Die Wirkung der Stasi in Westdeutschland

Von 16. September 2018 Aktualisiert: 17. September 2018 15:33
Wie agierte die Stasi der DDR in Westdeutschland? Mit einem Blick auf linksterroristische Gruppen wie die RAF und die "Rote Zora", die ca. 30.000 westdeutschen Informellen Mitarbeiter und die Tricks zur Gründung der Grünen aus der Studentenbewegung der 68er heraus.

Noch heute glauben nur 29 Prozent der Menschen in den neuen Bundesländern den Medien und nur 33 Prozent der Bundesregierung. Selbst den Gerichten vertrauen im Osten nur 50 Prozent der Menschen. Wie kam es dazu? Mit dieser zweiteiligen Serie nähern wir uns diesem aktuellen Problem an. Im ersten Teil der Artikelserie mit dem Titel „Die Partei, die Partei, die hat immer Recht – Ein Einblick in die Methoden der Stasi“ ging es um die Wirkung der Stasi in der DDR. In diesem zweiten Teil dreht es sich um (einige, bereits bekannte) Wirkungen des „Ministeriums für Staatssicherheit“ in Westdeutschland, der ehemaligen BRD.

200 ständig agierende Diensteinheiten der Stasi – mit eigenen Netzwerken

Die Arbeit in Westdeutschland und Westberlin gehörte von Anfang an zum Hauptarbeitsgebiet der Stasi, erklärt Hubertus Knabe im Text „Westarbeit der Stasi“ (S. 142 ff). Hubertus Knabe untersuchte im Auftrag des Deutschen Bundestages die Westarbeit der Stasi und ist seit 2001 wissenschaftlicher Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im ehemaligen Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit.

Etwa 200 verschiedene Diensteinheiten der Stasi agierten ständig in der Bundesrepublik, diese führten eigene Netzwerke von Mitarbeitern. Es ging keineswegs nur um Informationsbeschaffung, die Aufgabe bestand darin, den politischen Kampf der Sozialistischen Einheitspart Deutschlands, der SED der DDR, gegen den „Klassenfeind“ zu führen.

In der Literatur wird bislang eine Zahl von 20.000 bis 30.000 Westdeutschen genannt, die für das MfS als Inoffizielle Mitarbeiter tätig waren.

Offiziere im besonderen Dienst

Neben den Inoffiziellen Mitarbeitern und den Gesellschaftlichen Mitarbeitern (GMS) für Sicherheit gab es noch eine weitere Art verdeckte Mitarbeiter, die Offiziere im besonderen Einsatz, abgekürzt OibE. Sie wurden in Schlüsselpositionen des Staatsapparates, der Wirtschaft, der Universitäten, der Kirche und anderer gesellschaftlicher Bereiche eingeschleust, ohne dass sie dort als Angestellte des MfS in Erscheinung traten. Sie mussten absolut loyal sein und erhielten eine passende neue Identität.

Im Jahr 1990 wurden insgesamt 3.030 OibE ermittelt. Hier eine alphabetische Liste von OibE: Liste-OIBE-Buchstaben-A-O zum weiterforschen. Die Buchstaben P-Z hat die Redaktion nur hier gefunden (Erklärungen zur Legende: Ackermann, Frank … DE bedeutet Diensteinheiten-Schlüssel 96 15 00 = Zentralbereich Hauptverwaltung A – Auswärtige Aufklärung, Die 9 als Anfang des DE besagt IMMER tätig direkt im Ministerium für Staatssicherheit Berlin. Die Zahl 4288/81 bedeutet die Registriernummer/Jahr des Eintritts des OibE. 1092 bezieht sich auf die alte DDR-Postleitzahl.)

Gesellschaftliche Mitarbeiter (GMS) wurden im Januar 1968 mit der Richtlinie 1/68 eingeführt und im „Wörterbuch der Staatssicherheit“ von 1985 wie folgt definiert: „Bürger der DDR mit einer auch in der Öffentlichkeit bekannten staatsbewussten Einstellung und Haltung, der sich für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem MfS bereiterklärt und entsprechend seinen Möglichkeiten und Voraussetzungen an der Lösung unterschiedlicher politisch-operativer Aufgaben mitarbeitet. GMS stellen eine wertvolle Ergänzung der operativen Basis, ein Reservoir für die Gewinnung von IM sowie für die Schaffung und Entwicklung von Kadern für das MfS dar.“ (Quelle). Bis 1980 waren GMS-Vorgänge nicht registrierpflichtig.

Eingriffe in die Politik – bis hoch zum Bundeskanzler Willy Brandt

Vor allem in den 1950er Jahren schreckte man auch nicht vor „speziellen Maßnahmen“, Anschlägen und Entführungen zurück. Anfang der 60er Jahre rückte die verdeckte Arbeit in den Vordergrund, z.B. durch Kompromittierung von Politikern oder extensive Wirtschaftsspionage. Ein Jahrzehnt später fürchtete sich die DDR-Staatsführung vor „raffinierter vorgehenden Feinden“ und verstärkte ihre Anstrengungen. Die Stasi plante von Anfang an, im Westen und in Westberlin dutzende Kreisdienststellen zu errichten – sogar die Personalplanung war für diese teilweise schon beschlossen.

Die Staatssicherheit der DDR griff indirekt und direkt in die Politik der Bundesrepublik ein und drang bis in die Nervenzentren vor. Ein Beispiel: Im April 1972 wurde der Sturz von Willy Brand, dem damaligen Bundeskanzler, durch ein Misstrauensvotum verhindert, indem 50.000 DM an den CDU-Abgeordneten Julius Steiner gezahlt wurden – das Geld stammt aus der Kasse der Hauptverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Zwei Jahre später wurde Brandt tatsächlich gestürzt, als sich sein Mitarbeiter im Kanzleramt, Günther Guillaume, als Stasi-Mitarbeiter entpuppte.

Das Informantennetz der Sowjets und Kommunisten im Westen ging Ende 1951 an den neu gebildeten Außenpolitischen Nachrichtendienst der DDR über – u.a. gehörten der damalige Hauptgeschäftsführer der FDP in Bonn, Lothar Weihrauch, und auch der zweite Vorsitzende der SPD in Berlin, Josef Braun, dazu. Später baute Markus Wolf als Chef der Hauptaufklärung der Stasi in Westberlin und im Westen seinen eigenen Informantenapparat auf.

Nach dem Aufstand von 1953 wurde die Arbeit auf Geheiß der Sowjets weiter verstärkt. Systematisch wurden Mitarbeiter gewonnen, Agenten eingeschleust – wie den späteren Kanzlerreferenten Günter Guillaume oder Wilhelm Gronau, der seinerzeit persönlicher Referent des DGB-Vorsitzenden Willi Richter wurde und später in zahlreichen gesamtdeutschen Gremien tätig war.

Aktionen gegen Politiker wurden zentral gesteuert – gemeinsam mit dem KGB

Die Aktionen gegen Politiker in Westdeutschland wurden unmittelbar vom Zentralkomitee der SED gesteuert. 1959 unterstützte das MfS den Wahlkampf der SPD bei den Wahlen zum West-Berliner Abgeordnetenhaus mit der Aktion „Klarheit“. Darin sollten kompromittierende Materialien zu den wichtigsten Wahlkandidaten beschafft werden: „Lemmer, Amrehn, Brandt, Lipschitz, Ohning, Schwedler, Heynitz, Schwennicke u. a.”.

Parallel wurden 39 Maßnahmen gestartet, um in Westberlin der SED-genehme Politiker an die Macht zu bringen. Eine darunter war die Gewinnung bürgerlicher Vertreter, damit diese öffentlich dazu aufriefen, „aufgrund der unsicheren politischen Lage in Westberlin […] der SED ihre Stimme zu geben”.

Fast alle führenden CDU-Politiker wurden mit dem Vorwurf einer Nazivergangenheit überzogen. Beispielsweise wurde 1964 Heinrich Lübke einen Tag vor seiner Wiederwahl zum Bundespräsidenten öffentlich als „Baumeister faschistischer Konzentrationslager” angeprangert – die „Beweise” für die Kampagne lieferte das MfS. [S. 142, Westarbeit des MfS, Hubertus Knabe dito].

Es floß auch sonst viel Geld – Freikauf politischer Häftlinge durch die BRD

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Die Stasi kooperierte bei derartigen Maßnahmen eng mit dem KGB, dem sowjetischen Geheimdienst. So ist von 1967 eine gemeinsame Jahresplanung beider Geheimdienste überliefert, um ein gutes Dutzend Aktionen zur Kompromittierung führender Regierungsvertreter, Persönlichkeiten und Organisation und „einzelner rechter SP[D]-Führer“ durchzuführen.

So war z.B. die Aktion „Taifun“ dazu vorgesehen, um Kanzler Kiesinger mit seiner geplanten Reise nach Indien zu diskreditieren. Eine andere war die Aktion, SPD-Politiker Wehner aus Anlass des 50. Jahrestages der Oktoberrevolution in Misskredit zu bringen.

Die Bundesrepublik Deutschland kaufte zwischen 1963 und 1989 allein 33.755 politische Häftlinge der Stasi aus der DDR frei, darunter auch prominente Schriftsteller und Künstler. Für jeden Häftling verlangte die DDR zuletzt 95.847 DM.

Nach 1963 war die BRD nicht mehr bereit, direkt mit harten Devisen zu bezahlen und man einigte sich auf einen Warenwert. Die BRD zahlte bis Ende 1989 mit Waren in Höhe von 3,5 Milliarden DM. (Quelle: Karsten Dümmel, „Stasi und Freikauf“, S. 39)

Systematische Arbeit der Stasi mit progressiven Gruppen der BRD

Die Stasi durchsetzte neben der Politikerarbeit systematisch progressive Gruppierungen im Westen. Anfang der 80er Jahre wollte das MfS beispielsweise vor allem den Anti-Raketen-Protesten im Westen zum Erfolg verhelfen.

Ein Zitat von Hubertus Knabe:

„Der Führungsspitze des MfS gab Erich Mielke wenige Monate vor dem Stationierungsbeschluss des Deutschen Bundestages folgende Orientierung: ‚Notwendig: Stärkere Unterstützung der Bewegung gegen Stationierung in westlichen Ländern, besonders BRD, durch geeignete, wirksame aktive Maßnahmen, unter Nutzung [der] Mittel und Möglichkeiten des MfS.‘ Aufgabe sei es, jene Kräfte in der SPD und FDP zu unterstützen, ‚die realistisch denken‘ und jetzt für die Aufhebung des Raketenbeschlusses einträten. ‚Voraussetzung für effektive Maßnahmen: Noch bessere Analyse, auf welche Kräfte man sich stützen kann (Funktionäre, Landesverbände, Parteibasis).‘“

Erich Mielke (Minister für Staatssicherheit von 1957 bis 1989) erteilte auch den Auftrag, gegen DDR-kritische Personen und Einrichtungen in der Bundesrepublik vorzugehen. An die 150 Gruppen wurden observiert und behindert.

Beispielsweise wurde die „Internationale Gesellschaft für Menschenrechte” (IGFM) in Frankfurt am Main vom MfS systematisch als rechtsextrem und faschistisch bezeichnet – wie 61 Bände mit „Zentralen Operativvorgängen” durch das MfS belegen.

Feste Verbindungen zu Funktionären der SPD und vielen anderen

Die SED unterhielt feste Verbindungen zu Funktionären der SPD, den Gewerkschaften und vielen weiteren Organisationen in Westdeutschland. Eine wichtige Rolle spielte die verdeckte Unterstützung von Parteien, Medien und Personen, die nicht offen kommunistisch auftraten, aber für die DDR sprachen.

Weiterhin wurden westdeutsche Studenten unterstützt, die Gewerkschaften, die Friedensbewegung und Kampagnen gegen führende Bonner Politiker durchgeführt – wie u.a. gegen Hans Globke, Heinrich Lübke, Eugen Gerstenmaier und Herbert Wehner.

Maoismus, der Verfassungsschutz und die links-terroristische RAF in Westdeutschland

Anfang der 60er Jahre begann die Chinesische Kommunistische Partei, den Maoismus als neuen Weg zu propagieren. Unzählige Schriften Maos wurden auf deutsch übersetzt und nach Deutschland geschickt. Während in den 50er und 60er Jahren pro Jahr an der BRD-Grenze 17 Millionen „staatsgefährdende“ Broschüren der DDR abgefangen wurden, wurde der Import von Mao-Bibeln und Chinas Propagandaschriften jedoch nicht unterbunden.

Ursache dafür war der Einsatz des Verfassungsschutzes: Der damalige Leiter des Verfassungsschutzes, Günther Nollau, fand, der Maoismus sei ein geeignetes Werkzeug, um die Kommunistischen Partei Deutschlands zu unterwandern, die Kommunistische Bewegung zu spalten und die Partei zu verbieten (Quelle: Mascha Jacoby, Post aus Peking – wie der Verfassungsschutz den Maoismus nach Deutschland brachte, um die Linke zu spalten).

Das Bundesverfassungsgericht verbot letztendlich am 17. August 1956 die KPD, die Mehrheit der Westdeutschen begrüßte die Entscheidungen, auch von linker Seite blieben Proteste aus (ZEIT Geschichte Nr. 3/2015, 25. August 2015, abgerufen am 5.9.2018). Doch damit gaben die Kommunisten in der BRD noch lange nicht auf, sie wechselten lediglich die Methoden.

Es bildeten sich in den 1960en und den darauffolgenden Jahren aus der Studentenbewegung heraus hunderte kleine kommunistisch inspirierte Gruppen, ihr Arbeitssprektrum reichte von Gewerkschaften, Hochschulbewegungen, Alternativbewegungen, Frauen(rechte), Sozialforschung, Medien, Umwelt- und Friedensaktionen bis hin zum gewaltsamen Terror der RAF.

Das Material dazu ist umfangreich, empfehlenswert für weitere Forschungen ist als Ausgangspunkt das „MAO-Projekt – Materialien zur Analyse von Opposition (MAO)“: Link. Dort sind viele Verbindungen zur Stasi findbar, darunter dieser: In der „Roten Fahne“ vom 18.02.1976 ist auf Seite 10 ein Beispiel der SSD, Agentenwerbung der Stasi in der BRD abgedruckt. Darin steht: „Die DKP war völlig von der SED abhängig“.

Die maoistischen Schriften zeigten ihre Wirkung: Die linksterroristische RAF

Die linksterroristische RAF war verantwortlich für 33 Morde an Führungskräften aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung und ihren Begleitern, an Geiselnahmen, Entführungen, Banküberfällen und Sprengstoffattentaten mit über 200 Verletzten. Sie wurde 1970 von Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler, Ulrike Meinhof und weiteren gegründet, 1993 beging sie ihren letzten Anschlag, 1998 erklärte sie ihre Selbstauflösung.

Im April 1971 schrieb die RAF in ihrem Positionspapier „Das Konzept Stadtguerilla“ immer wieder unter Berufung auf Mao:

Wir behaupten, dass die Organisierung von bewaffneten Widerstandsgruppen zu diesem Zeitpunkt in der Bundesrepublik und Westberlin richtig ist, möglich ist, gerechtfertigt ist. Dass es richtig, möglich und gerechtfertigt ist, hier und jetzt Stadtguerilla zu machen. Dass der bewaffnete Kampf als ‚die höchste Form des Marxismus-Leninismus‘ (Mao) jetzt begonnen werden kann und muss, dass es ohne das keinen antiimperialistischen Kampf in den Metropolen gibt.“

Die RAF sei die sofortige revolutionäre Intervention, als Beitrag zur kommunistischen Weltrevolution. Wörtlich heißt es:

Die Pflicht eines Revolutionärs ist, immer zu kämpfen, trotzdem zu kämpfen, bis zum Tod zu kämpfen (…) Von bewaffneter Propaganda werden wir nicht reden, sondern wir werden sie machen.“

Die RAF sah sich als Vorreiter einer internationalen kommunistischen Bewegung. Es heißt:

… weil wir Kommunisten sind und es davon, ob die Kommunisten sich organisieren und kämpfen, abhängt, ob Terror und Repression nur Angst und Resignation bewirken oder Widerstand und Klassenhaß und Solidarität provozieren, ob das hier alles so glatt im Sinn des Imperialismus über die Bühne geht oder nicht.“

Quelle: Ulrike Meinhof: Das Konzept Stadtguerilla. 1970. (In: Christiane Schneider (Hrsg.): Ausgewählte Dokumente der Zeitgeschichte: Bundesrepublik Deutschland (BRD) – Rote Armee Fraktion (RAF), Köln 1987)

1970 wurden über 15 Mitglieder der RAF in einem Camp der palästinensischen Fatah in Jordanien im Umgang mit Waffen, Sprengstoffherstellung und Kampftaktik ausgebildet – doch das war nicht einzige Ausbildung.

Stasi half ganz konkret zumindest zehn RAF-Mitgliedern

Mit Hilfe des Ministerium für Staatssicherheit, der Stasi der DDR, tauchten zehn Mitglieder der RAF in der DDR unter: 1980 reisten Ralf Friedrich, Sigrid Sternebeck, Susanne Albrecht, Monika Helbing, Silke Maier-Witt, Werner Lotze und zwei weitere Personen, sowie 1982 Inge Viett und Henning Beer in die DDR ein. Mit Hilfe der Stasi nahmen sie neue Identitäten an und lebten dort bis 1989. Nach allen wurde weltweit von Interpol gesucht.

