Wie Drohnen die Kriegsführung verändern

Ob im Kampf gegen den Terror oder in militärischen Konflikten, Drohnen sind fester Bestandteil moderner Kriegsführung geworden. Auch militante Gruppen profitieren von der Technologie.
Eine US-amerikanische Drohne vom Typ MQ-9 (Archivbild).
Eine US-amerikanische Drohne vom Typ MQ-9.Foto: Massoud Hossaini/MH/AP/dpa
Epoch Times29. April 2024

An dieser Stelle wird ein Podcast von Podcaster angezeigt. Bitte akzeptieren Sie mit einem Klick auf den folgenden Button die Marketing-Cookies, um den Podcast anzuhören.

Es ist Herbst 1916. In den Schützengräben des Ersten Weltkriegs toben verlustreiche und festgefahrene Gefechte. Unter strenger Geheimhaltung setzten die Briten in der Schlacht an der Somme erstmals Panzer ein.

„Alle waren verblüfft, als sie dieses außergewöhnliche Monster über den Boden kriechen sahen“, erinnert eine Zeitzeugenstimme im Podcast des Imperialen Kriegsmuseums in London. Zwar führt der Einsatz damals nicht zum erhofften Durchbruch, die Schlachtfelder sind jedoch für immer verändert.

Ähnlich dürfte auch Drohnentechnologie die Kriegsführung revolutioniert haben. Während viele Länder bisher auf hochmoderne und teils bewaffnete Aufklärungsdrohnen gesetzt haben, kommen immer mehr Kamikaze-Modelle mit verhältnismäßig günstiger Bauweise zum Einsatz.

Die iranischen Drohnen vom Typ Shahed 136 etwa durchkreuzen die Luft, bevor sie auf ihre Ziele hinabstürzen und explodieren. Experten zufolge befindet sich die Kriegsführung mit Drohnen noch in einem frühen Stadium.

Experte: Drohnentechnologie in Kriegsführung in frühem Stadium

„Was Drohnen anbelangt, steht man immer noch relativ nah am Anfang, was die Frage der Einsatz- und Designkonzepte anbelangt“, sagt der Militärexperte Fabian Hinz vom Internationalen Institut für Strategische Studien in Berlin. Mit Drohnen seien Staaten in etwa so weit, wie mit Panzern Anfang der 1920er Jahre.

Drohnen funktionieren bereits sehr gut, aber niemand weiß so richtig, wie man sie am besten einsetzt. Vielleicht ist man mittlerweile ein bisschen weiter durch den Krieg in der Ukraine.“

Insbesondere die iranischen Kamikaze-Drohnen seien eine ganze Weile als sehr spezielle Fähigkeit wahrgenommen worden. „Die Iraner haben versucht, billige Systeme zu bauen, weil sie keine besonders gute Luftwaffe haben“, erklärt Hinz. Mittlerweile sei das Konzept der Langstrecken-Kamikaze-Drohnen für den Einsatz durch den Krieg in der Ukraine jedoch Mainstream geworden.

Andere Staaten wie China versuchen, diesen Drohnentyp zu kopieren. Und auch mit dem Iran verbündete militante Gruppen nutzen Drohnen, um Angriffe auf Ziele in Hunderten Kilometern Entfernung zu fliegen.

Lange Zeit hat Luftüberlegenheit in Konflikten eine entscheidende Rolle gespielt. War die eigene Luftwaffe überlegen, galten Gebiete jenseits der Frontlinien in alten Konflikten als sicher. „Drohnen, ballistische Raketen und auch Cruise Missiles ändern diese Kalkulation“, sagt Hinz.

Ein Beispiel sei die Huthi-Miliz im Jemen, die Saudi-Arabien und jüngst seit Beginn des Gazakriegs auch Ziele im Roten Meer mit Drohnen angegriffen hat.

Dass sie über so eine große Reichweite verfügen und störende Angriffe durchführen können, ist einfach nur der Tatsache bedingt, dass man jetzt diese Technologien hat.“

Auch eine Drohne ist beim Polizeieinsatz dabei.

Drohnen sind auch in Deutschland bereits bei Polizei- und Feuerwehreinsätzen dabei. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Drohnen gehören im Ukraine-Krieg zu den wichtigsten Waffen

Im Krieg gegen die Ukraine gehören Drohnen längst mit zu den wichtigsten und allgegenwärtigen Waffen. Täglich beschießen sich die Kriegsparteien massenhaft mit den unbemannten Flugkörpern, die vor allem die Flugabwehr auf beiden Seiten herausfordern – und weniger Ziele zerstören. Immer wieder richten vor allem auch Trümmer abgeschossener Drohnen Schäden an Wohnhäusern, Industriegebäuden und Energieanlagen an.

