Zwei Unternehmer und Mitbegründer der Initiative „Unternehmeraufstand MV“ im Interview. Foto: Epoch Times
Die Mitbegründer der Initiative „Unternehmeraufstand MV“ im Interview.Foto: Epoch Times

Unternehmer-Initiative: „Menschen verstehen, warum wir auf der Straße sind“

Von 18. Oktober 2022
„Wann kümmern wir uns um unser Land und unsere Probleme“, fragt einer der Organisatoren einer Unternehmer-Initiative die deutsche Politik. Die vor sechs Wochen gegründete Initiative organisiert Protestaktionen in ganz Mecklenburg-Vorpommern und soll bereits mit Unternehmen deutschlandweit in Kontakt stehen.

Mecklenburg-Vorpommern, Mitte Oktober 2022. 1.132 Kleintransporter, Pkw und Lkw sind auf den Straßen des Landes unterwegs, um gegen die ihrer Ansicht nach „weltfremde Politik“ der Ampelregierung zu demonstrieren. Es sind Unternehmer, Selbständige und Freiberufler, die im Verband von acht Autokorsos in acht Städten fahren: in Schwerin, Rostock, Wismar, Stralsund, Greifswald, Parchim, Güstrow und in Neubrandenburg. Alle Kreisstädte und kreisfreien Städte des Ostsee-Bundeslandes sind involviert.

Hinter der Massendemonstration der Mittelständler steht eine Bürgerinitiative, die sich „Unternehmeraufstand MV“ nennt. Nach dem Autokorso in Neubrandenburg mit über 300 Fahrzeugen sprach die Epoch Times mit den Unternehmern und Brüdern Bernd und Frank Herrmann, Mitbegründer der Initiative. Zusammen mit ihrem Team organisieren sie verschiedene Aktionen in Mecklenburg-Vorpommern. Wir wollten für unsere Leser mehr darüber erfahren.

Wie kam es zur Gründung der Unternehmer-Initiative?

(Bernd Herrmann:) Ich wurde nach dem ersten freien Unternehmertreffen in Neubrandenburg von zwei Geschäftsleuten aus dieser Stadt gebeten zu unterstützen. Daraufhin kam es zu der Gründung der Initiative „Unternehmeraufstand MV“.

Was war der Ausgangspunkt?

Mit mehreren Gesellschaftern besitze und betreibe ich in Neubrandenburg einen 16 Hektar großen Gewerbepark. Wir haben ungefähr zwischen 90 und 100 Gewerbeunternehmen bei uns im Gewerbepark als Mieter.

Aufgrund der Kostenexplosion in der Energiebranche überlegen viele meiner Mieter ihren Betrieb zu schließen, weil sie die angekündigten Strom- und Gaspreise und die Preiserhöhung bei der Fernwärme nicht bezahlen können.

Neubrandenburg ist die Kreisstadt vom größten Landkreis der Bundesrepublik. Unser Landkreis ist zweieinhalbmal so groß wie das Bundesland Saarland. Wir sind das dünnbesiedelste Gebiet Deutschlands. Wir sind das sozial schwächste Gebiet in Deutschland. Wenn jetzt solche Maßnahmen greifen, da macht sich bei den Unternehmern Weltuntergangsstimmung breit.

Sehen Sie konkrete Gefahren auf den Mittelstand zukommen?

Na, unser Wirtschaftsminister hat es ja gesagt. Man muss ja nicht gleich in die Insolvenz gehen, wenn man nichts mehr verkauft. Ich habe keine Ahnung, wie er zu solchen Aussagen kommt. Wenn meine Mieter ihre Gewerbemiete nicht mehr zahlen können, weil sie ihre Energiekosten nicht mehr begleichen können, dann machen sie ihre Läden zu. Dann sind sie insolvent.

Anschließend sind wir mit unserem Gewerbepark auch insolvent. Das ist es, was mich antreibt. Wann kümmern wir uns um unser Land und unsere Probleme?

