Lücken bei 4G trotzdem soll 5G kommen – Verkehrsministerium: „Für normalen Nutzer reicht 4G-Qualität aus“

Epoch Times15. Juni 2020 Aktualisiert: 15. Juni 2020 20:36
Echte weiße Flecken sind auf den deutschen Netzkarten der drei großen Mobilfunkanbieter Telekom, Vodafone und Telefónica inzwischen selten. Jedoch in verschiedenen Studien zur 4G-Abdeckung belegte Deutschland europaweit einen der hinteren Plätze.

Nicht erst seit den gestiegenen Anforderungen an digitales Arbeiten in der Corona-Krise gilt das mobile Internet als einer der Knackpunkte der Digitalisierung in Deutschland. Während manche Unternehmen und Politiker hoffnungsvoll auf den neuen Datenstandard verweisen, beklagen Verbraucher immer noch Lücken im bestehenden Netz.

Echte weiße Flecken sind auf den deutschen Netzkarten der drei großen Mobilfunkanbieter Telekom, Vodafone und Telefónica inzwischen selten – und befinden sich meist in abgelegeneren, ländlichen Gebieten wie Naturschutzgebieten. In Großstädten beträgt die Abdeckung mit schnellem mobilem Internet in der Regel nahezu 100 Prozent.

Doch wer nun überall unterwegs schnellen LTE-Empfang erwartet, wird enttäuscht: Beim entsprechenden 4G-Netz hapert es bei allen Unternehmen noch an der einen oder anderen Stelle. Lücken zeigen sich bei allen Betreibern beispielsweise im Schwarzwald, in den Mittelgebirgen und im Voralpenland. In verschiedenen Studien zur 4G-Abdeckung in den letzten Jahren belegte Deutschland europaweit einen der hinteren Plätze.

Mobilfunkanbieter versprachen 2018 Lücken in der Mobilfunkversorgung bis 2021 weitgehend zu schließen

Die Mobilfunkanbieter hatten sich 2018 bereit erklärt, die Lücken in der Mobilfunkversorgung bis ins Jahr 2021 weitgehend zu schließen. Darüber hinaus mussten sie bis Ende 2019 eigentlich auch Versorgungsauflagen für schnelles Internet erfüllen: Bundesweit sollten demnach 98 Prozent sowie in jedem Bundesland mindestens 97 Prozent der Haushalte mit mobilem Internet mit einer Datenrate von 50 Megabit pro Sekunde versorgt sein.

Das entspricht noch nicht der theoretischen Geschwindigkeitsgrenze im 4G-Netz – dennoch teilte die Bundesnetzagentur im Mai dieses Jahres mit, das Anfang 2020 noch kein Anbieter die Auflagen voll erfüllen konnte. Die Telekom und Vodafone erreichten demnach aber immerhin im Bundesschnitt die geforderte Netzabdeckung und lagen in keinem Bundesland bei weniger als 95 Prozent.

Telefónica: In Brandenburg Abdeckungsrate nur 62,6 Prozent

Telefónica dagegen versorgte in vielen Bundesländern nur etwa 80 Prozent der Fläche mit schnellem Internet, in Brandenburg betrug die Abdeckungsrate nur 62,6 Prozent. „Das Unternehmen geht allerdings davon aus, dass es die Auflagen bis zum Ende dieses Jahres erfüllen wird“, erklärte die Netzagentur. Insbesondere bei Autobahnen und Zugstrecken, die ebenfalls Teil der Auflagen waren, hätten indes alle Unternehmen noch von Ausbauhindernissen wie fehlenden Grundstücken und langwierigen Genehmigungsverfahren für ihre Funkmasten berichtet.

Es gilt, diese Hindernisse schnellstmöglich zu beseitigen, denn im Rahmen der Versteigerung neuer Mobilfunkfrequenzen für den zukünftigen Netzstandard 5G im Sommer 2019 schraubte die Bundesnetzagentur die Anforderungen an die etablierten Anbieter weiter nach oben.

Datenrate soll sich für das Jahr 2022 auf 100 Megabit verdoppeln

Unter anderem wurde die geforderte Datenrate für das Jahr 2022 auf 100 Megabit verdoppelt; sie gilt dann auch für alle Bundesautobahnen, die wichtigsten Bundesstraßen und Schienenwege. Bis Ende 2022 sollen laut Netzagentur und Bundesverkehrsministerium auch die ersten 1.000 sogenannten 5G-Basisstationen in Deutschland stehen und Gespräche über weitere Verpflichtungen beginnen.

Auf absehbare Zeit: nicht viel. Der Zukunftsstandard soll zunächst in erster Linie der Industrie zugute kommen und die Übertragung extrem großer Datenmengen ermöglichen, die Verbraucher gar nicht benötigen.

Verkehrsministerium: „Für normalen Nutzer reicht 4G-Qualität aus“

„Für den ’normalen Nutzer‘, der mobil telefonieren und surfen will“, reiche die Qualität des LTE-Netzes (4G) auch weiterhin völlig aus, betont das Verkehrsministerium. Doch bevor dieses Netz beispielsweise auch an Verkehrswegen lückenlos ist, scheint gleichzeitig auch der nächste Schritt in Sachen Digitalisierung kaum machbar: Es sei „das Fundament dafür, dass die Mobilfunknetze flexibel auf 5G erweitert werden können“.

Gesundheitliche Risiken bei 5G noch nicht vollständig erforscht

Die gesundheitlichen Risiken durch den neuen Mobilfunkstandard 5G sind noch nicht vollständig erforscht.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) will die Auswirkungen nach dem Netzausbau untersuchen – gibt aber bereits Ratschläge, wie Verbraucher sich vor der Handystrahlung schützen können:

Gerade angesichts steigender Datenübertragungsmengen sollte die eigene Strahlenbelastung beim Telefonieren und Surfen gering gehalten werden.“

Wer die Wahl hat, solle statt eines Smartphones besser sein Festnetztelefon nutzen, rät die Behörde. Zudem sollten Verbraucher Telefonate am Handy möglichst kurz halten, Textnachrichten schreiben und nicht bei schlechtem Empfang telefonieren. Denn je schwächer die Verbindung zur nächsten Basisstation, desto intensiver arbeitet das elektromagnetische Feld in der Nähe des Telefonierenden.

Telefonieren über Headset senkt Strahlungsbelastung für Kopf

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„Die Autokarosserie zum Beispiel verschlechtert die Verbindung und das Handy sendet deshalb mit einer höheren Leistung“, sagt ein BfS-Sprecher. Wer über ein Headset telefoniert, setze seinen Kopf geringerer Strahlung aus. Entscheidend für die Strahlenbelastung sei auch der Abstand des Geräts zum Körper.

Verbraucher, die viel mit ihrem Smartphone oder Tablet im Internet surfen, sollten dies am besten bei gutem Empfang oder im WLAN tun, rät das BfS. Im drahtlosen Netz sei die Sendeleistung in der Regel niedriger als bei gängigen Mobilfunkstandards wie LTE. Zudem ist es demnach besser, wenn Verbraucher ihre E-Mails nicht abrufen, während sie telefonieren.

Ob durch 5G-Strahlung ein Krebsrisiko besteht, ist nicht geklärt. „Für eine abschließende Beurteilung ist die Technologie noch zu jung“, teilt das BfS mit. Krebserkrankungen entwickelten sich häufig erst über Zeiträume von 20 bis 30 Jahren. (afp/er)