Griechenland: Ex-Minister offenbart Verschleppung von Kindern zum Organhandel – Welche Rolle spielen „Flüchtlingshilfe“-NGOs?

Von 18. Dezember 2018 Aktualisiert: 18. Dezember 2018 14:22
Der frühere griechische Außenminister Nikos Kotzias erklärt, Anzeigen gegen 93 Personen, darunter Diplomaten seines Landes, erstattet zu haben, die unter dubiosen Umständen Visa für unbegleitete Kinder ausgestellt hatten. Hintergrund sei dabei Organhandel.

In Griechenland sollen sich der Zeitung „Kathimerini“ zufolge derzeit 3.050 unbegleitete Kinder ohne griechische Staatszugehörigkeit befinden. Von diesen seien 42 Prozent, in Zahlen ausgedrückt 1.272, ohne festen Wohnsitz. Sie leben entweder auf der Straße, in Übergangsheimen oder an unbekannten Orten. Wie viele von ihnen von kriminellen Banden instrumentalisiert oder sexuell ausgebeutet werden, ist eher Gegenstand von Spekulationen denn von repräsentativen Zahlen.

Der frühere griechische Außenminister Nikos Kotzias hat jüngst jedoch wieder auf ein Thema aufmerksam gemacht, das fallweise in den letzten Jahren auch in internationalen Medien Erwähnung fand, aber jeweils schnell wieder von der Bildfläche verschwand: die Verschleppung von Kindern nach Griechenland zum Zwecke illegaler Organentnahme.

In einem Interview mit der Journalistengewerkschaft von Athen (ESHEA), über das „New Greek TV“ berichtet, erklärte Kotzias, er habe in 93 Fällen Anzeige gegen Diplomaten erstattet, die im Verdacht standen, gegen Geld Visa an unbegleitete Minderjährige ausgestellt zu haben, denen in weiterer Folge Organe entfernt worden wären.

Griechische Botschaft in Istanbul als Zentrum krimineller Machenschaften

„Es ist nicht so, dass wir nichts getan hätten“, erklärte der frühere Minister. „Ich habe 93 Fallakten des Verdachts strafbarer Handlungen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet und einige Diplomaten sind in weiterer Folge ins Gefängnis gewandert, weil sie Visa für unbegleitete Kinder ausgestellt hatten. […] Wissen Sie, was Visa für unbegleitete Kinder bedeuten? Sie bedeuten Organhandel. Und wenn es mir dadurch gelungen ist, ein paar Seelen zu retten, werde ich am Ende meines Lebens ruhiger einschlafen.“

Kotzias zufolge seien es vor allem Diplomaten aus dem Umfeld der Botschaft in Istanbul gewesen, die solche toxischen Visa vergeben hätten. Bereits im Oktober 2018 habe er auf Fälle wie jenen eines 14 Monate alten Babys hingewiesen, für welches ein Alleinreisenden-Visum ausgestellt worden wäre, was die zuständigen Stellen anschließend zu vertuschen versuchten. Diese Diplomaten, so Kotzias, seien „nicht nur Kriminelle, sondern auch Verräter“.

Der weltweit tätige und lange Jahre vom heutigen Nationalen Sicherheitsberater der USA, John Bolton, geleitete Think-Tank „Gatestone-Institut“ weist darauf hin, dass es sich bei den zur Anzeige gebrachten Fällen nur um die Spitze des Eisberges handeln könnte. Ein regelrechtes Netzwerk aus Regierungsbeamten, Ärzten, Vermittlern und Organhändlern habe von dem umfangreichen illegalen Treiben profitiert.

Aufsehen um Verhaftungen von ERCI-Mitarbeitern – führende Köpfe wieder frei

Die Verbrechen wären, so vermuten Medien, zudem in diesem Ausmaß nicht denkbar gewesen, hätten nicht auch professionelle Menschenschleuser und NGOs, die unter dem Deckmantel der Flüchtlingshilfe auftreten, ihren Beitrag dazu geleistet.