Ich möchte hier nicht im Allgemeinen die Medienlandschaft bewerten. Aber heute, gerade während des Autokorsos, habe ich die Nachrichten im Auto gehört. Da hat tatsächlich ein NDR-Reporter die Unternehmer-Initiative MV als eine rechtspopulistische Vereinigung bezeichnet. Ich bin entsetzt und denke ernsthaft darüber nach prüfen zu lassen, ob wir dagegen juristisch vorgehen.

Wir sagen immer wieder ganz klar, dass wir parteiübergreifend sind und uns keiner Parteipolitik anschließen. Wir kämpfen für uns und unser Bestehen und damit automatisch auch für das Bestehen unserer Mitarbeiter und deren Familien.

Heute im Autokorso, als wir durch alle Stadtbezirke fuhren, sah ich, wie Jung und Alt klatschend und filmend am Straßenrand standen. Sie verstehen genau, was wir machen und warum wir auf der Straße sind. Irgendwann werden die Kritiker ihre erste Strompreiserhöhung bezahlen müssen, dann werden auch sie wach.

Frank Herrmann, was treibt sie auf die Straße? 

Ich führe einen Kfz-Handwerksbetrieb in Neustrelitz. In meiner Firma beschäftige ich 16 Mitarbeiter. Mein Bruder und ich sind mit anderen zusammen im Organisationsteam der Unternehmer-Initiative. Mich treibt nicht die Angst auf die Straße. Mich treibt die Empörung auf die Straße, dass Bundespolitiker ohne Ausbildung alles andere machen, nur keine Politik für unsere Bürger. Diese verantwortungslose Innen- und Außenpolitik, mit der an die ganze Welt Geld verschenkt wird, während hier die Energiepreise hochgehen.

In meinen Augen missbraucht unsere Politik die Kriegssituation zwischen Ukraine und Russland, um unser Land auf dem Altar der Doppelmoral zu opfern. Da mache ich nicht mit!

[Anm. der Redaktion: Frank Herrmann ist AfD-Fraktionsvorsitzender in der Stadtvertretung von Neustrelitz]

Wie sehen Sie die aktuelle Situation in den Betrieben?

Die Stimmung ist bedrückt. Keiner weiß so recht, was er sagen soll, weil sich jeder hilflos fühlt. Gemäß dem Motto: „Wir können ja sowieso nichts ändern!“ Da sind wir völlig anderer Meinung. Wir können was ändern, wenn wir gemeinsam einstehen und auf die Straße gehen. Das ist ein Aufruf an die komplette Bevölkerung. Wenn die Läden zu sind, sind die Mitarbeiter zu Hause, dann sind sie ein Sozialfall.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind schon jetzt zu spüren. Wenn ich ein Ersatzteil im Februar bestelle, kommt es erst Monate später an. Dann ist es womöglich noch nicht einmal ein neues Originalteil, sondern nur ein wieder instand gesetztes Teil. Das ist wie zu DDR-Zeiten.

Wir müssen in unserer Werkstatt schon jetzt improvisieren, um Autos am Laufen zu halten. Damit meine ich nicht Reparaturen an Luxusautos. Ich rede von Transportern und LKW, die zur Reparatur in meiner Werkstatt sind. Das sind Güter, die in der Wirtschaftskrise essenziell sind, die dringend benötigt werden.

Im Autokorso gab es Transparente mit Kritik an der aktuellen Energiepolitik. Wie sehen Sie das?

Ich kritisiere, dass unsere Politik sich zulasten der Bürger und der Betriebe weltmännisch aufführt. Die Preise für wichtige Energieträger wie Erdgas, Erdöl und Strom gehen gerade explosiv durch die Decke. Den Kollegen im Bäcker-Handwerk, die mit Gas ihre Backöfen betreiben, stehen die Haare zu Berge. Ich habe keine Ahnung, wie lange die das noch durchhalten.

Woher kommen die Teilnehmer des Autokorsos in Neubrandenburg?

(Bernd Herrmann:) Das sind u. a. mehrere Firmen aus unserem Gewerbepark. Sie haben alle Existenzangst. Darunter sind kleine Unternehmen mit ein, zwei Mitarbeitern und große Unternehmen mit 40 oder 50 Mitarbeitern. Dazu gehören auch Bauunternehmen.

