Coronavirus: Chinesische Webasto-Mitarbeiterin litt bereits in Deutschland an Symptomen

Von 4. Februar 2020 Aktualisiert: 12. Februar 2020 9:19
Die aus Shanghai stammende Chinesin, die das Coronavirus in Deutschland eingeschleppt hat, war während des Webasto-Seminars symptomfrei. Das berichteten bislang die Medien und auch Wissenschaftler folgten dieser Annahme. Ein Artikel in der „Science“ enthüllt nun, dass dieser Ausgangspunkt falsch ist.

Es herrscht Hochbetrieb auf der Station von Chefarzt Clemens Wendtner. Er leitet die Station an der München Klinik Schwabing, auf der sich sieben der insgesamt 13 infizierten Deutschen befindet.

„Dieses 2019-nCoV ist offenbar anders als Sars und Mers, offensichtlich hoch kontagiös, also ansteckend“, zitiert der „Focus“ den Chefarzt. Laut seinen bisherigen Informationen hatten die Patienten, die sich bei ihrer chinesischen Kollegin angesteckt hatten „zum Teil eher flüchtige Kontakte mit Infizierten, zum Beispiel einen Handschlag oder einen kürzeren gemeinsamen Aufenthalt in einem Büro.“

Eine Mitarbeiterin aus Shanghai besuchte in der Zeit vom 19. bis 22. Januar 2020 wegen eines Seminars die bayerische Zentrale des Autozulieferers Webasto in der Gemeinde Gauting. Sie war bereits mit dem Coronavirus-Erreger 2019-nCoV infiziert und steht an der Spitze der deutschen Infektionskette.

Laut Medien wurde bislang davon ausgegangen, dass die Frau aus Shanghai keinerlei Symptome in Deutschland aufwies. Ein Artikel in der „Science“ enthüllt nun, dass diese Annahme nicht korrekt sei. Das Robert-Koch-Institut (RKI) korrigierte in einem Brief an „The New England Journal of Medicine“ (NEJM) die Aufzeichnungen des dort erschienenen wissenschaftlichen Berichtes, an dem auch der Virologe Professor Christian Drosten von der Berliner Charité mitgewirkt hatte.

Laut dem Bericht soll die Chinesin – wie ebenfalls von den Medien berichtet – erst nach ihrem Rückflug erkrankt sein. Eine Rücksprache mit der Chinesin sei jedoch durch das „NEJM“ nicht erfolgt, kritisiert das RKI. Das Institut und das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit habe mit der Shanghaier Patientin telefoniert. Dabei habe sich herausgestellt, dass sie bereits in Deutschland Symptome hatte: Sie hätte sich müde gefühlt und unter Muskelschmerzen gelitten. Zur Linderung nahm sie ein fiebersenkendes Mittel. Ein RKI-Sprecher bestätigte laut „Science“, dass die Chinesin bereits in Deutschland Symptome aufwies.

Infektionskette Webasto

Nach ihrer Heimkehr in Shanghai verschlechterte sich der Zustand der Chinesin. Als sie sich am 26. Januar auf das Coronavirus testen lässt, ist das Ergebnis positiv. Zu dieser Zeit hatte sich laut dem wissenschaftlichen Bericht in „The New England Journal of Medicine“ bereits ein 33-jähriger Mitarbeiter (Patient 1) von Webasto krankgemeldet. Der Mann litt am 24. Januar 2020 an Halsschmerzen, Schüttelfrost und Gliederschmerzen. Am Folgetag hatte er Fieber von 39,1 Grad Celsius und Husten mit Auswurf. Bereits am Abend des nächsten Tages ging es ihm besser, sodass er am 27. Januar wieder auf Arbeit erschien.

An diesem Tag wurde Webasto über die Infektion der Chinesin in Shanghai informiert. Die Firma überprüfte alle Kontakte der Seminarleiterin. Der vorgenannte Mitarbeiter wurde medizinisch untersucht. Er hatte zwar Fieber, war aber wohlauf. Ein Test ergab, dass er sich bereits mit dem Virus infiziert hatte. Es wurde eine hohe Viruslast in seinem Sputum festgestellt.

Am 28. Januar wurden drei weitere Mitarbeiter – zwei Männer im Alter von 27 und 40 Jahren sowie eine 33-jährige Frau – positiv getestet. Nur eine dieser Personen soll Kontakt mit der Chinesin gehabt haben. Die anderen beiden hätten nur Kontakt zu Patienten 1, hieß es in dem Bericht.

