Genderideologie und das dritte Geschlecht: Wissenschaftlich unhaltbar und doch erfolgreich

Die Erfolge der Genderideologie sind überwältigend. Wer hätte noch vor 20 Jahren gedacht, dass es eine Ideologie mit einer wissenschaftlich unhaltbaren Kernaussage zu mehr als 200 Lehrstühlen und Universitätsinstituten bringen könnte? Dieser Frage gehen Autoren von "Philosophia-Perennis" nach.
Titelbild
Ein neutrales Toilettensymbol.Foto: Sara D. Davis/Getty Images
Epoch Times1. Mai 2018

Eine Ideologie, die jeder Alltagserfahrung widerspricht, würde Medien und Politik erobern? Ein Glaubensgebilde, das Geschlechtsidentität als losgelöst von der biologischen Grundlage begreift und in der Folge als gesellschaftlich definiert und beliebig wechselbar ansieht, hat einen beispiellosen Siegeszug durch westliche Gesellschaften hinter sich.

Und die Pläne dieser Ideologie reichen noch weiter. Die komplette Dekonstruktion der Geschlechterrollen steht auf dem Programm. Quasi als eine Art Pendant zur Aufhebung der Klassen im längst auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgten Marxismus.

Warum scheinen die Genderkritiker zu unterliegen?

Keine der Kernaussagen der Gendertheorie wurde wissenschaftlich erfolgreich belegt. Und mit Ersatzreligionen haben westliche Kulturen doch mehr als genug Erfahrungen, um sie in die Schranken zu verweisen.

Und doch:

Genderkritik steht im öffentlichen Bild im Geruch einer skandalösen, ewig gestrigen Denkweise. Wer eine biologische Grundlage der Geschlechtsidentität als gegeben ansieht, sieht sich Kampagnen gegenüber. Wer gar Schlussfolgerungen aus dieser wissenschaftlich gut beweisbaren Tatsache zieht, lernt die brutal ausgeübte Macht derer kennen, die kein Interesse daran haben, dass  ihr Glaube durch Fakten Schaden erleidet.

Dass Genderkritiker häufig wissenschaftlich noch im letzten Jahrhundert feststecken mag dazu auch beitragen. Wer, wie Prof. Kutschera, die Erkenntnisse der Neurobiologie der letzten zwei Jahrzehnte ignoriert, weil sie nicht zu seiner monokausalen, ausschließlich genetisch bestimmten Definition von Geschlechtsidentität passen, bietet natürlich Angriffspunkte für pseudowissenschaftliche Genderideologen.

Ein drittes Geschlecht?

Noch schlimmer hat sich Birgit Kelle in eine selbst gestellte Falle manövriert.

Anläßlich des Urteils des BVerfG zum „Dritten Geschlecht“ ließ sie den Deutschlandfunk wissen, dass Intersexuelle ein drittes Geschlecht seien.

Wenn man es, der in unseren Kreisen weitgehend als transphob eingestuften, Birgit Kelle nicht so von Herzen gönnen würde, mit Ihrem Halbwissen mal so richtig einzubrechen – man hätte eher Grund zum Weinen als zum Lachen.

Ein drittes Geschlecht? Welche, nicht in den beiden Geschlechtern vorhandenen „Bauteile“ oder sonstigen Merkmale geschlechtlicher Identität kann Frau Kelle denn anführen?

Immerhin war sie konsequent. Wer Geschlechtsidentität als ausschließlich genetisch begründet ansieht, muss konsequenterweise bei Intersexualität unterschiedliche Geschlechter diagnostizieren. Selbst Schuld, wenn man die Gehirnforschung beim Thema Geschlechtsidentität ignoriert. Nur: Solche Genderkritiker sind ein Geschenk an Genderideologen.

Genderideologie kann nur mit Wissenschaft begegnet werden

Genderideologie kann nur mit Wissenschaft begegnet werden und zwar mit Wissenschaft ohne Scheuklappen und ohne Befindlichkeit. Bei vielen Genderkritikern liest man das Unwohlsein heraus, das Thema überhaupt zu denken. Angst, Unsicherheit in der eigenen Identität? Oder nur Angst davor, Dinge durchdenken zu müssen, die man selbst, genau wie die Genderideologen, lieber durch Glaubenssätze, als durch Wissenschaft beantworten lässt?

