Ein Schweizer Klimaforscher will CO₂ als Schadstoff reglementieren – jedoch nur das aus fossilen Energierohstoffen.Foto: Sean Gallup/Getty Images

Schweizer Klimaforscher: „CO₂ muss als Schadstoff gelten“ – aber nur die Hälfte

Von 20. März 2020
„CO₂ ist nicht gleich CO₂“, erklärt der Schweizer Umweltwissenschaftler Johann Dupuis und fordert, dass es umgehend als Schadstoff eingestuft und reglementiert wird. Kohlenstoffdioxid aus natürlichen Quellen – beispielsweise aus der Atemluft – dürfe jedoch "nicht als Schadstoff betrachtet werden".

Anders als Boden, Wasser oder Luft ist das Klima (bisher) kein spezifisch geschützter Teil der Umwelt. Der Schweizer Umweltwissenschaftler Johann Dupuis sieht darin ein großes Problem. Der Forscher der Universität Lausanne plädiert dafür, Kohlenstoffdioxid (CO₂) „ohne Wenn und Aber“ als Schadstoff auszuweisen – selbstverständlich nur das aus fossilen Quellen.

CO₂ müsse als Schadstoff gelten. Erst dann könne der Umweltschutz greifen. Statt dem CO₂-Handel fordert Dupuis echte Grenzwerte. Ein Freibrief zur Umweltverschmutzung (Emissionszertifikate) dürfe man sich nicht mit Geld kaufen können.

Kohlenstoffdioxid ist nicht gleich Kohlenstoffdioxid …

Neben dem umstrittenen „Klimagas“ CO₂ sieht Dupuis auch die Aufnahme anderer Treibhausgase in die Umweltgesetzgebung vor. Methan, Lachgas und fluorierte Kohlenwasserstoffe müssten wie Stick- und Schwefeloxide mittels Gesetzen eingeschränkt werden. Das Problem dabei ist, dass die von Dupuis vorgeschlagenen Klimaschadstoffe nicht immer für den Menschen giftig sind.

Gegenüber dem Schweizer „Infosperber“ erklärte Dupuis zudem, dass CO₂ nicht gleich CO₂ ist und man von „CO₂ aus fossilen Energiequellen reden“ sollte. Weiter schrieb er: „Aus ökologischer Sicht ist es unbestreitbar, dass CO₂ aus fossilen Energiequellen und anthropogene Treibhausgase Schadstoffe sind. […] Es gibt [jedoch] auch CO₂ aus natürlichen Quellen, das nicht als Schadstoff betrachtet werden darf.“ Mit anderen Worten: CO₂, das Menschen und Tiere ausatmen, schadet dem Klima nicht?

„Böses CO₂“ nur für 2,8 Prozent der Klimawirkung verantwortlich

Im Kyoto-Protokoll ist von weiteren Treibhausgasen die Rede: Kohlenstoffdioxid (CO₂), Methan (CH4), und Lachgas (N2O) sowie die fluorierten Treibhausgase (F-Gase): wasserstoffhaltige Fluorkohlenwasserstoffe (HFKW), perfluorierte Kohlenwasserstoffe (FKW), Schwefelhexafluorid (SF6) sowie Stickstofftrifluorid (NF3; ab 2015).

  • Kohlenstoffdioxid

    CO₂ spielt nicht nur bei der Atmung des Menschen und aller Lebewesen – Tiere und Pflanzen – eine entscheidende Rolle. Es entsteht unter anderem bei der Verbrennung fossiler Energieträger (Kohle, Erdöl, Erdgas), also der Strom- und Wärmeerzeugung, sowie in Haushalten, im Verkehr und in der industriellen Produktion.

  • Methan

    CH4 ist 25-mal so wirksam wie Kohlenstoffdioxid, was den Treibhauseffekt angeht. Methan entsteht überall, wo organisches Material unter Luftabschluss gärt – in Deutschland vor allem in der Tierhaltung, in Klärwerken und auf Mülldeponien.

  • Lachgas

    Distickstoffoxid (N2O) ist 298-mal so wirksam wie CO₂. Es entsteht, wenn Mikroorganismen stickstoffhaltige Verbindungen im Boden abbauen, also vor allem über stickstoffhaltigen Dünger und die Tierhaltung. Überdurchschnittlich viel Lachgas emittieren zudem die Düngemittelproduktion und die Kunststoffindustrie.

  • Fluorierte Kohlenwasserstoffverbindungen

    Viele sogenannte F-Gase (HFKW, FKW, SF6, NF3) kommen in der Natur normalerweise nicht vor. Sie sind jedoch extrem treibhauswirksam. Verwendung finden sie als Treibgas, als Kühl- und Löschmittel oder als Bestandteil von Schallschutzscheiben (insbesondere SF6). Ihr Treibhauspotenzial liegt 1.000 bis 24.000-mal über dem von Kohlenstoffdioxid.

Diese Gase werden miteinander normiert, indem die sogenannten GWP-Werte (aktuell die des Vierten Sachstandsberichtes des IPCC/Weltklimarats im 100-Jahrehorizont) eingesetzt werden. Für Deutschland wurde für das Jahr 2016 errechnet, dass 88,2 Prozent der Freisetzung von Treibhausgasen auf Kohlenstoffdioxid entfällt, 6,0 Prozent auf Methan, 4,2 Prozent auf Lachgas und rund 1,7 Prozent auf die F-Gase.

Aufgrund der vielfachen Klimawirkung von Methan, Lachgas und den F-Gasen entfallen jedoch lediglich 2,8 Prozent der „klimaschädlichen Gesamtwirkung“ auf CO₂. Methan trägt 4,7 Prozent bei, Lachgas verursacht 39,2 Prozent und die F-Gase 53,3 Prozent.



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