Eine Stasi-Akte als Ansichtsexemplar in der Stasi-Unterlagenbehörde.Foto: Epoch Times / Erik Rusch

Andrang ungebrochen: Fast 30.000 Anträge auf Einsicht in Stasi-Akten

Von 25. Januar 2023
Ob private Einsichten, Überprüfungen von Mitarbeitern im öffentlichen Dienst sowie Rentenangelegenheiten, die Stasi-Akten sind auch nach fast 33 Jahren Wiedervereinigung gefragt.

Obwohl die Stasi-Unterlagenbehörde 2021 offiziell aufgelöst und ihre Bestände sowie die Mitarbeiter ins Bundesarchiv überführt wurden, hält das Interesse an den Stasi-Akten unverändert an. Das ergibt sich aus den jüngsten Jahreszahlen, über die das „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ berichtet. Demnach gingen 2022 insgesamt 29.064 Bürgeranträge auf Akteneinsicht ein.

Damit blieb die Zahl nahezu unverändert gegenüber 2021 mit 30.603 Anträgen. 7.500 Mal wurden im vorigen Jahr Akten für Sicherheitsüberprüfungen, Überprüfungen von Mitarbeitern im öffentlichen Dienst sowie Rentenangelegenheiten herangezogen. In 2.242 Fällen ging es um Anträge auf Rehabilitation ehemals politisch Verfolgter und Wiedergutmachung.

Zu dem hohen Aufkommen trugen auch die Außenstellen der ehemaligen Stasi-Unterlagenbehörde wesentlich bei, allen voran Dresden, Erfurt und Leipzig mit jeweils deutlich mehr als 2.000 Bürgeranträgen.

Die SED-Opferbeauftragte des Bundestages, Evelyn Zupke, sagte dem RND: „Das große Interesse an der Akteneinsicht zeigt eindrucksvoll, dass dieser Teil unserer Geschichte bis in die Gegenwart hineinwirkt. Viele Menschen setzen sich erst jetzt im höheren Lebensalter mit ihrer eigenen Biografie näher auseinander – oft bei Renteneintritt oder weil Kinder und Enkel danach fragen.“

Auch die Anfragen zur Rehabilitierung seien weiterhin auf einem hohen Niveau, so die Opferbeauftragte. „Für die politischen Häftlinge sind die Stasi-Akten häufig Zeugen des begangenen Unrechts.“ In den Verfahren zur Rehabilitierung lieferten die Akten meist die wichtigsten Belege für das, was geschehen ist, sagte Zupke.

Die Täter schweigen. Aber die Akten sprechen.“

Rund 7,5 Millionen Anträge seit 1990

Seit Ende 1990, dem Beginn der Arbeit des Stasi-Unterlagen-Archivs, sind bisher 7.438.829 (Stand: 31.12.2022) Ersuche und Anträge eingegangen. Darunter sind 3.409.276 Anträge von Bürgern. Im Archiv stehen über 111 Kilometer Schriftgut für die Recherche zur Verfügung.

„Davon sind 51 Kilometer bereits von der Stasi archiviert worden und sind personenbezogen zugänglich“, berichtet die Stasi-Unterlagenbehörde. Weitere 60 Kilometer habe man 1990 unsortiert in den Büros der Stasi gefunden. „Sie sind seither zu derzeit 94 Prozent erschlossen.“ Beim Stasi-Unterlagen-Archiv arbeiten 1.242 (Stand: 1. Januar 2022) Beschäftige an 15 Standorten.

Von den 111 Kilometer Stasi-Akten sind circa 44 Kilometer Material aus dem Ministeriumsstandort Berlin und circa 68 Kilometer Material aus den Bezirksverwaltungen (BV) der Staatssicherheit überliefert.

Von den bislang rund 3,4 Millionen eingegangenen Bürgeranträgen sind zum Stand 31. Dezember 2022 circa 25.000 Anträge unerledigt. Prioritär zu bearbeitende Anträge sowie Anträge, bei denen keine oder nur Karteikartenerfassungen festgestellt werden, sind in der Regel innerhalb von drei bis neun Monaten erledigt. Dies umfassen etwa 57 Prozent aller Erst- und Wiederholungsanträge, berichtet das Bundesarchiv.

189.000 inoffizielle Stasi-Mitarbeiter in der DDR

Viele der Informationen wurden von inoffiziellen Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit gesammelt, die eine Schattenarmee darstellte. Die Anzahl der vom MfS geführten inoffiziellen Mitarbeiter umfasste im Jahre 1989 laut Stasi-Unterlagenbehörde ungefähr 189.000 Mitarbeiter. Dabei führten die Abwehrdiensteinheiten des Ministeriums rund 173.000 Mitarbeiter, die Aufklärungsdiensteinheit Hauptverwaltung A rund 13.400 Mitarbeiter in der DDR. Weitere 1.550 Mitarbeiter arbeiteten in der Bundesrepublik Deutschland.

Bei den damals rund 16,4 Millionen DDR-Einwohnern im Jahre 1989 kam somit auf 89 DDR-Bürger ein Stasi-Spion. Insgesamt gehörten der Stasi von 1950 bis 1989 rund 620.000 Inlandsspione an.

Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) bildete einen Grundpfeiler der SED-Diktatur. Dabei diente die Stasi der Machtsicherung für die SED. Die Struktur der Stasi war den meisten Mitarbeitern der Staatssicherheit unbekannt. Um der inneren Konspiration willen galt der Grundsatz, jedem MfS-Mitarbeiter – 1989 waren es rund 91.000  – nur die Information zu geben, die er zur Erledigung seiner Aufgaben unmittelbar benötigte.

(Mit Material von dts)



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