Sie verzeichnen einen hohen Rücklauf an Aufträgen. Die Menschen wollen sich keine Eigenheime mehr bauen und geben ihre Finanzierung zurück. Keiner weiß, wohin sich das entwickelt. Parallel dazu steigen die Zinsen, die Baukosten explodieren aufgrund der Energiekosten. Viele meiner befreundeten Unternehmer sagen, jede Woche gibt es für irgendetwas eine Preiserhöhung.

Ist eine Lösung für die Probleme in Sicht? Kann die Politik etwas verändern?

(Frank Herrmann:) Selbstverständlich – sofort! Es beginnt erst mal damit, dass Politik ausschließlich von parteilosen oder parteiübergreifenden Fachleuten gemacht werden muss. Was wir derzeit erleben, ist ja das Resultat von strittiger Parteien- und Interessenpolitik. Es wird nicht geguckt, was fachlich und sachlich richtig ist. Das ist ganz allgemein das große Übel in diesem Land. Es ist jetzt so weit, dass Lobbyisten den Politikern die Gesetze schreiben. Warum werden Millionen und Milliarden für Berater ausgegeben?

Und wie sehen Sie das?

(Bernd Herrmann:) Wir müssen dringend zu vernünftigen Energiepreisen kommen, die nicht staatlich gestützt oder gedeckelt sind. Subventionierungen hatten wir in der DDR noch und nöcher. Dort wurde alles staatlich gestützt. Dort wurden die Hühner gestützt, da wurde das Getreide gestützt. Das Brot war dadurch billiger als das Getreide. Dann ist das System einfach zusammengebrochen. Dem nähern wir uns in ganz großen Schritten. Sicherlich nicht in ein, zwei Jahren, aber in zehn Jahren, wenn wir solche Politik weiterbetreiben.

Ist Kernenergie eine Lösung in der Energiekrise?

Positiv! Leider wird die Bevölkerung nicht umfassend informiert. Es gibt ja mittlerweile kleine Kraftwerke, sogenannte Small Modular Reactors (kleine modulare Reaktoren, SMR), die müssen nicht ganze Großstädte und ganze Landesteile versorgen. Sie sind sichere kleine Kraftwerke, die mittelgroße Städte wie Neubrandenburg gut versorgen könnten. Diese Kernkraftwerke sind doppelt so groß wie eine Telefonzelle.

In unserem Land ist die Politik in Bezug auf die Kernenergie eine Katastrophe. Echte Wissenschaftler werden totgeschwiegen und Schwätzer, deren Meinung wird hochgehalten.

Mittlerweile ist die Forschung in der Kernenergiegewinnung so weit, dass kein Atommüll mehr entsteht, der entsorgt werden muss. Nun frage ich allen Ernstes, wo haben sich denn unsere Energie-Politiker den Kopf gestoßen?

Es ist schlimm. Mittlerweile endet jedes Gespräch in einer politischen Debatte, ob zu Hause, ob bei der Arbeit oder in der Kneipe. Selbst auf dem Golfplatz ist es so. Und unsere Politiker diskutieren allen Ernstes darüber, ob und wie man in einem Kampfpanzer einen Stuhl einbaut, damit auch eine schwangere Panzerfahrerin den Panzer fahren kann. Sind die alle verrückt?

Eine Prognose bitte. Werden sich die Proteste ausweiten?

Das ist unser Ziel. Wir haben Anfragen über unsere Arbeit von Unternehmerzusammenschlüssen aus der ganzen Republik. Lörrach liegt über 1.000 Kilometer entfernt. Sie rufen bei uns an und schicken Mails, in denen sie fragen: „Wie macht ihr das? Wie habt ihr euch gegründet?“ Es ist ja nicht so, dass alle im Bundesgebiet schlafen.

Und was kommt als Nächstes?

Auf jeden Fall entwickelt sich die Beteiligung exponentiell. Was wir genau vorhaben, wollen wir noch nicht sagen. Wir sind da wirklich sehr kreativ und haben da verschiedene Sachen bereits in Planung, mit denen wir wieder ein Zeichen setzen wollen.

Das Interview führte Erik Rusch.



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion