75 Millionen Spione unterwegs: Pokèmon Go ist ein großes Sicherheitsproblem

Epoch Times6. August 2016 Aktualisiert: 6. August 2016 18:58
AGB von Pokèmon Go: "Wir könnten jegliche Informationen über Sie ... an Regierungen oder Strafverfolgungsbehörden oder private Beteiligte offenlegen, wenn wir es nach unserem eigenen Ermessen für notwendig und angemessen erachten." Die Spiel-Daten gehen in den Besitz der amerikanischen Firma Niantic über - die ein Ableger von Google ist.

„Pokémon Go ist in allererster Linie eine gigantische Datensammelmaschine, vor deren potenziellen Möglichkeiten man nur warnen kann“, sagte die Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, Marit Hansen.

Pokèmon Go verlangt neben dem ständigen Zugriff auf Kamera und Mikrofon auch die sehr genaue Kontrolle des Aufenthaltsort des Nutzers, es protokolliert die Geo-Daten des Nutzers. Es ist dadurch auch eine Fortsetzung von Google Street View, im Innenbereich von Räumen kann Street View nichts aufnehmen – aber die Heerscharen der Pokèmon Go – Spieler. Sie wollen nur spielen, sind aber als Spione unterwegs und kartieren, was sich in Räumen befindet.

Telepolis schreibt: „Das wäre eine neue Art von „Open Source Intelligence“ nicht nur für das massenhafte Sammeln von Bewegungsprofilen, sondern etwa auch für Bilder von Innenräumen oder anderen Orten, ohne ein Smartphone direkt abzuhören. Zudem ist die Kamera immer aktiviert, auch wenn der AR-Modus ausgeschaltet ist“

Weltweit wurde die App innerhalb von drei Wochen 75 Millionen mal heruntergeladen – die große Verbreitung „liefert dem Hersteller massenhaft Geodaten und Bilder von den Orten, die mit den Kameras der Smartphones und Tablets aufgenommen werden“, schreibt telepolis. Und:  „Wer spielen will, muss personenbezogene Daten freigeben, die Kamera ist immer angeschaltet, wenn man nicht auf die AR-Funktion verzichtet, was erst ab Android 6.0 möglich ist, Zugriff hat die App auf das GPS-Signal, den Speicher und die Kontaktliste.“

AGB von Pokemon Go: „Wir könnten jegliche Informationen über Sie … an Regierungen oder Strafverfolgungsbehörden oder private Beteiligte offenlegen…“

Alle erhobenen Daten gehen in den Besitz der amerikanischen Firma Niantic über – die ein Ableger von Google ist. In den AGBs von Pokèmon Go steht:

„Wir arbeiten mit der Regierung, mit Strafverfolgungsbehörden oder privaten Beteiligten zusammen, um das Gesetz durchzusetzen und einzuhalten. Wir könnten jegliche Informationen über Sie (oder über das von Ihnen ermächtigte Kind), die sich in unserem Besitz oder Kontrollbereich befinden, an Regierungen oder Strafverfolgungsbehörden oder private Beteiligte offenlegen, wenn wir es nach unserem eigenen Ermessen für notwendig und angemessen erachten: (a) um auf Ansprüche, Gerichtsprozesse (einschließlich Vorladungen) zu reagieren; (b) um unser Eigentum, unsere Rechte und unsere Sicherheit, sowie das Eigentum, die Rechte und die Sicherheit von Dritten oder der allgemeinen Öffentlichkeit zu schützen; und (c ) um jegliche Aktivität, die wir als illegal, unethisch oder rechtlich anfechtbar erachten, aufzudecken und zu stoppen.“

Datenschutzbeauftragte und Verbraucherschützer warnen

„Da es sich um einen außereuropäischen Anbieter handelt, fehlt uns bislang der juristische Hebel, da aktiv zu werden“, sagte die Datenschutzbeauftragte Hansen. Und sie warnt: Die Spiel-Macher könnten mit Pokémon Go die Nutzer „regelrecht lenken“.

Ein gutes Beispiel für das Lenken von Nutzern ist Japan. Dort kooperiere McDonald’s mit dem Spiele-Entwickler und vor jeder Filiale locke ein sogenannter Pokestop. Es zeigt „eindrücklich, wie man heute mit wenig Aufwand große Kundenströme steuern kann“.

Verbraucherschützer kritisieren das Spiel wegen seiner Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen. 15 Klauseln in den AGBs wurden bereits angemahnt, da sie „nach deutschem Recht unzulässig“ sind. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzvb) setzte der US-Firma Niantic, die das Spiel entwickelt hat, eine Frist bis zum 9. August, um eine Unterlassungserklärung abzugeben. Andernfalls wollen die Verbraucherschützer eine Klage prüfen.

Pokémon Go animiert die Spieler, mit ihrem Smartphone versteckte Pokémon-Figuren „einzufangen“, indem sie zu dem passenden Ort laufen. Einige Staaten haben das Spiel ganz oder für bestimmte Berufsgruppen wie Polizisten und Soldaten verboten – darunter der Iran, Saudi-Arabien, Indonesien und Israel.

Die Bundeswehr verbietet Soldaten, Pokèmon Go zu spielen. Bundeswehrsoldaten, die die App nutzen sind lokalisierbar und verschicken – unbeabsichtigt – Daten und Fotos von militärischen Anlagen und Innenräumen.

Aus dem gleichen Grund ist die App in der israelischen und der finnischen Armee verboten. Die Sicherheitsabteilung der israelische Armee schrieb: Das Spiel sei ein Mittel zum Sammeln von Informationen. (ks)

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