wird man die Inflation nie los.“ Wenn die Arbeiter es schafften, eine Gehaltserhöhung zu erreichen, um mit der Inflation Schritt zu halten, müssten diese Lohnkosten in den Preis des Endprodukts einfließen.

Schließlich folge Stufe vier, wenn zwischen Unternehmen und Gewerkschaft das Kriegsbeil schließlich begraben werde: „Bei diesem ganzen Prozess geht es darum, wer kapituliert“, sagte McKitrick. (sm)



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