Beide Länder erleben einen Boom bei Erfindungen und Herstellern, die Zahl der verschiedenen Drohnen, Unternehmen und Start-ups in dem Bereich ist kaum noch überschaubar.

In Russland schwärmen Staatsmedien etwa auch von der Volksdrohne Upyr (Deutsch: Blutsauger), die Bürger und Kriegskorrespondenten ohne staatliche Zuschüsse selbst entworfen haben – für rund 500 Euro umgerechnet das Stück. Es gebe inzwischen einen regelrechten Wettlauf um die Produktion neuer, schlagkräftiger Drohnen, heißt es.

Es gibt Drohnen für die Luft, für das Wasser; welche, die kleine, andere, die größere Sprengsätze mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Reichweiten haben. Nicht zuletzt werden viele für die militärische Aufklärung genutzt. Es gebe immer bessere Neuentwicklungen, sagt der russische Militärexperte Andrej Klinzewitsch. „Je mehr davon an der Front sind, desto schneller kommen wir dem Sieg näher.“

Schnelle Tests in der Kampfzone möglich

Auch andere Militärexperten betonen, dass sich die Entwicklungen vor allem nach den Bedürfnissen an der Front richten. Vieles kann schnell in der Kampfzone getestet und angepasst werden. Die Flugkörper werden auch mit Nachtsichtgeräten und künstlicher Intelligenz ausgestattet.

Dieses vom Pressedienst des russischen Verteidigungsministeriums zur Verfügung gestellte Foto zeigt Drohnen während des Besuchs des russischen Verteidigungsministers Schoigu auf dem Übungsgelände des Moskauer Militärbezirks (Archivbild).

Dieses vom Pressedienst des russischen Verteidigungsministeriums zur Verfügung gestellte Foto zeigt Drohnen während des Besuchs des russischen Verteidigungsministers Schoigu auf dem Übungsgelände des Moskauer Militärbezirks. Foto: Uncredited/Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpa

Benötigt werden demnach neben Drohnen, die militärische Ziele wie Flugplätze oder Treibstoffdepots zerstören, auch einfache und billige Flugkörper, die vor allem die mit teuren Raketen bestückte Flugabwehr des Gegners entladen soll.

Beide Kriegsparteien veröffentlichen immer wieder Clips davon, wie Drohnen in Panzertechnik einschlagen oder einzelne Soldaten in Schützengräben töten. Von den von einer Person mit Videobrille gesteuerten kleinen FPV-Drohnen, an die einfach Sprengsätze montiert oder geklebt werden, würden inzwischen Hunderttausende produziert, von den schweren Kampfdrohnen Zehntausende, wie russische Behörden berichten.

Trotz der westlichen Sanktionen kommen etwa aus China, auch aus anderen Ländern, fertige Drohnen oder Bauteile nach Russland. Der Minister für Industrie und Handel, Denis Manturow, sagte unlängst, dass die Regierung umgerechnet eine Milliarde Euro ausgeben wolle für die Drohnenentwicklung in den nächsten drei Jahren. Auch Kremlchef Wladimir Putin hatte hier eilig zu mehr Anstrengungen aufgerufen.

Selenskyj: Eine Million Drohnen als Jahresziel

Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj sieht in den Drohnen auch einen Weg zum Sieg über Russland. Er setzte seiner Rüstungsindustrie das Ziel, in diesem Jahr mindestens eine Million davon zu produzieren. Drohnen vom Typ UJ-22 Airborne drangen zuletzt bis tief ins russische Landesinnere vor, eine davon soll voriges Jahr über dem Kreml abgeschossen worden sein.

Für Furore sorgten in der Ukraine zuletzt Drohnenangriffe auf Ziele weit im russischen Hinterland auf Ölraffinerien. Ob dabei die Kampf- und Aufklärungsdrohne Sokil-300 (Deutsch: Falke) mit bis 3.000 Kilometern Reichweite zum Einsatz kam, mit der sogar Ziele in Sibirien erreicht werden können, blieb zunächst unklar.

Auch bei dem massiven Angriff der iranischen Revolutionsgarden auf Israel Mitte April kamen Dutzende Drohnen begleitet von Raketenschlägen zum Einsatz. Der Militärexperte Hinz bewertet die Attacke als Versuch, die Verteidigungssysteme mit der Masse verschiedener Systeme zu überwältigen.

„Der Angriff ist weit oben am Spektrum dessen angesiedelt, wozu sie fähig sind“, erklärt Hinz. Er habe wohl nicht die Resultate gebracht, die sich Teheran erhofft habe.

„Wenn Sie einen so massiven Angriff ausführen, der erfolgreich abgewehrt wird, dann wirft das ein schlechtes Licht auf die eigenen Abschreckungsfähigkeiten.“ (dpa/red)



Epoch TV
Epoch Vital
Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion