Webasto wieder geöffnet: 1.000 Mitarbeiter aus Homeoffice zurück – aber zwei neue Infizierte

Von 12. Februar 2020 Aktualisiert: 11. März 2020 16:22
"Noch sind wir vorsichtig, weil immer noch recht wenig über den Virus bekannt ist. Aber es sieht so aus, als hätten wir durch unser schnelles und entschiedenes Handeln nach dem ersten positiven Test die Infektionskette im Unternehmen unterbrochen", sagte Dr. Holger Engelmann, Vorstandsvorsitzender von Webasto am 11. Februar.

Nach einer zweiwöchigen Schließzeit hat der Automobilzulieferer Webasto heute seine Zentrale in Stockdorf wieder eröffnet. Als erste Mitarbeiter positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden waren, hatte Webasto zum Schutz der Belegschaft seinen Standort in Stockdorf am 29. Januar vorsorglich auf eigene Initiative geschlossen.

In der Zwischenzeit hatten die meisten der mehr als 1.000  Mitarbeiter im Homeoffice gearbeitet. „Das hat gut funktioniert“, sagte Webasto-Sprecherin Antje Zientek. „In Stockdorf sind viele Bürotätigkeiten angesiedelt.“ So konnten Mitarbeiter aus Vertrieb und IT-Bereich zu Hause arbeiten.

Rund 180 von ihnen ließen sich von Ärzten des Gesundheitsamts Starnberg in Stockdorf oder in Kliniken im Großraum München auf das Virus testen.

„Wir sind erleichtert, dass seit Anfang vergangener Woche kein neuer Krankheitsfall unter unseren Mitarbeitern dazu gekommen ist. Noch sind wir vorsichtig, weil immer noch recht wenig über den Virus bekannt ist. Aber es sieht so aus, als hätten wir durch unser schnelles und entschiedenes Handeln nach dem ersten positiven Test die Infektionskette im Unternehmen unterbrochen“, erklärte Dr. Holger Engelmann, Vorstandsvorsitzender von Webasto am Dienstag.

Am Abend wurden sodann zwei neue Coronavirusfälle gemeldet, auch sie stehen mit Webasto in Verbindung. Ein Statement hierzu liegt von Webasto nicht vor.

Insgesamt sind nun 14 Fälle in Bayern bekannt. Der Anfang ihrer Ansteckung geht auf eine chinesische Seminarleiterin zurück. Sie hatte das Coronavirus  nach Deutschland eingeschleppt. Darüber hinaus befindet sich ein Mann, der sich ebenfalls in Bayern infiziert hat, in Quarantäne auf der spanischen Urlaubsinsel La Gomera.

Erhöhte Hygienestandards

Vor der Rückkehr der Kolleginnen und Kollegen aus dem Homeoffice reinigte und desinfizierte ein Fachunternehmen alle Arbeitsplätze, Besprechungsräume, Küchen und sanitären Einrichtungen bei Webasto in Stockdorf nach entsprechenden EU-Richtlinien.

Der Präsident des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Dr. Andreas Zapf, betonte: „Die Konsequenz, mit der das Unternehmen in dieser Sondersituation agiert hat, ist lobenswert. Von Anfang an standen wir in engem Kontakt und haben uns sehr offen und kontinuierlich ausgetauscht. Die Erkenntnisse, die wir durch die enge Zusammenarbeit mit Webasto gewonnen haben, werden uns dann auch bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Ausbruchsgeschehens helfen.“

Die infizierten Webasto-Mitarbeiter und deren infizierten Angehörige befinden sich in Krankenhäusern in München beziehungsweise im Landkreis Traunstein. Engelmann sagte: „Wir sind mit allen in regem Kontakt und freuen uns, dass einige von ihnen bereits komplett beschwerdefrei sind und voraussichtlich in Kürze entlassen werden. Die Vertreter der Medien fordere ich auf, die Privatsphäre aller unserer Mitarbeiter zu respektieren. Die letzten Wochen waren insbesondere für die positiv getesteten Kollegen und ihre Familien eine enorme Belastung. Sie brauchen jetzt vor allem Zeit für sich und ihre Angehörigen.“

Derzeit gelten bei Webasto „erhöhte Hygienestandards“ an allen weltweiten Standorten. Bis Ende Februar sind Geschäftsreisen von und nach China ausgesetzt. Ein Pendeln zwischen den deutschen Standorten sei mit der Öffnung der Zentrale aber wieder erlaubt.

Umsatzeinbußen in Stockdorfer Confiserie

Von der vorübergehenden Schließung von Webasto war auch die Confiserie Harter betroffen.  „Wir hatten bis zu 50 Prozent Umsatzeinbußen“, sagte Florian Harter laut „Münchner Merkur“. Die Confiserie  mit Tortenbäckerei, Café und Mittagstisch liegt direkt gegenüber von Webasto.

„Die Leute waren gerade in der ersten Woche verunsichert und sind zu Hause geblieben. Manche haben reservierte Tische wieder abgesagt“, so Harter.

„Covid-19“ eine Mamutaufgabe für Gesundheitsämter

Mit dem Auftreten des neuartigen Coronavirus, dass inzwischen von der WHO auf „Covid-19“ getauft wurde, sind auch erhebliche Herausforderungen für das Starnberger Gesundheitsamt verbunden. Dr. Lorenz Schröfl, Leiter der Behörde, war als erster europäischer Mediziner mit dem Virus konfrontiert. Die Hauptaufgabe seiner Behörde sah er darin, „die Panik herunterzuschrauben“.

„Teilweise herrschten völlig unbegründete Ängste“, sagte Schröfl. Durch das Virus gab es eine „massiven Belastung bis in die Abendstunden und am Wochenende – und ohne Mittagspause. Die Mitarbeiter sind über ihre Grenzen hinaus gegangen. Alle Telefone waren blockiert“.

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Darüber hinaus kümmerte sich die Behörde um die Kontaktpersonen der Infizierten. Etwa 140 Webasto-Mitarbeiter wurden auf das Virus getestet – eine Gemeinschaftsarbeit zwischen Gesundheitsamt und der „Taskforce Infektiologie“ des Bayerischen Gesundheitsamts. (pr/sua)