Wie Sanktionen gegen Russland den Verfall des Rubel beschleunigen

Von 17. November 2014 Aktualisiert: 17. November 2014 13:59

Wenn der Finanzmarkt gegen die Zentralbank eines Landes kämpft, dann ist das wie beim Boxen, Schwergewicht gegen Leichtgewicht. Das Leichtgewicht kann dem übermächtigen Gegner vielleicht ein paar schnelle Schläge verpassen, doch sein K.O. ist früher oder später vorprogrammiert.

Im Moment sieht es so aus, als ob die Märkte die russische Zentralbank (RZB) k.o. schlagen, und das trotz ihrer beträchtlichen Devisenreserven von 385 Milliarden US-Dollar. Es überrascht deshalb nicht, dass die Bank am 10. November das Handelsband zwischen Rubel und Dollar aufgab: Der Rubel fiel dieses Jahr gegenüber dem Dollar um 41 Prozent.

Doch noch will die russische Zentralbank nicht das Handtuch werfen: “Der Rubel-Kurs wird von Marktfaktoren bestimmt, welche die Effizienz der Geldpolitik der Zentralbank erhöhen und Preisstabilität garantieren sollen”, ließ sie verlauten. Diese Auffassung vertritt die RZB jedoch exklusiv allein und behält sich weiterhin das Recht zu Marktinterventionen vor, um den Rubel zu stützen. Dies funktionierte bisher allerdings wenig bis gar nicht, denn trotz der 14 Milliarden Dollar, die dafür ausgegeben wurden, fiel der Kurs ungebremst weiter.

Zwar ist man von Ausgaben wie den 15 Milliarden Pfund, welche die Bank of England im September 1992 an einem einzigen Tag verpulverte, um das Pfund zu retten, noch etwas entfernt – aber Russland geht in diese Richtung. Für diejenigen, die den Kampf um´s Pfund verpasst haben: Die Bank of England musste damals aufgeben und die Währung abwerten.

Kapitalflucht steigt

Beim Thema Kapitalflucht ist in Russland das Interessante, dass der Rubelabwertung keine extravagante Notenbankpolitik zu Grunde liegt, wie es zum Beispiel in Japan der Fall ist.

Im Fall Russlands sind es die Sanktionen des Westens und der niedrige Ölpreis, der Anleger aus Rubelinvestments treibt. Die wichtigste Investmentklasse hier sind die Aktien, die zu 70 Prozent Ausländern gehören. Wegen der Sanktionen und des Ölpreises werden russische Unternehmen weniger Profit machen und sind erhöhtem Risiko ausgesetzt.

All diese Faktoren legen nahe, russische Aktien lieber zu verkaufen statt zu kaufen, auch wenn sie günstig bewertet sind. Doch hier liegt ein Problem: Wenn Russen ihren Aktien verkaufen, wandert das Geld zunächst auf ein Bankkonto in Moskau oder St. Petersburg und bleibt deshalb im Land. Doch nicht so bei Ausländern: Sie verkaufen die Rubel gleich mit und drücken so den Kurs nach unten.

Deshalb sank die totale Marktkapitalisierung von 800 Milliarden Dollar im Oktober 2013 auf 550 Milliarden Dollar im Oktober 2014. Mit der Marktkapitalisierung sanken die Preise und der RTSI Index ist um 25 Prozent gefallen. Nimmt man den Währungsverlust und die Aktienverluste zusammen, sind das für Dollar Investoren 66 Prozent Verlust.

Dieser Rückgang der Marktkapitalisierung um 31 Prozent hätte 250 Milliarden Dollar an Devisenreserven gekostet, wenn es keine Rückflüsse durch Ölexporteure gegeben hätte. Ein weiteres Problem ist, dass diese Firmen ihre Ware in Dollar verkaufen und somit erst einmal Dollar auf ihren Konten liegen – im Moment haben sie jedoch kaum Argumente, die Dollars in riskantere Rubel umzutauschen, was den Kurs noch mehr belastet.

Wie könnte die Lösung aussehen?

Der fallende Rubel schadet der Bevölkerung in Russland, weil er sich direkt in der Inflationsrate wiederspiegelt (8 Prozent im Oktober 2014). Auch wenn sich Russland gerne unabhängig gibt und neue Allianzen mit China schmiedet: Nur ein Ende der Sanktionen kann den Fall der Währung verhindern.

Zinserhöhungen, wie wir sie dieses Jahr schon oft gesehen haben (Der Interbankzins liegt bei 10 Prozent) nützen wenig, da Ausländer ihr Zins-Jahreseinkommen durch den fallenden Rubel schon innerhalb von Tagen verlieren können.

Der RZB bleibt also nur noch die Methode, die Geldmenge soweit zu verringern, das natürliche Käufer wie Ölexporteure so wenig Rubel am Markt vorfinden, dass sie den Kurs in die Höhe treiben müssen.

Diese Lösung würde allerdings auch Russlands Firmen Liquidität und Kredite entziehen und der Wirtschaft schaden. Und wenn die Wirtschaft nicht gut läuft, gibt es noch weniger Anreize, zu investieren.

Das Leichtgewicht Zentralbank ist also bereits in die Ecke gedrängt und auf die Gnade der Schwergewichtsmärkte angewiesen. Die RZB kann froh sein, wenn sie wie die Bank of England mit einem blauen Auge davonkommt.

Lesen Sie hier den Originalartikel von Valentin Schmid auf Englisch:

„Ruble Collapse Nears Escape Velocity“

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