Sea-Watch-Schiff ruft nach 14 Tagen auf See mit 32 Migranten noch immer um Hilfe + Video

Epoch Times4. Januar 2019 Aktualisiert: 5. Januar 2019 8:31
Sea-Watch-Missionsleiter Phillip Kahn warnte davor, dass dem Schiff die Vorräte ausgehen und sich der psychische Zustand der Migranten verschlechtert, nachdem sie so lange auf See geblieben waren.

Ein Schiff der deutschen NGO Sea-Watch, das 32 Migranten mitführt, ist am Freitag (4. Januar) seinen vierzehnten Tag auf See, nachdem sowohl Italien als auch Malta sich nach zwischenzeitlicher Zusage – wir berichteten –  geweigert hatten, es in ihren Häfen anlegen zu lassen.

Die Sea-Watch 3 nahm die Migranten am 22. Dezember von einem dürftigen Beiboot auf, seither haben sich die Wetterbedingungen massiv verschlechtert.

Das Schiff befindet sich derzeit vor der maltesischen Küste.

Sea-Watch-Missionsleiter Phillip Kahn warnte davor, dass dem Schiff die Vorräte ausgehen und sich der psychische Zustand der Migranten verschlechtert, nachdem sie so lange auf See geblieben waren.

Der 33-jährige Migrant Bob Kiangala verließ 2016 seine Heimat in der Demokratischen Republik Kongo, sein Traum ist es, nach Europa zu gelangen:

„Wir sind hier auf diesem Boot und wir verstehen nicht, was passiert. Wir sind keine Fische, wir sind keine Haie, wir sind Menschen wie alle anderen. Wir haben diese Überfahrt gemacht, wir haben unser Leben riskiert, um nach Europa zu gelangen, und jetzt, da wir angekommen sind, weigert sich Europa, und wir wissen nicht, warum.“

(BOB KIANGALA, an Bord der Sea Watch 3)

Der 16-jährige Achuil Abdallah ist aus dem Südsudan angereist und ist erleichtert, dass er Libyen entkommen ist. Er sagte, dass es nichts gibt, was getan werden kann, um ihre Situation zu verbessern, außer zu warten:

„Wir warten nur jeden Tag darauf, dass wir hier ein Treffen haben. Sie sagen uns alles, was geschieht, sie senden eine Botschaft von hier nach Europa und wieder eine Botschaft von Europa nach hier, und sie kommen bereits jeden Tag, um es uns zu erklären.“

(Achil Abdallah, an Bord der Sea Watch 3)

Rom und Valletta gaben an, dass sie in den letzten Jahren schon zu viele Migranten aufgenommen haben und beschuldigen NGO-Schiffe, als Taxidienst für potenzielle Flüchtlinge und Migranten zu fungieren – was die Menschenrechtsgruppen leugnen.

Nach dem Amtsantritt von Innenminister Matteo Salvini von der Lega im vergangenen Jahr hat er sich zügig bemüht, ein Wahlversprechen zu erfüllen und gegen Migranten vorzugehen, die ein besseres Leben in Europa suchen, NGO-Boote daran zu hindern, hier anzulegen.

Nach fast zwei Wochen auf dem Mittelmeer werden die Appelle zur Aufnahme von dutzenden Flüchtlinge an Bord von zwei Hilfsschiffen deutscher Aktivisten immer eindringlicher. Die EU-Staaten müssten den Flüchtlingen unverzüglich einen „sicheren Hafen“ anbieten, forderte die Menschenrechtskommissarin des Europarats, Dunja Mijatovic, am Freitag. Die Grünen-Europaabgeordnete Ska Keller forderte „dringend“ eine Lösung. Auf der „Sea-Watch 3“ spielten sich derweil dramatische Szenen ab.

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Die Gesundheit und Sicherheit der Kinder, Frauen und Männer an Bord der Schiffe dürfe nicht länger gefährdet werden, schrieb Mijatovic im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Menschlichkeit und Mitgefühl müssen die Oberhand gewinnen.“

Seit ihrer Rettung vor der Küste Libyens würden die Flüchtlinge auf der „Sea-Watch 3“ seit zwei Wochen „auf dem Meer allein gelassen“, kritisierte das Hilfsbündnis Mediterranea. Das sei ein „neuer Rekord der Schande“.

Die deutsche Nichtregierungsorganisation Sea-Watch, die das Schiff betreibt, warf den europäischen Ländern auf Twitter vor, weiter über das Schicksal der 32 Menschen an Bord zu „feilschen“. „Wir mögen miserabel aussehen, aber sie sind erbärmlich“, schrieb Sea-Watch.

Die Grünen-Europaabgeordnete Keller machte sich am Freitag ein Bild von der Lage der Flüchtlinge auf der „Sea-Watch 3“.

Es gehe „nicht an, dass Leute nicht aus Seenot gerettet“ würden, sagte sie telefonisch der Nachrichtenagentur AFP.

Keller beklagte, dass kein europäisches Land bereit sei, die Flüchtlinge aufzunehmen. Das sei eine Frage der Humanität. Hier sei auch Berlin gefordert.

An Bord der „Sea-Watch 3“ zeigte sich unterdessen, wie verzweifelt die Flüchtlinge inzwischen sind. Einer von ihnen sprang am Freitag über Bord, um zu versuchen, schwimmend Malta zu erreichen.

Nach ein paar Metern hat er wegen der Kälte und der Strömung aufgegeben und wurde mit einem Rettungsring zum Schiff zurückgezogen“, sagte der Fotograf Federico Scoppa AFP.

„Die Migranten schlafen auf dem Boden. Wir haben Hygieneprobleme“, sagte der Einsatzleiter der „Sea-Watch 3“, Philip Hahn, dem Sender „Radio 24“. Die Lage werde „psychologisch immer schwieriger“.

Drei Kinder an Bord im Alter von einem, sechs und sieben Jahren müssten sich „ständig übergeben“, sagte Alessandro Metz von Mediterranea. Ihnen drohten Dehydrierung und Unterkühlung. Mediterranea und Sea-Watch belieferten die Flüchtlinge am Freitag mit Lebensmitteln und frischem Wasser.

An Bord der „Sea-Watch 3“ befinden sich insgesamt 32 Flüchtlinge, darunter drei Kinder und drei unbegleitete Jugendliche. Die vier Frauen an Bord stammen aus Nigeria, Libyen und der Elfenbeinküste. Die Flüchtlinge waren am 22. Dezember vor der Küste Libyens gerettet worden.

An Bord eines Hilfsschiffes der Organisation Sea-Eye befinden sich 17 weitere Flüchtlinge. Sie warten seit dem 29. Dezember darauf, in Europa an Land gehen zu können. Beide Schiffe durften sich aufgrund des hohen Seegangs inzwischen der Küste Maltas nähern, dürfen aber nicht anlegen.

Malta, Italien und Spanien lehnen eine Aufnahme der Flüchtlinge ab. Deutschland und die Niederlande erklärten sich nur unter der Bedingung zur Aufnahme bereit, dass andere Länder auch mitmachen.

Mehrere deutsche und italienische Städte äußerten ihre Bereitschaft, die Menschen an Bord der Schiffe aufzunehmen. Neapels Bürgermeister Luigi De Magistris sagte am Donnerstag, er werde die Rettungsaktion persönlich koordinieren, wenn die „Sea-Watch 3“ den Hafen seiner Stadt ansteuere. De Magistris bot damit dem rechten Innenminister Matteo Salvini die Stirn, der sämtliche Häfen des Landes für Flüchtlinge sperren ließ.   (afp)

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