Am 30. Januar wurde sodann laut „Merkur“ der fünfte Coronavirus-Fall in Deutschland gemeldet. Ein Webasto-Mitarbeiter aus Siegsdorf im Landkreis Traunstein hatte sich infiziert. Der dreifache Vater von Kindern im Alter von einem halben bis fünf Jahren hatte grippeähnliche Symptome, wie auch seine Ehefrau und seine drei Kinder. Er wurde im Krankenhaus in Trostberg isoliert.

Am 31. Januar wurde der sechste Fall innerhalb Deutschlands gemeldet. Der älteste Sohn des Siegsdorfers war positiv getestet worden. Bei den weiteren Familienmitgliedern konnten keine Viren nachgewiesen werden, obgleich sie Symptome hatten.

Ebenfalls am 31. Januar meldeten die Behörden den siebten Coronafall in Deutschland. Es handelte sich um einen 52-Jährigen, der im Landkreis Fürstenfeldbruck wohnhaft ist, ebenfalls ein Mitarbeiter der Firma Webasto.

Am 1. Februar meldet das Bayerische Gesundheitsministerium den achten Fall. Ein 33-jähriger Mann aus München, der bei Webasto beschäftigt ist, war infiziert.

Laut Meldungen vom 1. Februar verliefen 143 genommene Testproben aus dem Umfeld der Webasto-Mitarbeiter negativ. Nur die Männer aus Bayern und Fürstenfeldbruck waren positiv getestet worden.

Virusinfektion bei  Wuhan-Rückkehrern festgestellt

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Am frühen Samstagabend (1. Februar) landen über 100 Passagiere aus Wuhan in Frankfurt. Am Folgetag wurde bei zwei Deutschen das Virus nachgewiesen. Sie befinden sich in der Universitätsklinik Frankfurt.

Am 3. Februar wurde der elfte Coronafall in Deutschland bekannt gegeben. Bei einem weiteren Kind des Familienvaters aus Traunstein war das Coronavirus nachgewiesen worden.

Am Abend des 3. Februar informierte das Bayerische Gesundheitsministerium über den zwölften Fall. Ein weiterer Webasto-Mitarbeiter begab sich in die Behandlung in die Klinik Schwabing (München). Dort befinden sich mit Ausnahme der dreiköpfigen Familie alle infizierten Webasto-Angestellten.

Coronafall auf Urlaubsinsel La Gomera

Ein weiterer Deutscher, der Kontakt mit einer infizierten Person in Deutschland gehabt haben soll, befindet sich laut „Mallorca Zeitung“ auf einer Isolierstation auf La Gomera. Die deutschen Behörden hatten Spanien über den Verdachtsfall informiert. Die spanischen Behörden machte den Urlauber in der Gemeinde Hermigua ausfindig. Er befindet sich zur Isolation im Krankenhaus.

Die Generaldirektion für öffentliche Gesundheit auf La Gomera hat zudem veranlasst, alle Kontakte des infizierten Deutschen zu finden – vom Barkellner bis hin zu zufälligen Kontakten. Ziel sei es, diese Personen ebenfalls zu isolieren, meldete „Teneriffa News“. Laut den Behörden werden alle Mitreisenden des infizierten Deutschen automatisch als potenziell angesteckt eingestuft. Für die Kontakte soll eine 14-tägige Eigenheim-Quarantäne gelten.

Nach bisherigen Angaben handele es sich bei dem Urlauber um einen milden Krankheitsverlauf. Letzten Meldungen zufolge war der Mann symptomfrei. Ebenfalls untersucht wurden die Personen, mit denen sich der Mann ein Ferienhaus auf der Insel geteilt hatte. Das Testergebnis ist noch unbekannt.

Den zwölf Coronavirus-Patienten in Deutschland geht es weiterhin gut. Zwei Infizierte, die am Wochenende mit mehr als 120 weiteren Passagieren aus Wuhan zurückgeholt worden waren, seien wohlauf. „Sie haben keine Symptome“, sagte der Leiter Gesundheitsamt Frankfurt, René Gottschalk. Die zehn Coronavirus-Patienten in Bayern, die in Zusammenhang mit dem Autozulieferer Webasto stehen, befinden sich nach Worten von Gesundheitsministerin Melanie Huml in einem stabilen Zustand.

(Mit Anteilen von dpa/afp)