Fakt ist, dass die RAF-Terroristen von der Stasi im Umgang mit moderner Waffentechnik und Sprengfallen geschult wurden (Quelle: www.berliner-kurier.de).

Tatsache ist auch, dass in Westdeutschland einige Mordanschläge mit dieser Technologie ausgeführt wurden:

  • 1979 Nato-Oberbefehlshaber Alexander Haig (Rohrbomben-Attentat auf sein Fahrzeug, er entkam),
  • 1985 Manager Ernst Zimmermann erschossen, Bombenattentat auf die Rhein-Main-Airbase (drei Todesopfer),
  • durch eine Sprengfalle starben 1986 der Siemens-Manager Karl Heinz Beckurts und sein Fahrer Eckhard Groppler sowie 1989 Alfred Herrhausen, Chef der Deutschen Bank.

Es wurden so gut wie keine Spuren hinterlassen, was typisch für Geheimagenten wäre.

Nach dem Fall der Berliner Mauer kamen die restlichen RAF-Terroristen im geeinten Deutschland hinter Gitter. Im Laufe der Zeit wurden 26 RAF-Mitglieder zu lebenslanger Haft verurteilt. Einige der Mitglieder sind immer noch nicht aufgespürt bzw. gelten als verschwunden.

Die RAF basiert auf der Studentenbewegung der 60er

Die RAF entwickelte sich aus der Studentenbewegung der 60er Jahre heraus und war einer ihrer militanter Teile. Dazu zählten auch die Bewegung 2. Juni (1972), die Revolutionären Zellen (1973) und die Rote Zora (spätestens 1977). (Quelle: rotaprint 25 (Hrsg.): agit 883. Bewegung Revolte Untergrund in Westberlin 1969–1972. Assoziation A, Hamburg/Berlin 2006, ISBN 3-935936-53-2)

Neben dem militanten Teil gab es unzählige Studentengruppen und neue soziale Bewegungen, sogenannte K-Gruppen und maoistische Aktivisten, die auf eine unmittelbare Revolution hofften. Diese setzten nicht auf den offenen Kampf und Terror, sondern auf den Bereich des „versteckten Kommunismus“ und der Zersetzung einer Gesellschaft von innen heraus. Meist basierten die Gruppen auf den Werken von Mao, Marx, Herbert Marcuse und der einflussreichen Neomarxistischen Frankfurter Schule um die Philosophen Theodor W. Adorno und Max Horkheimer.

1966 bildete sich die APO, die „Außerparlamentarische Opposition“. Sie entstand als Opposition zur ersten großen Koalition von CDU und SPD 1966. Diese wurde durch die Stasi systematisch durchsetzt.

Die k-Gruppen und einige heutigen Politiker

Keine der K-Gruppen konnte einen nennenswerten politischen Einfluss gewinnen – später brachten sie über die Umweltbewegung, die Friedensbewegung und die späteren Grünen ihre Themen ein.

Einige Politiker-Beispiele: Winfried Kretschmann, Ralf Fücks, Winfried Nachtwei, Krista Sager, Joscha Schmierer (Kommunistischer Bund Westdeutschland) oder Jürgen Trittin (Kommunistischer Bund). Antje Vollmer war Mitglied in der Liga gegen den Imperialismus. Vereinzelt fanden frühere K-Gruppen-Mitglieder aber auch zur SPD (Ulla Schmidt) oder – ab 1990 – zur PDS (Andrea Gysi).

In diesem Zusammenhang fällt auch der Name von Rudi Dutschke, Dutschke war ein deutscher marxistischer Soziologe, der als Wortführer der Studentenbewegung der 60er Jahre in Westberlin und Westdeutschland aktiv war. Er kämpfte für eine sozialistische Revolution in Westdeutschland, sein Konzept waren seit 1965 subversive und antiautoritäre Aktionen sowie illegale Regelverletzungen. Für Rudi Dutschke war das Vorgehen von Mao ein Modell, die Mao-Bibel wurde zu einem Kult-Buch der 68er Bewegung, die eine Kulturrevolution im Westen anzettelte. Er war einer der Hauptvertreter der „Neuen Linken“ in der Bundesrepublik.