Die AfD fordert die Einstellung der Genderforschung. Aber warum gibt es, was folgerichtig wäre, keine Anträge die wissenschaftliche Erforschung der Geschlechtsidentität auszuweiten?

Prof. Kutschera ist Genderkritiker, Evolutionsbiologe, Genetiker. Er forderte bereits vor Jahren den Ausbau der Bioforschung in diesem Bereich und auch die Tatsache, dass er selbst vorhandene Forschung beharrlich ignoriert, macht diese Forderung nicht weniger richtig.

Prof. Kutschera reagiert auf den Artikel von PP

Zu dieser, wie er schreibt, „gelungenen Darstellung von PP“ möchte Prof. Kutschera  sich – als einer der im Beitrag Zitierten – wie folgt äußern:

1.Die Erfolge der sozialkonstruktivistischen  Gender- Dogmatik– von mir als “Frau-gleich-Mann-Ideologie“ bezeichnet–sind u.a. mit der bundesweit verbreiteten Ablehnung der Biologie als physikalisch-chemisch untermauerte Naturwissenschaft zu begründen, s. z.B. ein Editorial in Nature kurz vor der Weihnachtspause 2017.  Diese  als “ Biophobie“ zu bezeichnende Gutmenschen- Ungeisteshaltung kommt auch z.B. in der Zuwanderungsdebatte zum Ausdruck– wer auf die reale Gender- Ratio, d.h. den Männerüberschuss, hinweist, wie ich es getan habe, wird diffamiert.

2.Der Mythos von den angeblichen 200 Gender-Lehrstühlen sollte nicht immer wieder aufgetischt werden– ein Lst. ist eine C4- bzw. W3- Professur mit entsprechender Ausstattung, und glücklicherweise sind die Gender- Planstellen fast alle auf Mitarbeiter- bzw. W2- Niveau angesiedelt– selbstverständlich ist jede dieser  Uni- bzw- FH- Stellen zur Beforschung des Gender- Hokuspokus eine zu viel !

3.Der Vorwurf, ich hätte die Erkenntnisse der Neurobiologie bzw. Gehirnforschung der letzten zwei Jahrzehnte ignoriert ist falsch. In meinem Fachbuch “ Das Gender- Paradoxon, 2016″, werden u.a. die Unterschiede der männlichen und weiblichen Gehirnstruktur auf aktuellstem Niveau dargelegt. In der 2. Auflage (wird in wenigen Tagen ausgeliefert) habe ich auf Seite 235  darüberhinaus die embryonalen Differenzen-m-w- behandelt. Das primär weiblich angelegte Gehirn wird im XY-Embryo  unter der Wirkung des SRY-Gens, und danach von dem resultierenden Testosteron- Anstieg, vermännlicht–die Unterschiede sind somit genetisch verankert. Eine sachliche Auseinandersetzung mit diesen Fakten von Seiten der Gender- Ideologen ist mir nicht bekannt.

4.Frau Birgit Kelle ist keine Biologin und verbreitet daher leider oft Dinge, die sachlich daneben sind— Ihre Verdienste liegen aber in populären Büchern zur Absurdität der  Gender- Mythen, mit welchen sie viele Leser erreicht und wachrüttelt.

5.Fazit–Die mich kritisierenden Gender- Kritiker mögen bitte ein eigenes Fachbuch vorlegen, in welchem dann die von mir nur auschnittsweise dargelegten, letztendlich aber genetisch (XX-bzw. XY)- determinierten Unterschiede m-w-bzgl. der Gehirnfunktion behandelt sind–ich werde dieses Werk mit Interesse lesen und gerne bewerben.

Das wird aber die Gender-Lobby nicht interessieren–es geht hier um die Verbreitung einer radikalfeministischen politischen Ideologie , und diese ist, wie andere derartige Volks- Fantasien mit dem Ziel der Machtausübung, bekanntlich Fakten-resistent.

Literatur: Kutschera, U. (2018) Das Gender-Paradoxon .Mann und Frau als evolvierte Menschentypen. 2. , erweiterte Auflage. Lit-Verlag, Berlin

Die Beiträge erschienen zuerst bei Philosophia-Perennis.

Mehr dazu:

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