Merz als CDU-Vorsitzender wiedergewählt

Der CDU-Chef spart nicht mit Kritik an der Ampel; wird aber nicht persönlich. Der Kanzler kommt bei ihm gar nicht vor. Später stärken die Delegierten Merz den Rücken; ein Signal für die K-Frage?
Friedrich Merz wurde beim CDU-Bundesparteitag in Berlin erneut zum CDU-Bundesvorsitzenden gewählt.
Friedrich Merz wurde beim CDU-Bundesparteitag in Berlin erneut zum CDU-Bundesvorsitzenden gewählt.Foto: Michael Kappeler/dpa
Epoch Times6. Mai 2024

CDU-Chef Friedrich Merz hat seine Partei nach dem Desaster bei der Bundestagswahl 2021 auf eine rasche Rückkehr an die Macht eingeschworen und dafür große Rückendeckung erhalten. Bei seiner ersten Wiederwahl stimmten 873 von 981 Delegierten für den 68-Jährigen.

Es gab 9 Enthaltungen und 99 Nein-Stimmen. Laut CDU-Zählung, in der Enthaltungen nicht berücksichtigt werden, lag die Zustimmung bei 89,81 Prozent. Merz sagte, die CDU sei mit ihrem neuen Grundsatzprogramm „sofort und spätestens im Herbst nächsten Jahres bereit, wieder Regierungsverantwortung für Deutschland zu übernehmen“. Die CDU richtete für die wichtigen Wahlen in diesem Jahr eine scharfe Kampfansage an die AfD.

Merz sagte nach der Wahl, er bedanke sich „für das großartige Vertrauensvotum“. Die CDU werde die nächsten beiden Jahre, die harte Jahre würden, mit Rückenwind aus diesem Parteitag bestehen. Vor allem die Merz-Unterstützer unter den Delegierten dürften das Ergebnis als Rückenwind für den CDU-Vorsitzenden in der K-Frage werten. Neben Merz werden nach wie vor CSU-Chef Markus Söder und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur nachgesagt.

Bei seiner ersten Wahl im Januar 2022 hatte Merz bei einem wegen der Corona-Pandemie digital organisierten Parteitag laut CDU 94,62 Prozent bekommen. Er wurde damals erst im dritten Anlauf Parteichef, nachdem er zuvor gegen Annegret Kramp-Karrenbauer und später gegen Armin Laschet gescheitert war.

Söder gratulierte Merz zur Wiederwahl und schrieb auf der Plattform X (früher Twitter), CSU und CDU verbinde nicht nur der Begriff Schwesterpartei, sondern die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit. „Wir stehen fest zusammen und wollen gemeinsam #Deutschland weiterbringen. Auf weiterhin gute Zusammenarbeit.“

Beim Parteitag bekam Merz demonstrative Unterstützung führender CDU-Politiker. Wüst sagte: „Lasst uns gemeinsam Friedrich Merz den Rücken stärken. Lasst uns ein Signal der Geschlossenheit senden.“ Hessens Ministerpräsident Boris Rhein nannte es das persönliche Verdienst von Merz, die CDU aufgerichtet zu haben. Mit dem neuen Programm gebe es so viel „CDU pur“ wie selten. „Das ist ein Merz-Profil.“ Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sagte zu Merz: „Es ist kein Geheimnis, dass wir ja früher nicht immer auf einer Seite gestanden haben.“ Er sei aber ein hervorragender Partei- und Fraktionschef.

Merz verzichtet auf scharfe persönliche Attacken gegen Ampel-Politiker

Maximal vier Jahre Ampel seien genug, rief Merz in seiner Rede unter Beifall. „Jeder Tag früher, den dieses Schauspiel ein Ende findet, ist ein guter Tag für Deutschland.“ Der CDU-Vorsitzende vermied scharfe Attacken gegen Ampel-Politiker und nannte Kanzler Olaf Scholz (SPD) nicht einmal beim Namen. In seiner Redepassage zur Außen- und Sicherheitspolitik verzichtete er auch darauf, erneut die von Scholz abgelehnte Lieferung weitreichender deutscher Marschflugkörper vom Typ Taurus an Kiew zu verlangen.

Für den Fall einer Regierungsübernahme kündigte Merz eine radikale Wende weg von zentralen Ampel-Projekten etwa in der Sicherheits-, der Wirtschafts- und Sozialpolitik sowie der Klimapolitik an. Nach dem Sturz in die Opposition 2021 nach 16 Jahren Kanzlerschaft von Angela Merkel (CDU) versuchte Merz deutlich zu machen: Die Union ist wieder da. Er betonte vor allem mit Blick auf die Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg im September, die CDU kämpfe um Platz eins.

Applausometer: Fast zehn Minuten stehender Beifall

Während der Rede von Merz blieb es teils still im Saal, Applaus erhielt er vor allem bei der Abgrenzung zur Ampel und bei Wirtschaftsthemen. Dafür applaudierten die Delegierten nach seiner Rede fast zehn Minuten im Stehen. Merz holte auch Generalsekretär Linnemann und dessen Vize Christina Stumpp an seine Seite – Linnemann gilt als Architekt des neuen Grundsatzprogramms mit mehr konservativen Akzenten, das an diesem Dienstag beschlossen werden soll. Das aktuelle stammt noch von 2007.

Linnemann wurde ebenfalls mit großer Mehrheit im Amt bestätigt. 889 Delegierte stimmten für den 46-Jahre alten Bundestagsabgeordneten, der das Amt im Juli 2023 zunächst kommissarisch übernommen hatte. Mit Nein stimmten 84 Delegierte, es gab 7 Enthaltungen. Nach CDU-Zählung entsprach dies einer Zustimmung von 91,4 Prozent. Enthaltungen eingerechnet, wären es 90,7 Prozent.

Unter den fünf Stellvertretern von Merz erhielt der neu zum Parteivize gewählte NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann mit 880 Stimmen das beste Ergebnis. Er ist auch Chef des Sozialflügels der Partei. Anschließend folgten der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (839 Stimmen), der baden-württembergische Bundestagsabgeordnete Andreas Jung (760 Stimmen), die niedersächsische Bundestagsabgeordnete Silvia Breher (741 Stimmen) sowie die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien (556 Stimmen).

Neu in den Bundesvorstand gewählt wurde Johannes Volkmann, Enkel des früheren Kanzlers und CDU-Chefs Helmut Kohl. Der 27-jährige alte Kommunalpolitiker aus Lahnau in Hessen erwähnte in seiner kurzen Bewerbungsrede den Namen seines berühmten Großvaters nicht. Er teilte er unter viel Applaus gegen die Ampel aus: Diese habe „meiner Generation nichts mehr anzubieten, außer vielleicht Cannabis“.

Sicherung von Frieden und Freiheit

Der CDU-Chef erklärte die Sicherung von Frieden und Freiheit zur wichtigsten Aufgabe. Deutschland werde dazu wieder mehr in die Fähigkeit zur Landes- und Bündnisverteidigung investieren müssen. Die Streitkräfte seien über viele Jahre vernachlässigt worden – „daran waren wir nicht unbeteiligt“, räumte er ein.

Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik

Merz verlangte eine verlässliche Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik sowie eine „Agenda 2030 mit klaren Perspektiven für eine Volkswirtschaft, die Industriestandort bleiben solle und müsse. Den Menschen müsse man dafür etwas anbieten – etwa die Steuerfreiheit von Überstunden oder einen Steuerfreibetrag in der Rente.

Sozialpolitik

Merz bekräftigte, im Fall einer Regierungsübernahme solle das von der Ampel eingeführte Bürgergeld in seiner derzeitigen Form abgeschafft werden. „Wir wollen stattdessen eine neue Grundsicherung, die wirklich denen hilft, die Hilfe benötigen, die aber auch Anreize und Ermutigung schafft für diejenigen, die in den Arbeitsmarkt zurückkehren können.“

Leitkultur

Merz verteidigte den Begriff der Leitkultur, der sich im neuen Grundsatzprogramm findet. „Der Begriff grenzt nicht aus, sondern er ist eine allumfassende Klammer um unsere Gesellschaft in ihrer ganzen Vielfältigkeit, die einem beständigen Wandel unterworfen ist.“ (dpa)



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