Nachdem Benno Ohnesorg erschossen wurde und der Staat mit Härte auf die Proteste reagierte wollte Duschke die Zuspitzung der Lage nutzen, um eine erfolgreiche Revolution herbeizuführen. Seine Ziele 1968 waren u.a. (Quelle: Rudi Dutschke „Vom Antisemitismus zum Antikommunismus“ In: Uwe Bergmann et al: Rebellion der Studenten, Reinbek 1968, S. 84; Thomas Hecken: Avantgarde und Terrorismus. Rhetorik der Intensität und Programme der Revolte von den Futuristen bis zur RAF. Bielefeld 2015, S. 79ff.):

„Die Durchbrechung der Spielregeln der herrschenden kapitalistischen Ordnung führt nur dann zur manifesten Entlarvung des Systems als ‚Diktatur der Gewalt‘, wenn wir zentrale Nervenpunkte des Systems in mannigfaltiger Form (von gewaltlosen offenen Demonstrationen bis zu konspirativen Aktionsformen) angreifen (Parlament, Steuerämter, Gerichtsgebäude, Manipulationszentren wie Springer-Hochhaus oder Sender Freies Berlin, Amerika-Haus, Botschaften der unterdrückten Nationen, Armeezentren, Polizeistationen u. a. m.).“

Duschke war seit 1967 mehrere Jahre befreundet mit Ulrike Meinhof und wurde von Jutta Ditfurth bis 1968 als noch radikaler als diese beschrieben. (Siehe: Jutta Ditfurth: Rudi Dutschke und Ulrike Meinhof. 2018)

Staatlich subventionierte Parteigründung durch die 68er: Die Grünen

Jede der Gruppen war an und für sich zu klein, um bei einer Wahl Erfolg zu haben. Der „Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz“ schlug daher vor, an den nächsten Europa-Wahlen teilzunehmen, da dafür keine formelle Parteigründung notwendig war. 1979 bildet sich daraufhin die „Sonstige Politische Vereinigung (SPV)/Die Grünen“ mit einer eher bürgerlich-konservativen Ausrichtung, die Spitzenkandidaten waren Ex-CDU Mann Herbert Gruhl, Petra Kelly und der Künstler Joseph Beuys.

Die „SPV/Die Grünen“ gelangten nicht über die Fünf-Prozent-Hürde, kassierten aber anschließend 4,5 Millionen DM Wahlkampfkostenerstattung.

Das erste Parteivermögen war somit vorhanden, 1980 gründete sich daraufhin in Karlsruhe die Partei „Die Grünen“, 1983 zogen sie erstmals in den Bundestag ein. Eine Sachverständigenkommission urteilt später:

Ein in der Geschichte der Bundesrepublik einzigartiger Fall staatlich subventionierter Parteiengründung“.

Dirk Schneider vertrat von 1983 bis 1985 die Grünen im Bundestag und galt als „Ständige Vertretung der DDR“, wie Joschka Fischer sagte.

Er war einer der Informanten der Stasi, etwa 15 bis 20 Personen lieferten insgesamt aus der Grünen-Fraktion Informationen an die Stasi. Dazu zählten auch Doris und George Pumphrey sowie der Ex-RAF-Rechtsanwalt Klaus Croissant und die Journalistin und Europa-Abgeordnete Brigitte Heinrich.

Insgesamt lieferten rund 450 bis 500 Quellen bei den Grünen Informationen in den Osten.

„1983 wurden die Grünen ein relevanter Faktor, und das Ministerium für Staatssicherheit begann mit der systematischen Informationsbeschaffung“, erläutert Gieseke.

Viele Grüne stammten aus den kommunistischen K-Gruppen – und zu denen hatte die DDR-Führung schon lange Verbindungen.

Viele Grüne, darunter Petra Kelly und ihr Lebensgefährte, Ex-General Gert Bastian, nahmen auf ihren Reisen massenweise DDR-kritisches Informationsmaterial in den Osten mit. Die Stasi wollte dies unterbinden – doch interne Streitigkeiten mit der DDR-Staatsführung machten es nicht so einfach.

Fazit: Weitere Forschungen notwendig

Noch sind längst nicht alle Verbindungen der Stasi nach Westdeutschland erforscht – oder dürfen veröffentlicht werden. Doch allein das, was bereits bekannt ist, wirft ein passendes Licht auf die Machenschaften des Kommunismus im Westen und der Zersetzung der BRD. In diesem Punkt war das Ministerium für Staatssicherheit nur ein „Auftragnehmer“ der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) der DDR.

Der Kalte Krieg wurde zwar offiziell nach 1989, dem Fall der Berliner Mauer, für beendet erklärt. Doch realistisch betrachtet – diese Netzwerke und Strukturen sind wohl kaum schlagartig aufgelöst wurden, sondern wohl eher noch tiefer im Untergrund („Deepstate“) verschwunden. Weitere Forschungen scheinen sehr empfehlenswert.