Bereits im August wurden in diesem Zusammenhang mehrere Mitglieder des sogenannten „Emergency Response Centre International“ (ERCI) verhaftet, das seit 2015 auf der Insel Lesbos tätig ist und systematisch – zum Teil gegen Geld – die illegale Einreise von Ausländern ermöglicht haben soll. Unter diesen sollen sich auch unbegleitete Minderjährige befunden haben.

Am Mittwoch wurden Kathimerini zufolge vier führende ERCI-Mitglieder aus der Untersuchungshaft entlassen mit der Begründung, infolge der Einstellung der Tätigkeit der Organisation bestehe keine Tatbegehungsgefahr mehr. Zwei Gründungsmitglieder mussten eine Kaution in Höhe von 10.000 bzw. 5.000 Euro hinterlegen. Die beiden anderen, darunter die syrische Schwimmerin Sarah Mardini, wurden ohne weitere Auflagen entlassen. Ein irischer Aktivist der Gruppe ist mittlerweile in seine Heimat zurückgekehrt.

Seit 2015 soll die Gruppe, so lautete der Anfangsverdacht, etwa 70.000 illegale Einreisen von Ausländern nach Griechenland ermöglicht haben. Von den Einwanderern sollen sie jeweils 2.000 Euro genommen haben, gleichzeitig boten sie ihre Dienste der Regierung an, die 5.000 Euro pro Teilnehmer und Jahr „Integrationsprogramm“ bezahlt haben soll, das ERCI ausrichtete. Ein direkter Bezug zu kriminellen Netzwerken der Organhändler-Mafia konnte der Gruppe bislang nicht nachgewiesen werden. Allerdings ging die griechische Polizei von organisierter Schlepperei aus. In weiterer Folge sei auch die Kriminalität durch illegale Einwanderer drastisch angestiegen.

Bereits 2009 hatten der Europarat und die UNO eine gemeinsame Studie vorgelegt, die von einer Reihe an Fragen rund um den Handel mit Organen, Gewebeteilen und Zellen sprach, die weiterer Untersuchung bedürften. Die UNODC, jene UNO-Abteilung, die sich mit Drogen und Organisierter Kriminalität beschäftigt, sprach mit Blick auf das Jahr 2011 davon, dass die illegal generierten Gewinne aus dem Organhandel weltweit zwischen 600 Millionen und 1,2 Milliarden US-Dollar anzusiedeln wären.

UNDOC publizierte Liste mit Warnhinweisen

Schwerpunkte der illegalen Aktivitäten seien unter anderem Subsahara-Afrika, der Nahe Osten und Südosteuropa. Einer der spektakulärsten Fälle in Europa kam 2008 im Kosovo ans Tageslicht, wo in Pristina die sogenannte „Medicus-Klinik“ ihr Unwesen trieb. Dorthin sollen etwa 30 Personen aus Russland, Moldawien, Kasachstan und der Türkei gekommen sein, um für 20.000 US-Dollar Nieren zu verkaufen. Die Betreiber der Klinik transplantierte diese gegen den Erhalt von bis zu 200.000 US-Dollar Empfängern aus dem Ausland ein. Sieben Personen, darunter Regierungsbeamte, wurden der Beteiligung an den Aktivitäten überführt.

Die UNDOC hat in diesem Zusammenhang eine Liste an Warnhinweisen zusammengestellt, die unter anderem den Verdacht erwecken, hinter einer Organspende könnten illegale Aktivitäten stehen. Die Liste reicht von fehlender Dokumentation von Einwilligungserklärungen oder Vereinbarungen über fehlende medizinische und psychologische Berichte über den Spender, ausländische Namen des Spenders, über Personen, die nach einer Nierenentnahme binnen weniger als 48 Stunden ein Flugzeug besteigen bis hin zu gleichzeitigem Aufenthalt großer Gruppen mit hohem Bargeldbesitz in Flughafenhotels oder eine Vielzahl an Einladungsschreiben bestimmter Kliniken, die Einwanderungsbehörden vorgelegt werden.

 

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